Lokales

Wald mit vielen Besonderheiten

Lenninger Gemeinderat stimmt der Forsteinrichtung für die Jahre 2013 bis 2022 zu

Der Lenninger Gemeindewald weist einige Besonderheiten auf. Das erfuhren die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung, als Forsteinrichter Andreas Kaphegyi die Ergebnisse der Forsteinrichtungserneuerung für die Jahre 2013 bis 2022 vorstellte.

Die vielen Steillagen und Schutzgebiete machen den Lenninger Wald zu etwas Besonderem. Foto: Jean-Luc Jacques
Die vielen Steillagen und Schutzgebiete machen den Lenninger Wald zu etwas Besonderem. Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. „2013 bis 2022 ist nicht der normale Zeitraum, wir sind ein Jahr hintendran“, erklärte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht, als es um die Forsteinrichtung in der ersten Sitzung des Jahres 2014 ging. Schon am Freitag vergangener Woche schaute sich ein Teil der Gemeinderäte bei einer Waldbegehung mit Vertretern der Forstverwaltung einige Gebiete vor Ort an und ließ sich Vorgehen und Arbeitsweise anhand von Beispielen erklären.

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In der Sitzung war dann reine Theorie angesagt. Seine Daten und Fakten verdeutlichte Forsteinrichter Andreas Kaphegyi mit Tabellen und Grafiken. Wieder einmal wurde den Gemeinderäten deutlich vor Augen geführt, in welch besonderer Landschaft sie leben. „Die Lenninger Waldfläche ist mannigfaltig überdeckt mit Schutzgebieten. Die Mehrfachfunktion liegt bei der 5,1-fachen Betriebsfläche – das ist eine ganze Menge und liegt wesentlich über dem Durchschnitt“, sagte der Forsteinrichter. Dazu zählen beispielsweise Wasser-, Landschafts- oder Naturschutzgebiete, aber auch FFH-Gebiete, Bannwald oder die Kernzone des Biosphärengebiets.

„Auch was Besonderes ist die Tatsache, dass ein großer Teil des Walds auf keiner sehr guten Grundlage steht“, führte Andreas Kaphegyi weiter aus. Die Verteilung der Standortgüte sieht wie folgt aus: 52 Prozent schlecht, 28 Prozent durchschnittlich und 20 Prozent gut. Eine der Ursache dafür ist die Höhenlage. „60 Prozent der Waldfläche ist Hanglage, meist im Steilhang“, so der Fachmann.

Und weiter ging es mit den Besonderheiten: Bei den Waldentwicklungstypen hat Lenningen 52 Prozent Buchenlaubbaummischwald und 35 Prozent Mischwald extensiv vorzuweisen. So verteilt sich das Gros auf lediglich zwei Waldarten, was ebenfalls an den vielen Steilhängen liegt. Diesen Standorten ist auch geschuldet, dass der Betrieb sehr auf Laubholz bezogen ist und der Nadelholzanteil bei lediglich neun Prozent liegt. So kommt Lenningen auch auf einen hohen Anteil von Extensivflächen mit 44 Prozent.

Bei der Altersklassenverteilung zeigt sich auf dem Schaubild ein Ausreißer. Die meisten Bäume sind 120 bis 140 Jahre alt. „Das ist das Altersheim im Forst – aber Bäume sind ja alterslos. Auch das liegt wieder an der Steillage, doch alter Wald ist sehr wertvoll“, relativierte Andreas Kaphegyi. Beim Nachwuchs ist der Lenninger Wald dagegen schwach, Nadelholz fehlt hier sogar gänzlich. „Das wollen wir wieder ins Laufen bringen“, verspricht der Forstverwalter. Über mangelnden Holzvorrat müssen sich die Lenninger allerdings keine Sorgen machen, er liegt über dem Landesdurchschnitt, und auch Brennholz, das stark nachgefragt wird, ist genügend vorhanden.

Als waldbaulich beeinträchtigend bezeichnete Andreas Kaphegyi den starken Verbiss. Vor allem bei Ahorn und Esche sei er punktuell sehr hoch, was den waldbaulichen Spielraum einschränke. Durch das Eschentriebsterben, eine Pilzerkrankung, wird diese Baumart zudem dezimiert.

Lob gab es für den Revierleiter. Er hat 99 Prozent des Planansatzes für die Jahre 2002 bis 2012 erfüllt. „Das ist im Prinzip eine Punktlandung“, verdeutlichte der Forsteinrichter. „Auf das Leck“ bei der Verjüngung hat Revierförster Alexander Klein bereits reagiert und hauptsächlich standorttypische Baumarten wie Buche, Ahorn und Esche gepflanzt, auf knapp vier Hektar auch Fichte und Douglasie. Der Wald ist nach Ansicht der Fachleute in einem guten Pflegezustand, der kein Stabilitätsrisiko birgt, und Andreas Kaphegyi spricht bei einem Ertrag von neun Euro pro Hektar und Jahr von „einem ausgeglichenen Ergebnis für einen alten Wald“.

Als es um die Zukunftsplanung für die kommenden Jahre bis 2022 ging, lernten die Gemeinderäte das „magische Dreieck“ kennen. Hier geht es um das Zusammenspiel von Vorrat, Zuwachs und Nutzung des Waldes. So ist in Lenningen beim Vorrat ein Zuwachs von über 183 000 Erntefestmetern zu erwarten, bei der Nutzung eine leichte Zunahme von etwa 28 000 Erntefestmetern und der Zuwachs wird auf etwa 43 000 Erntefestmeter berechnet.

„Das Betriebsergebnis ist abhängig von der Holzpreisentwicklung. Auch der Holzmarkt ist mittlerweile global“, so Andreas Kaphegyi. Er rechnet in den nächsten Jahren mit einem ausgeglichenen Betriebsergebnis – bei stabilem Holzmarkt und den aktuellen Preisen.

Die Gemeinderäte zeigten sich vom Ergebnis und der Präsentation ebenfalls zufrieden und stimmten einstimmig der Forsteinrichtung 2013 bis 2022 zu.