Lokales

„Wir wollen hilflose Helfer vermeiden“

Eine Schulungsreihe bereitet ehrenamtliche Mitarbeiter des AK Asyl Weilheim auf ihre Aufgaben vor

Im August ziehen 100 Flüchtlinge in die Weilheimer Notunterkunft ein. Um die ehrenamtlichen Mitarbeiter auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten, hat der AK Asyl Weilheim selbstständig eine Schulungsreihe organisiert. Sie findet großen Anklang.

In den letzten Zügen befindet sich der Bau der Notunterkunft nahe des Weilheimer Lindachstadions. Im August werden etappenweise
In den letzten Zügen befindet sich der Bau der Notunterkunft nahe des Weilheimer Lindachstadions. Im August werden etappenweise 100 Flüchtlinge in die 33 Wohncontainer einziehen.Fotos: Jean-Luc Jacques

Weilheim. „Versetzen Sie sich doch einmal zurück in eine Situation, in der Sie ganz neu starten mussten“, sagt Amina Ramadan vom Fachdienst Jugend, Bildung, Migration der Bruderhausdiakonie. „Und dann überlegen Sie, was Ihnen damals geholfen hat und was hinderlich war.“ 22 Ehrenamtliche des Arbeitskreises Asyl in Weilheim haben sich an diesem Abend im Gemeindezentrum am Weilheimer Egelsberg versammelt, um an dem Workshop „Interkulturelle Kompetenz“ teilzunehmen. Das Thema ist eines von insgesamt vier unterschiedlichen Modulen, mit denen der AK Asyl Weilheim seine Mitarbeiter auf ihre neuen Aufgaben vorbereiten möchte.

„Wir wollen hilflose Helfer vermeiden“, geht Rebecca Zabel auf den Hintergrund der Schulungsreihe ein. Gemeinsam mit Jochen Ziegler, Sprecher des AK Asyl Weilheim, und Birgit Pfister vom AK Asyl, hat sie die Reihe organisiert. Die Weilheimerin arbeitet bei der Stadt Göppingen als Jugendkoordinatorin und hat Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit.

Bei Jochen Ziegler rannte sie mit der Idee offene Türen ein. „In den neu gegründeten Arbeitskreisen kommen Menschen mit unterschiedlichsten Ideen und Haltungen zusammen“, weiß er. Und so wichtig der gute Wille und das Engagement seien: „Es ist nicht beliebig, wie man mit Flüchtlingen umgeht“, sagt er. Eine fertige „Ausbildung“ dürfe zwar niemand von der zwölfstündigen Schulungsreihe, an deren Ende ein Zertifikat steht, erwarten. Aber sie stoße eine Auseinandersetzung mit dem Thema und sich selbst an. „Das passiert durch die Vermittlung von Kenntnissen und der Reflexion der eigenen Haltung.“

Rebecca Zabel organisierte die Referenten, Jochen Ziegler übernahm die Planung und entwarf das Modulsystem. Zwei Durchläufe hat es bisher gegeben, ein weiterer ist für Herbst geplant. Finanziert wird die Schulung mithilfe von Fördermitteln der evangelischen Landeskirche.

Dass ein Arbeitskreis Asyl eine solche Seminarreihe ganz in Eigenregie organisiert, ist nicht alltäglich. Allerdings gibt es im Landkreis Esslingen immer öfter Schulungen, die Ehrenamtliche auf ihren Job vorbereiten. „Das Bewusstsein der Ehrenamtlichen für die Anforderungen im Umgang mit den Flüchtlingen wächst, und demzufolge auch die Nachfrage nach Schulungen“, weiß Julie Hoffmann, Leiterin des AWO-Sozialdienstes und im Kreis für die hauptamtliche Betreuung der Flüchtlinge zuständig. Neben selbst organisierten Seminaren gebe es auch Möglichkeiten zur Kooperationen mit der AWO und der Katholischen Erwachsenenbildung.

Im Stuhlkreis auf dem Egelsberg tauschen sich die Teilnehmer über persönliche Erlebnisse aus. Einige der Anwesenden haben bereits erste Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit gesammelt, für andere ist sie Neuland. Alle aber haben schon einmal eine Situation erlebt, in der sie sich fremd und verloren gefühlt haben . Frappierend ist, dass es dabei meist nicht einmal um Erlebnisse im Ausland geht: „Die meisten Erfahrungen sind innerdeutsch“, fasst Referentin Amina Ramadan zusammen. Zur Sprache kommen Probleme wie etwa niemanden zu kennen, fehlende gemeinsame Wurzeln, enge Strukturen und das Fehlen offener Arme. Und es werden Dinge thematisiert, die schon den Seminarteilnehmern selbst geholfen haben – und künftig auch den Flüchtlingen helfen können: Etwa die Mitgliedschaft in einem Verein, wechselseitige Offenheit und Menschen, die Brücken bauen und zu denen Beziehungen geknüpft werden können (mehr dazu siehe Kasten).

Aber auch nach der Schulung, wenn die Praxis dazu kommt, möchte der AK Asyl seine Mitarbeiter nicht alleine lassen. „Die Ehrenamtlichen sollen durch Supervision und Fallbesprechungen begleitet werden“, sagt Rebecca Zabel. Das sei ihrer Ansicht nach immens wichtig: „Das Ehrenamt schafft auch frustrierende Erlebnisse. Wir müssen vermeiden, dass die Leute sich ausbrennen.“

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