Lokales

Wenn der Glaube an die eigene Stärke fehlt

Bericht über die vielfältige Arbeit des Sozialen Diensts Kirchheim

Nach einem Tätigkeitsbericht des Sozialen Diensts Kirchheim (SDK) im Finanz- und Verwaltungsausschuss hat der Gemeinderat der Neufassung eines öffentlich-rechtlichen Vertrags zugestimmt. Die Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis im SDK gibt es seit knapp 13 Jahren.

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Andreas Volz

Kirchheim. Heike Kunz und Helga Weis stellten den Sozialen Dienst Kirchheim als ein Sondermodell vor, weil es eine vergleichbare Kooperation zwischen Kommune und Landkreis sonst nirgends gibt. Als besonders positiv hob Heike Kunz hervor, dass die Aufmerksamkeit des SDK nicht nur den betroffenen Menschen gilt, sondern sich auch auf das Umfeld erstrecken kann. Auch sei die Zuständigkeit ganz klar geregelt. Nicht nur für einzelne Wohngebiete oder Straßen, sondern bis hin zur Hausnummer gebe es „persönlich zuständige Sozialarbeiter“.

Was die Kinder- und Jugendhilfe betrifft, betonte Heike Kunz, dass das Recht der Erziehungsberechtigten im Mittelpunkt stehe. Kontakt zur Klientel bekommt der SDK entweder durch die Betroffenen selbst oder aber durch Institutionen wie Kindergarten und Schule beziehungsweise durch Verwandte, Bekannte oder Nachbarn.

Wie die Arbeit des SDK vor Ort aussehen kann, das schilderte Helga Weis an einem anonymisierten Einzelfall. Eine alleinerziehende Mutter sei „heillos überfordert gewesen“. Helga Weis zufolge war die „Grenze der Kindeswohlgefährdung“ bereits erreicht. Trotzdem sei die Mutter liebevoll mit ihren Kindern umgegangen. Sie sei auch kooperativ gewesen und letztlich sogar dankbar für die Hilfe durch den SDK – zunächst einmal fürs Putzen, Aufräumen und das Wegschmeißen von angesammeltem Müll in der Wohnung. Der SDK habe dafür gesorgt, dass die Mutter eine Therapie begonnen hat und dass sie sich in einer Art Selbsthilfegruppe mit anderen Frauen treffen konnte, die in einer ähnlichen Situation waren. Vor allem aber habe der SDK dieser Frau geholfen, wieder an ihre eigenen Stärken zu glauben. Denn oberstes Ziel sei es, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. So hat Helga Weis auch die „Selbsthilfegruppe“ nur anfangs begleitet – und nur so lange, bis die betroffenen Frauen in der Lage waren, ihre Treffen selbst zu organisieren.

Auf die Frage, ob der SDK auch auf Widerstand stoße, sagte Heike Kunz: „Wenn sich die Betroffenen selbst melden, wollen sie ja Unterstützung.“ Wenn sich dagegen andere melden und auf Probleme aufmerksam machen, dann sei das SDK-Team sehr behutsam bei der ersten Kontaktaufnahme, sodass Widerstand gar nicht erst aufkomme. Oftmals gelinge es auch, mit der Hilfe der Verwandten und Bekannten, die sich gemeldet haben, an die Betroffenen heranzukommen. Die Fälle, in denen der SDK gesetzlich zum Eingreifen gezwungen ist – auch gegen den Willen der Betroffenen – würden sich auf einen oder zwei im Jahr beschränken.

Helga Weis betonte in diesem Zusammenhang den Vorteil, auch das Umfeld zu kennen und so über Vertrauenspersonen die Hilfebedürftigen erreichen zu können. Dazu gehöre es auch, bei sprachlichen Prob­lemen Übersetzer mitzubringen. Eines aber bleibt eine Schwierigkeit beim SDK: die Öffentlichkeitsarbeit. Helga Weis zufolge scheut ihre Klientel die Öffentlichkeit. Wer noch Hilfe benötigt, möchte das nicht nach außen tragen. Und wer es durch die Unterstützung des SDK geschafft hat, wieder ein „normales“ Leben zu führen, möchte erst recht nicht, dass über frühere Probleme nachträglich offen berichtet wird.