Lokales

Wenn Schüler den Kochlöffel schwingen

Pilotprojekt am Ludwig-Uhland-Gymnasium: In der LUGeria sind freitags Nachwuchsköche am Werk

Eifrig ans Werk: In der Lugeria kochen jeden Freitag Schüler für ihre Mitschüler.Foto: Deniz Calagan
Eifrig ans Werk: In der Lugeria kochen jeden Freitag Schüler für ihre Mitschüler.Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Es duftet auf dem Flur, es brutzelt auf dem Herd: Schon seit Mai 2001 verfügt das Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG) über eine von hoch motivierten El-

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tern betriebene Mensa, die von montags bis freitags Schüler mit einem preiswerten, schmackhaften Essen versorgt. Jetzt schwingen dort jeden Freitag auch Schüler der Klassen 9 und 10 den Kochlöffel.

In der Küche der LUGeria, wie die Mensa des Gymnasiums auch genannt wird, herrscht seit 8 Uhr morgens geschäftiges Treiben. Neben leisem Stimmengewirr klirren Gläser, Teller und Besteck aneinander. Während auf dem Herd Geschnetzeltes langsam vor sich hin brät, eilen junge Menschen in Kochschürzen zwischen den Arbeitsflächen hin und her. In den Pausen zwischen den Schulstunden recken einige Schüler neugierig den Kopf in die Mensa. „Wir wollen nur schauen, was unsere Mitschüler heute machen“, sagen sie, und winken den jungen Köchen zu. „Keine Zeit, wir müssen kochen“, lautet deren gewissenhafte Antwort.

Damit für die Mittagspause von 11.30 bis 13.30 Uhr alles glatt läuft, muss noch einiges getan werden. „Heute gibt es zur Vorspeise eine Buchstabensuppe, als Hauptmahlzeit wahlweise Gyros oder Gemüsetaler mit Tzatziki und Reis sowie einen Krautsalat und zum Dessert einen Früchtequark mit frischem Obst“, erläutert Kerstin Banzhaf das Menü für diesen Tag. Sie gehört zu den Müttern, die die Jugendlichen unterstützen. Normalerweise würde sie hier gemeinsam mit anderen ehrenamtlich engagierten Eltern in der Küche stehen, doch heute sind ihre Mitköche hauptsächlich Schüler im Alter von ungefähr 14 Jahren. „Dafür machen die das aber schon richtig gut“, lobt Kerstin Banzhaf den fleißigen Einsatz der jungen Köche.

So ein Projekt hauptsächlich mit Schülern stemmen zu wollen, ist kein leichtes Unterfangen. Immerhin gehen hier in der Mittagspause schon mal 200 bis 250 Essen über die Theke. Bärbel Schmitz, die den Einkauf der Mensa koordiniert und auch für die Einteilung der verschiedenen Kochgruppen zuständig ist, war der Idee anfangs zwar nicht abgeneigt, konnte es sich jedoch nur schwer vorstellen: „Es ist anstrengend. Eigentlich arbeitet man fast acht Stunden lang im Stehen. Das erschien mir für Kinder mit Unterricht nur schwer vereinbar.“

„Es geht uns darum, die Schüler auch außerhalb von Unterricht und Lernen am Schulleben zu beteiligen“, sagt Lehrerin Karen Lutz, die die Idee für das Projekt hatte. „Die Mensa erschien uns da als das am besten geeignete Mittel – hier können sie Verantwortung übernehmen, sich in Organisation üben und auch ein paar Grundlagen des Kochens mitbekommen.“ Es gab allerdings im Vorfeld einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. „Die Schulleitung hat uns zwar von Anfang an unterstützt, aber wir mussten trotzdem erst alle anderen davon überzeugen, dass es sich lohnt“, sagt Sabine Bonfert vom Verein „LUGeria – Eltern kochen für Schüler“ in einem ruhigen Moment. Ein Projekt dieser Größenordnung müsse schließlich von allen mitgetragen werden: nicht nur von Schülern, sondern auch von deren Eltern und Lehrern. Die Gesamtlehrerkonferenz im Juli lieferte aber ein eindeutiges, positives Signal. „Nur 13 Enthaltungen, und keine einzige Gegenstimme“, erinnert sich Sabine Bonfert. „Das gab‘s so glaube ich noch nie.“

Doch nicht nur das: „Auch das Einverständnis der Eltern und die enorme Bereitschaft der Schüler zum Kochen hat uns begeistert und überrascht“, erklärt Bonfert. Insgesamt 110 Schüler haben sich für das Pilotprojekt angemeldet, die über das ganze Schuljahr 2013/14 hinweg immer freitags in Gruppen zu je sechs bis acht Schülern kochen. Für den jeweiligen Freitag fällt für sie der Unterricht aus, der verpasste Stoff muss aber von ihnen nachgeholt werden. Wegen der hohen Anzahl kochwilliger Schüler kommt dies im Schuljahr höchstens zwei- oder dreimal vor, zwischen den Kocheinsätzen der einzelnen Gruppen liegen mehrere Wochen und Monate. In Zusammenarbeit mit Hauswirtschafterin Petra Latzel und zwei bis drei mensa-erfahrenen Eltern entsteht im Laufe des Vormittags ein bewährtes LUGeria-Menü – von Schülern für Schüler.

Den beteiligten Schülern gefällt es schon jetzt, sie sind gewissenhaft bei der Sache: Für die Arbeit in der Mensa musste der Küchennachwuchs sogar eigens eine „Hygienebelehrung nach dem Infektionsschutzgesetz“ des Gesundheitsamtes mitmachen, die ihnen den korrekten Umgang mit Lebensmitteln gezeigt hat. „Zusammen kochen macht Spaß, und es packen ja auch alle mit an“, sagt Tim Jüstel, dessen Eltern ebenfalls in der Mensa mitarbeiten. „Es ist einfach mal was anderes, und man lernt auch noch was dabei.“ Sein Mitschüler Simon Fuchs stimmt zu: „Man wächst auch als Gruppe zusammen“, betont er. Dass die Schule dafür ausfällt, sei zwar nett, für ihn und viele andere aber gar nicht ausschlaggebend. „Erstens müssen wir Verpasstes ja eh nachholen“, erklärt der 14-Jährige. „Und zweitens sind wir dafür aber auch bis mindestens 15 Uhr hier, länger als die anderen – bis die Küche eben blitzeblank ist.“ Das Pilotprojekt „Schüler kochen für Schüler“ ist vorerst auf ein Jahr befristet. Sollte sich das Modell jedoch bewähren, könnte es zur festen Institution erklärt werden.