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Wer hilft nach der Entlassung?Info

Für das Kirchheimer Projekt „BesTe Genesung zu Hause“ werden Ehrenamtliche gesucht

In Kirchheim soll noch in diesem Jahr ein neues Projekt an den Start gehen: Unter dem Titel „BesTe Genesung zu Hause“ geht es darum, eine „Brücke aus der Klinik in den Alltag“ zu bauen. Ehrenamtliche Kräfte unterstützen alleinstehende Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Menschen an die Hand nehmen und ihnen nach einem Klinikaufenthalt die ersten Schritte in den Alltag erleichtern - das ist die Au
Menschen an die Hand nehmen und ihnen nach einem Klinikaufenthalt die ersten Schritte in den Alltag erleichtern - das ist die Aufgabe von ehrenamtlichen Helfern im neuen Kirchheimer Projekt „BesTe Genesung zu Hause“.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Andreas Volz

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Kirchheim. Ein achtköpfiger Steuerungskreis hat das Projekt vorbereitet, bei dem sich die Stadt Kirchheim, das Kirchheimer Krankenhaus und Pflegeeinrichtungen gemeinsam auf die Suche nach Ehrenamtlichen machen. Diese Ehrenamtlichen sollen sich – zeitlich begrenzt auf maximal 30 Tage – als Ansprechpartner zur Verfügung stellen, wenn Patienten anfängliche Schwierigkeiten damit haben, zu Hause allein zurechtzukommen. Es geht dabei nicht darum, die medizinische Versorgung zu übernehmen, eine Pflegekraft oder die Putzfrau zu ersetzen. Vielmehr sollen die ehrenamtlich engagierten die vielen „kleineren“ Aufgaben angehen, für die normalerweise die Angehörigen zuständig sind.

Gabriele Burger vom Kliniksozialdienst schildert den Fall einer älteren Dame, die mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wird und dabei natürlich weder Zeit noch Muße hat, eine Tasche zu richten. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wiederum ist eine Reha vorgesehen. Auch das ist mit viel Vorbereitung verbunden. Anträge sind zu stellen, die Reise ist zu organisieren, der eine oder andere gezielte Einkauf zu erledigen. Das alles ist der Patientin zu viel Aufwand, so dass sie letztlich auf die Reha lieber ganz verzichtet.

Ein anderes Beispiel erzählt Gabriele Steiner, Pflegedienstleiterin bei der Diakoniestation Teck: Wieder geht es um eine ältere Dame. In diesem Fall wird sie nach einem Schlaganfall im Krankenhaus behandelt. Die anschließende Reha tritt sie an. Zwischendurch aber kann sie nicht zu Hause bleiben, sondern muss zur Kurzzeitpflege in ein Heim. Ihr Problem ist das Kofferpacken. Für die Krankengymnastik in der Reha muss sie noch Schuhe kaufen. Und außerdem laufen zu Hause Rechnungen auf. Sie hat Angst, dass sie diese Rechnungen nicht rechtzeitig zahlt. Bisher hat sie in ihrem Leben alle Rechnungen pünktlich beglichen.

Die Probleme sind also sehr unterschiedlich, und doch sind es auch immer wieder dieselben. Manchmal geht es um die Versorgung des Haustiers. In einem anderen Fall ist der Kühlschrank mit Lebensmitteln gefüllt, die während des Klinikaufenthalts zu verderben drohen. Nach der Entlassung wiederum sollte der Kühlschrank mit frischen Lebensmitteln gefüllt sein. Der Briefkasten sollte geleert werden, und auch die Fahrt zur Nachsorgeuntersuchung will organisiert sein. In vielen Fällen haben Menschen heutzutage gar keine Angehörigen mehr, oder aber die Angehörigen wohnen Hunderte von Kilometern entfernt. Für die Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen fühlt sich also niemand zuständig.

Diese Lücke soll nun das Projekt „BesTe Genesung zu Hause“ schließen. Es gehört zu einem von 15 Modellprojekten in Baden-Württemberg, die das Sozialministerium und die Pflegekassen unterstützen. „BesT“ steht als Abkürzung für das Programm „Bürgerengagement sichert Teilhabe“. Und genau um Teilhabe geht es hier, wie Kirchheims Sozialamtsleiter Roland Böhringer betont: „Die Menschen sollen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wieder auf die Beine kommen, für sich selbst sorgen und damit wieder am Leben teilhaben können.“ Wo das nicht funktioniert, komme es zum Drehtüreffekt: Der Patient kommt umgehend wieder zurück zum Arzt oder ins Krankenhaus.

Dr. Ernst Bühler vom Klinikum Kirchheim erwähnt denn auch Studien aus den USA, die belegen, dass Menschen, die zu Hause eine entsprechende Unterstützung erhalten, nicht gleich wieder ins Krankenhaus kommen. Er selbst kennt nur zu viele Fälle, in denen ältere Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt zu Hause stürzen und deshalb gleich wieder in die Klinik eingeliefert werden. Aber natürlich kann das Problem, sich nicht gleich selbst versorgen zu können, auch jüngere Menschen treffen.

Dr. Doris Schmidt verweist auf die Möglichkeit, auch schon vor einer geplanten Operation mit den Ehrenamtlichen Kontakt aufzunehmen, um sich gegenseitig schon einmal kennenzulernen, bevor der Ernstfall eintritt. Die Krankenhäuser selbst stehen übrigens immer wieder vor dem Problem, dass sie auf den Kosten sitzenbleiben, die entstehen, wenn sie einen Patienten zu lange behalten, weil er sich zu Hause nicht versorgen kann.

Aber natürlich geht es nicht nur um den Kostenfaktor. Petra Gehrung vom „Case Management“ des Krankenhauses betont nämlich, dass auch das Personal die Sicherheit braucht, Patienten nicht in eine ungesicherte Situation schicken zu müssen.

Wer sich für ein ehrenamtliches Engagement im Projekt „BesTe Genesung zu Hause“ interessiert, kann sich an Monique Kranz-Janssen, Telefon 0 70 21/5 02-3 34, E-Mail m.kranz-janssen@buefet.de, wenden oder an Dr. Doris Schmidt, Telefon 0 70 21/8 84 45 53, E-Mail d.schmidt2@kk-es.de. Von Mitte Oktober bis Ende November steht dann eine Schulung an fünf Nachmittagen an. Begleitung und Unterstützung durch hauptamtliche Kräfte gibt es natürlich jederzeit.