Lokales

„Wir wir in Zukunft leben werden“

Trendforscher Dr. Eike Wenzel referiert vor Mitgliedern der Raiffeisenbank

Die Frage nach der Zukunft beschäftigt die Menschen seit jeher. Dass man sich dem Thema auch wissenschaftlich nähern kann, lernten die Zuhörer von Dr. Eike Wenzel im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mitglieder Exklusiv“ der Raiffeisenbank Teck.

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Viktoria Pardey

Dettingen. Viele der über 11 000 Teilhaber der Genossenschaftsbank hatten den Weg in die voll besetzte Dettinger Schlossberghalle gefunden, um sich vom Vortrag anregen zu lassen und im Anschluss den gemeinsamen Austausch zu pflegen. Seit zehn Jahren veranstaltet die Bank zwei- bis dreimal im Jahr neben der Vertreterversammlung Diskussionsabende und kann sich über die große Akzeptanz bei den Mitgliedern freuen.

Das Thema „Zukunftsforschung“ hatte Vorstandssprecher Bruno Foldenauer dafür schon länger im Auge, und so begrüßte er Wenzel als Gründer und Leiter des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung Heidelberg.

Dass „Glaskugel lesen“ nichts mit seinem Forschungsgebiet zu tun hat, hob der Wissenschaftler gleich zu Beginn hervor. Sein Vortrag zum Thema „Wie wir morgen leben werden – Megatrends, Märkte, Menschen“ sollte aber keinen wissenschaftlichen Abriss darstellen. Unterhaltsam und locker aufgebaut führte Wenzel in das Thema Trendforschung ein und schaffte es, schwierige Sachverhalte mit einfachen Bildern zu erläutern. Megatrends, womit man besonders langfristige und tiefgehende Veränderungen meint, könne man sich nicht entziehen, so der Vortragende, der unter diesem Stichwort zum Beispiel den demografischen Wandel nannte.

Wichtig war Wenzel, auch Implikationen aufzuzeigen – für den einzelnen wie für Unternehmen und Märkte – und dabei Anreize zum Nachdenken zu geben, ohne sich in Fakten zu verlieren. Ein gutes Beispiel, um die Auswirkung eines Trends begreifbar zu machen, finde man bei der Dezentralisierung. Betrachte man etwa die benutzten Kommunikationsmittel des vergangenen Jahrhunderts, so könne man im Übergang zwischen Brief, Telegrafie, Festnetz- bis hin zu Mobiltelefonie einen immer größeren Wunsch nach Raum- und Zeitunabhängigkeit feststellen. Ein Trend, der sich im Konsumverhalten von Menschen in vielen Bereichen zeige. Wenzel resümierte: Analysen seien für Unternehmen hilfreich, um den Kunden von morgen heute schon zu kennen und damit rechtzeitig reagieren zu können.

Für viele Zuhörer war der letzte Teil des Vortrags besonders interessant, in dem Wenzel den Mensch in den Mittelpunkt rückte. Die Lebensentwürfe hätten sich in den vergangenen Jahren geändert. Die Werte „Fleiß, Pflicht und Familie“, die der Referent einer Pflichtkultur zuschrieb, stünden heute nicht mehr im Vordergrund. Dafür seien „Erfahrung, Engagement und Freundschaft“ wichtiger geworden. Auch gebe es ganz offensichtliche Veränderungen in der Gesellschaft: Der demografischen Wandel führe dazu, dass es mehr ältere Menschen gibt. Diese aber fühlten sich jünger. Für alt halte sich der Durchschnittsdeutsche erst ab 80 Jahren. Doch auch die jüngeren Generationen seien heute nicht mehr mit denen vor 40 Jahren zu vergleichen. So sei die Priorität der Familienplanung zeitlich nach hinten gerutscht, nicht zuletzt weil der Anspruch der Frauen an ihre Karriere sich geändert hätte. Wenzel nannte auf amüsante Weise die Nesthocker, Super-Daddys und Greyhopper unserer Zeit und ihr Potenzial für die Zukunft. Dabei hielt Wenzel dem einen oder anderen einen Spiegel vor und stimmte nachdenklich, ohne zu langweilen und das Publikum durch Schätzfragen miteinzubeziehen.

Das Potenzial der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen rückte bei so manchem Zuhörer alsbald in den Hintergrund, und die Eingangsfrage, wie wir morgen leben werden, wandelte sich. Schließlich hat die Zukunft heute schon begonnen. Einige Zuhörer nahmen den Vortrag zum Anlass, sich selbst zu reflektieren und die Lebensphase, in der sie sich befinden, zu analysieren. Die eigenen Kinder zu verstehen, ist manchmal gar nicht so einfach. Und auch sich selbst zu definieren, ist schwierig, wenn Vorbilder für den eigenen „Unruhestand“ fehlen. Wichtig sei es dabei, so ein Zuhörer, nicht in Klischees zu denken. Positive Denkanstöße nahmen somit auch diejenigen mit, die sich über Kunden, Märkte und Unternehmen keine großen Gedanken (mehr) machen wollen.

Die Gelegenheit zur Diskussion im Anschluss an den Vortrag wurde von vielen genutzt, die sich in Kleingruppen an Stehtischen angeregt unterhielten. Darüber hinaus bot der Umtrunk die Möglichkeit, sich mit alten Bekannten der Raiffeisenbank kurz zu schließen und neue Kontakte zu knüpfen.