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KJR-Geschäftsführer Kurt Spätling geht nach 20 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand

Viel hat sich verändert in der Jugendarbeit der letzten 20 Jahre. Kurt Spätling, der Mann, der als Geschäftsführer des Kreisjugendrings Esslingen (KJR) den Wechsel zum pädagogischen Dienstleister initiiert und begleitet hat, ohne dabei den Stellenwert der offenen Jugendarbeit aus den Augen zu verlieren, geht am 12. April in den wohlverdienten Ruhestand.

Bilder einer vielseitigen Laufbahn im Dienste der Jugend: KJR-Geschäftsführer Kurt Spätling geht in den Ruhestand.Fotomontage: J
Bilder einer vielseitigen Laufbahn im Dienste der Jugend: KJR-Geschäftsführer Kurt Spätling geht in den Ruhestand.Fotomontage: Jean-Luc Jacques

Wendlingen. Neue Akzente setzen und einmal beschrittene Wege fortführen, das nahm sich Kurt Spätling bei seinem Amtsantritt als KJR-Geschäftsführer im Januar 1992 vor. Nun, über 20 Jahre später, kann er von sich behaupten, beides verwirklicht zu haben. Neue Akzente sind allemal gesetzt worden, denn die Jugendarbeit im Landkreis Esslingen hat sich stetig weiterentwickelt und am Sozialraum ausgerichtet. Sein Prinzip war es, nicht an Vergangenem festzuhalten, sondern die Jugendarbeit als „Spiegelbild der gesellschaftlichen Veränderungen“ immer wieder neu zu bewerten.

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Mussten Jugendhäuser in den 1970ern oft gegen kommunale Widerstände erst heftig erkämpft werden, so wandelte sich im Laufe der Zeit die öffentliche Einstellung zu den einst als linke Kaderschmieden verschrienen Einrichtungen. „Bürgermeister und Gemeinderäte waren plötzlich der Meinung, wir brauchen eine offene Jugendarbeit“, erinnert sich Kurt Spätling. Inzwischen ist die Zahl der Jugendhäuser und -treffs im Kreis Esslingen auf 32 angestiegen. Einige davon sind Mehrgenerationenhäuser.

Am gravierendsten für Kurt Spätling waren die Veränderungen in der Jugend selbst, ihre „Gesellungsformen“ und ihr Freizeitverhalten. „Das hat sich total verändert.“ Früher war das Jugendhaus für viele wie eine zweite Heimat. Heute gehen Jugendliche zu Veranstaltungen, Verabredungen oder wegen eines Projekts ins Jugendhaus. Verstärkt splittert sich die Jugendszene in Milieus auf. „Für Gymnasiasten ist das Jugendhaus meist keine Option“, weiß der KJR-Chef. In den Einrichtungen sind hauptsächlich Haupt-, Werkreal- und Realschüler anzutreffen.

Der Lebensmittelpunkt von Jugendlichen ist die Schule. „80 Prozent der Freundschaften werden in Schulen geschlossen.“ Der Kreisjugendring sah hierin eine Chance, seinen ureigenen Beitrag zu leisten – nicht als Gegenmodell zur Schule, sondern als Partner auf dem Weg zu einem gemeinsamen Bildungspakt. „Wir sollten Möglichkeiten und Freiräume für Jugendliche schaffen, sich auszuprobieren und Grenzen zu testen“, sagt Kurt Spätling. Die Jugendarbeit kann den Jugendlichen jenseits der Benotung einen Raum bieten, ihre Fähigkeiten zu erfahren und ihre Stärken zu fördern, wie etwa in der Kompetenzwerkstatt, die aus der Südtiroler Zukunftswerkstatt geboren wurde. Ziel ist es, alle Jugendlichen in die Gesellschaft zu integrieren. „Das ist eine wichtige Aufgabe der Jugendarbeit“, sagt Kurt Spätling, weshalb der KJR auch beim Thema „Schule – Übergang zum Beruf“ mit von der Partie ist.

War der Kreisjugendring Esslingen in jungen Jahren Lieferant schlagzeilenträchtiger Jugendbegegnungen, so stellt sich dieser Arbeitsbereich nicht mehr so spektakulär dar wie früher. „Mit Polen läuft nach wie vor viel, wenngleich eher bescheiden“, verweist der KJR-Geschäftsführer auf Kifepro-Aktionen in Kirchheim und Pruszkow und eine FSJlerin aus Polen in Ostfildern. Die Jugendbegegnung mit Givatayim in Israel verlagerte sich in den Schulbereich.

Gerne erinnert sich Hobbykoch Spätling an die Sommerlagerzeiten in Obersteinbach und freut sich, dass die bekannten Zeltlager im Hohenlohischen trotz starker Konkurrenz nach wie vor sehr gefragt sind. Doch in diesem Sommer wird er nicht in der Küche des Freizeitheims in Obersteinbach stehen, Spaghetti kochen und Salate anmachen. Bevor sein aktives Rentnerleben beginnt, verordnete er sich erst einmal eine dreivierteljährige Zeit der Orientierung. Ohne nervtötendes Wecker- und Telefongeklingel, ohne Chefsessel und vorbeidonnernde Regionalzüge und ohne lästige Marathonsitzungen. Vorerst.

Kurt Spätling und der KJR

Kurt Spätling begann seine Laufbahn beim KJR Esslingen 1980. Zehn Jahre lang war der Sozialpädagoge mit Zusatzausbildung für den KJR als Praxisberater tätig, bevor er stellvertretender Geschäftsführer und damit zuständig für die Jugendhäuser wurde und bereits zwei Jahre danach an die Spitze aufrückte. Der Kreisjugendring Esslingen ist Personalträger von 32 Jugendhäusern, organisiert Freizeiten, Seminare und Projekte. Der Verein beschäftigt 174 Mitarbeiter und verfügt über einen Etat von 7,09 Millionen Euro, davon 2,34 Millionen als Zuschuss vom Landkreis.