Lokales

Wenn die Jugendfeuerwehr in Ohnmacht fällt

Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Neidlingen – Maschinenbrand und Rauchvergiftungen

„Sind die noch zum Tanken gefahren?“, fragte ein Zuschauer der Neidlinger Hauptübung, als die Freiwillige Feuerwehr fünf Minuten nach dem Alarm bei TTS Tooltechnic Systems noch immer nicht vorgefahren war. Doch schon Sekunden später kam sie und zeigte eine Auswahl ihres Könnens.

Die Freiwillige Feuerwehr Neidlingen probte am Samstag bei der Firma TTS Tooltechnic Systems den Ernstfall.Foto: Peter Dietrich
Die Freiwillige Feuerwehr Neidlingen probte am Samstag bei der Firma TTS Tooltechnic Systems den Ernstfall.Foto: Peter Dietrich

Neidlingen. Im Maschinensaal war es am Samstagnachmittag zur Überhitzung eines Elektromotors gekommen. So lautete die Brandannahme. Über einen Kabelschacht hatte sich das Feuer ausgebreitet, es entwickelte sich starker Rauch. Einige Mitarbeiter hatten versucht, den Brand zu löschen. Doch dabei erlitten sie Rauchvergiftungen und wurden ohnmächtig. Der Übungsrauch kam aus der Nebelmaschine, die Ohnmächtigen wurden von der Jugendfeuerwehr gespielt: der 15-jährige Marcel, der zwölfjährige Mattis, die beiden Elfjährigen Felix und Jana, der achtjährige Lukas und der siebenjährige Dominik hatten sichtlich Spaß an ihren Rollen.

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Mit ihrem Tanklöschfahrzeug TLF 23 aus dem Jahr 1982 und ihrem nur wenig jüngeren TLF 21 von 1988 rückte die Feuerwehr von zwei Seiten her in den Maschinensaal vor. Mit Atemschutz machte sie sich im verrauchten Gebäude auf die Suche nach den Verletzten, schaute rings um jede einzelne Maschine. Jeweils zwei Feuerwehrleute brachten die Verletzten nach draußen und übergaben sie dort dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), das ebenfalls an der Übung teilnahm.

Nach der Menschenrettung wurde die Wasserversorgung aufgebaut: Zum einen führen die beiden Fahrzeuge 2 500 und 2 400 Liter Wasser mit sich, zum andern gibt es unten an der Hauptstraße einen Hydranten. Um Schäden zu vermeiden, kam im Innern des Gebäudes kein Wasser zum Einsatz. Dafür durften nach dem Einsatz die Kinder draußen gehörig über den Parkplatz spritzen. Wer noch zu klein war, um die Spritze alleine zu halten, ließ sich dabei helfen.

Rund 50 Zuschauer verfolgten die halbstündige Übung, etwa die Hälfte davon waren Kinder. Unter den Zuschauern war auch der ehemalige Kommandant Walter Hepperle und ein Beobachter aus Leinfelden-Echterdingen. Der jetzige Kommandant Thomas Kuch erläuterte die einzelnen Schritte.

„Wir können zufrieden sein mit dem, was wir gesehen haben“, sagte Bürgermeister Rolf Kammerlander nach dem Einsatz. Bei der Hauptübung gehe es nicht nur ums Üben, sondern auch darum, den Menschen das Können der Feuerwehr zu zeigen. Kammerlander hält auch die anschließende Geselligkeit bei Wurstwecken und Getränken für wichtig: „Nur, wenn man sich persönlich kennt und vertraut, kann man auch im Ernstfall gut zusammenarbeiten.“ Im kommenden Jahr wünscht sich der Rathauschef eine Hauptübung im Neidlinger Kindergarten Wasserschloss. Dieser wurde jüngst unter dem Dach um zehn Krippenplätze erweitert.

Für die Firma TTS Tooltechnic Systems war die Übung Teil einer ganzen Serie, wie der Brandschutzbeauftragte Martin Nothdurft erklärte. Am Standort Illertissen, an dem neu gebaut worden war, wurde eine Woche zuvor geübt; der Standort Wendlingen ist im November an der Reihe. Die Übungen gehen auf eine Anregung der Versicherung zurück. Die letzte Hauptübung in Wendlingen war im Jahr 2004.

Für die Freiwillige Feuerwehr Neidlingen hatte der Samstag noch mehr zu bieten: Vier Feuerwehrmänner haben ihre Grundausbildung beendet und wenige Stunden vor der Übung ihre Prüfung bestanden. Damit ist die Neidlinger Feuerwehr von 27 auf nun 31 Aktive gewachsen.