Lokales

Weltweites Suchsystem für Koffer

Mitarbeiter der Gepäckermittlung leisten Detektivarbeit per Computer – Mit allen Flughäfen vernetzt

Das Warten auf den Koffer oder den Rucksack nach einem Flug: Nur sehr selten passiert es, dass ein Passagier sein Gepäck nicht b
Das Warten auf den Koffer oder den Rucksack nach einem Flug: Nur sehr selten passiert es, dass ein Passagier sein Gepäck nicht bekommt. In diesem Fall startet bei der Gepäckermittlung eine weltweite Suche per Computer.Foto: Roberto Bulgrin

Leinfelden-Echterdingen. Nach der Landung mit der Maschine aus Mallorca fand Heide Graf ihren roten Schalenkoffer schnell auf dem Gepäckband. „Meiner Freundin ist in Griechenland mal der Kinderwagen

abhanden gekommen und nie wieder aufgetaucht.“ Scott Thomas, der aus Kansas in den USA nach Stuttgart kam, um die Familie seiner Frau in Karlsruhe zu besuchen, hat seine vielen Koffer und Taschen ebenfalls wohlbehalten bekommen. „Einmal kam einer meiner Koffer später an“, erinnert sich der Vielflieger. „Aber nach einem Tag hat der Kurier ihn mir wieder gebracht.“

Mit einem weltweiten Suchsystem arbeitet die Gepäckermittlung der Lufthansa, die auf dem Stuttgarter Flughafen nicht nur für die eigenen Flüge und die der Konzerntochter Germanwings, sondern auch für andere Fluggesellschaften zuständig ist, die das Unternehmen beauftragen. Am Drehkreuz in München betreut die Lufthansa 25 Airlines.

Wenn ein Passagier auf dem Stuttgarter Flughafen seinen Koffer oder Rucksack vermisst, meldet er sich zunächst beim Schalter in der Nähe der Kofferbänder. „Dort werden mit einem Fragebogen zunächst die genauen Daten des Gepäckstücks und die Kontaktdaten des Passagiers erfasst“, sagt Stefan Baumgarth, der auf dem Flughafen in München für die Gepäckermittlung zuständig ist und auch den Flughafen in Stuttgart mitbetreut. Wichtig ist aus der Sicht des Experten eine möglichst exakte Beschreibung, damit Verwechslungen ausgeschlossen sind. Es reiche nicht, zu sagen, dass der Koffer schwarz ist. Marke und andere Kennzeichen sind wichtig. Außerdem gebe es immer mehr Passagiere, die ihre Koffer und Taschen etwa mit einer roten Schleife oder einem besonderen Anhänger kennzeichnen. Diese Daten werden dann in ein weltweites Computersuchsystem eingespeist. „Darauf haben alle Flughäfen auf der Welt Zugriff, selbst die entlegensten“, sagt Baumgarth. „Wir sind weltweit vernetzt und erfahren blitzschnell, wenn irgendwo ein Koffer stehen bleibt.“ Ein bisschen detektivischen Spürsinn müssten er und seine Mitarbeiter an den Schaltern aber schon mitbringen, um das passende Gepäck für die Passagiere zu finden. „Wir haken ganz genau nach, denn umso leichter fällt dann die Ermittlung.“

Wird der Koffer dann aufgespürt, sorgt die Gepäckermittlung dafür, dass er möglichst schnell zum Passagier gelangt. „Oft passiert es, dass Koffer an den Drehkreuzen in München oder Frankfurt hängen bleiben, weil ein Anschlussflug verpasst wurde“, weiß Baumgarth aus Erfahrung. Diese Gepäckstücke werden mit der nächsten Maschine nach Stuttgart geschickt. Ein Kurierfahrer bringt sie dann direkt zu den Passagieren. Das dauert nur wenige Stunden.

Wenn ein Koffer, der für Stuttgart bestimmt war, versehentlich in der Maschine nach Barcelona oder nach Reykjavik landet, dauert der Rücktransport etwas länger. Dank modernster Technik und der computerlesbaren Baggage Tags (deutsch: Gepäckschilder) ist so etwas nach Baumgarths Worten jedoch eher die Ausnahme.

„Dass ein Gepäckstück tatsächlich verloren geht, ist sehr unwahrscheinlich“, weiß Baumgarth. Hier liege die Quote bei unter einem Prozent. Der Experte rät Passagieren, ihre Koffer, Taschen und Rucksäcke möglichst mit einem Adressaufkleber oder -anhänger zu versehen. „Dann lassen sie sich leichter finden.“ Außerdem sollte in jedem Koffer auf Pullovern und Hosen ein zusätzliches Adressschild liegen, das beim Öffnen gut sichtbar ist.

„Immer wieder haben wir auch Gepäckstücke, die nicht im System zu finden sind“, sagt Baumgarth. Da müssen er und sein Team die Besitzer erst ermitteln. Das kommt unter anderem vor, wenn ein Passagier auf dem Flug erkrankt, oder wenn sonst ein Notfall vorliegt. Diese lassen sich dann zuordnen. Sind diese Fundsachen nicht gekennzeichnet, kommt auf die Gepäckermittler der Lufthansa mühsame Tüftelarbeit zu.

„Etwa ein Prozent der Gepäckstücke erreicht nicht pünktlich seinen Besitzer am Zielort“, erläutert Baumgarth. Nach Angaben des Luftverkehrs-Netzwerkes Sita kamen 2011 weltweit knapp 26 Millionen Koffer und Taschen nicht ordnungsgemäß ans Ziel (2007 waren es noch 42,4 Millionen). Allein bei der Lufthansa betrifft das jährlich rund 800 000 Gepäckstücke. Etwa 40 000 davon können auch nach intensiver Nachforschung keinem Fluggast zugeordnet werden und landen bei der Gepäckversteigerung.

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