Lokales

„Wir brauchen E-Mobilität“

Gäste des Landkreis-Geburtstags nutzten Vormittag auf der Alb zum Erfahrungsaustausch

Was haben die Landkreise Esslingen, München und Leipzig gemeinsam? Sie sind Standorte von Automobilherstellern und deren Zulieferern. Und so lauschten die Gäste, die zum 40. Geburtstag des Landkreises angereist waren – darunter auch Delegationen aus der israelischen und der polnischen Partnerstadt – im Naturschutzzentrum in Schopfloch mit großem Interesse den Ausführungen von Professor Willi Diez.

Umweltfreundliche Mobilität: An den Pedelecs vor dem Naturschutzzentrum Schopfloch (v.l.n.r.): Johanna Rumschöttel, Landrätin de
Umweltfreundliche Mobilität: An den Pedelecs vor dem Naturschutzzentrum Schopfloch (v.l.n.r.): Johanna Rumschöttel, Landrätin des Landkreises München, Dr. Gerhard Gey, Landrat des Landkreises Leipzig, Elzbieta Smolinska, Landrätin Kreis Pruszkowie, Polen, Geislinger Automobilwirtschaftsexperte Professor Dr. Willi Diez, Landrat Eininger und OB von Givatayim in Israel, Reuven Ben-Schachar.Foto: Jörg Bächle

Lenningen. Willi Diez von der Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, der am Standort Geislingen das Institut für Automobilwirtschaft leitet und weit über die Grenzen der Region Stuttgart als Experte der Automobilindustrie bekannt ist, beleuchtete die Zukunft und die Grenzen der Elektromobilität. 800 Millionen Autos, sagte er, gebe es derzeit weltweit. Und betrachte man den explodierenden Automobilmarkt in China und anderen asiatischen Ländern, dann dürfte die Anzahl im Jahr 2050 über zwei Milliarden Fahrzeuge angewachsen sein. „Das ist unter ökologischen Gesichtspunkten bedenklich“, sagte Diez. Zwar sieht er die Verbrennungsmotoren nicht ganz von der Bildfläche verschwinden, aber „wir brauchen E-Mobilität, da auch von der Politik Druck kommt, die CO2-Emission zu reduzieren“, sagte er.

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Bis zum Jahr 2020 will die Bundesregierung eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren sehen. Die Realität 2013: Gerade mal etwa 7000 der emissionsarmen Flitzer sind unterwegs. Unter optimalen Bedingungen – keine Steigungen, keine Heizung, kein Licht – liege die Reichweite bei etwa 160 Kilometern. Wolle man die Reichweite auf 500 Kilometer erweitern, würde die Batterie rund 350 Kilogramm wiegen. Das E-Auto, so die Schlussfolgerung, werde also über eine lange Zeit primär ein Auto für den Stadtverkehr bleiben. „Wir müssen vielleicht unser Mobilitätsverhalten ändern“, sagte Diez und verwies auf Car-Sharing-Modelle.

Um E-Autos attraktiver zu machen, müssten auch die Kosten gesenkt werden. Der hohe Anschaffungspreis könne über die niedrigen Kosten für Antriebsstoffe nicht kompensiert werden. Zudem müssten mehr Stromtankstellen entstehen. Hier allerdings stellten sich die Energieversorger quer, denn mit den Tankstellen lasse sich kein Geld verdienen.

„Die Hauptverantwortung, mehr E-Autos auf die Straße zu bringen, hat jedoch die Automobilindustrie. Sie muss die Lasten tragen und sie kann das auch. Sie müssen Autos so produzieren, dass sie für den Konsumenten attraktiv sind“, sagte der Autoexperte. Baden-Württemberg sei wirtschaftlich extrem abhängig von der Automobilindustrie. Man müsse dafür sorgen, dass der Wechsel von klassischen Antrieben zu Elektroantrieben in Gang komme. Und dies sei im Grunde eine Frage der Zeit. Wenn das Öl wirklich knapp werde und der Klimawandel voranschreite, müsse man Alternativen bereithaben. Die Landrätin des Landkreises München, Johanna Rumschöttel, ist eher skeptisch, was die Bereitschaft der Industrie angeht, sich der Entwicklung von E-Autos zuzuwenden. Bei einem Besuch bei BMW habe der Vorstandsvorsitzende zwar bestätigt, dass BMW auch E-Autos baue, der Fokus liege jedoch auf dem Premiumsektor der bayerischen Automobile.

Da die beiden Elektromodelle von BMW jedoch in etwa vier Monaten auf den Markt kommen sollen, ist Diez doch gar nicht so pessimistisch, was die ernsten Absichten des Herstellers angeht.

Landrat Heinz Eininger hatte eingangs des Vortrags auf das Thema Mobilität eingestimmt, die Bedeutung des Plochinger Hafens und des Ausbaus der S-Bahn-Strecke zum Flughafen hervorgehoben. Wirtschaftsförderer Markus Grupp stellte abschließend die Projekte vor, die es im Landkreis zur Förderung der E-Mobilität gibt.