Lokales

„Wir alle sind Europa“

Im Landratsamt stellten Schüler ihre EU-Projekte vor

Die Europäische Union sorgt zur Zeit vor allem für negative Schlagzeilen. Für die Schüler, die gestern im Landratsamt ihre Europa-Projekte vorstellten, war das nebensächlich. Sie haben das Gefühl, von der EU zu profitieren.

Kreis Esslingen. Der Landkreis Esslingen und die Europa-Union hatten zur Impulsveranstaltung „Wir alle sind Europa“ ins Landratsamt eingeladen. Im Foyer informierten acht Schulen aus dem Landkreis, darunter die Jakob-Friedrich-Schöllkopfschule und die Teck-Realschule aus Kirchheim, darüber, welche Europa-Projekte an ihren Schulen umgesetzt werden. „Vieles ist in den Schulen schon heute Alltag“, sagte Gastgeber Heinz Eininger und nannte den klassischen Austausch und die Comenius-Projekte, die von der Europäischen Union gefördert werden. Ziel der Veranstaltung sei es, den Europagedanken noch stärker in die Schulen zu tragen. „Europa ist mehr als die Zahllast Griechenland“, rief der Landrat seinem jungen Publikum zu. In der Lebenswirklichkeit vieler, auch junger Menschen sei Europa längst angekommen.

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Das konnten Fanni Deak und Csaba Slemmer, zwei junge Ungarn, nur bestätigen. In einem kurzen Referat beschrieben sie ihren Weg durch Europa, der beide zum Studium nach Deutschland geführt hat. Beide fühlen sich als Europäer. Reisen ohne Visum, das Erlernen von Fremdsprachen, Netzwerke, interkulturelle Kompetenzen und viele Freundschaften – das alles ist für sie Europa. „Diese Dinge lernt man nicht in der Schule, das kann man in Europa erleben“, so lautete ihre Botschaft an die Schüler.

Die Klasse 10d der Teck-Realschule gehörte zu den Auserwählten, die ihr Europa-Projekt beispielhaft vorstellen durften. „Water, water every­where“, lautet der Titel des aktuellen Comenius-Projekts, auf Deutsch „Wasser, wohin das Auge schaut“. Außer der Teck-Realschule nehmen vier weitere Schulen in England, Norwegen, Spanien und Italien am Projekt teil. Jede hat die Aufgabe, einen anderen Aspekt des Themas Wasser aufzubereiten. Während die Teck-Realschule sich dem Zusammenhang mit Industrialisierung widmet, geht es an der spanischen Schule um das Thema Wasserknappheit. Die Schulklassen besuchen sich gegenseitig, organisieren für die Gäste Führungen und Übernachtungsmöglichkeiten und stellen ihre Ergebnisse vor. „Wir haben unser Englisch verbessert und die Schulen in anderen Ländern kennengelernt“, berichtete eine Schülerin.

Eugen Beck, Kreisvorsitzender der Europa-Union und Initiator der Veranstaltung, war von den Vorträgen der Schüler begeistert. Die Nähe der Jugendlichen zu Europa lässt ihn hoffen, dass es gelingen kann, die Probleme in Europa gemeinsam anzugehen. „Wir brauchen eine soziale Friedenspolitik in den einzelnen EU-Ländern“, sagte er in Anspielung auf soziale Unruhen und hohe Arbeitslosigkeit in manchen Mitgliedsstaaten.