Lokales

Zebrastreifen „gewöhnungsbedürftig“

Fraktionsvorsitzende bewerten erste Erfahrungen mit neuem Überweg sehr unterschiedlich

Kein Thema wird derzeit in Kirchheim an Stammtischen und im Netz so heiß diskutiert wie der neue Zebrastreifen über den Alleenring im Alten Haus. Zwar soll im Ratsgremium erst nach einigen Monaten Erfahrung Bilanz gezogen werden, dennoch erreicht das Aufregerthema auch die Räte. „Welche Erfahrungen haben Sie nach gut einem Monat Probelauf gemacht?“ lautet daher die Frage des Monats des Teckboten.

Hier ist mehr Rücksichtnahme als früher gefragt: Ein überlanger Zebrastreifen ersetzt die bisherige Fußgängerampel am Alten Haus
Hier ist mehr Rücksichtnahme als früher gefragt: Ein überlanger Zebrastreifen ersetzt die bisherige Fußgängerampel am Alten Haus.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Dr. Thilo Rose, der Fraktionsvorsitzende der CDU, sagt: „Nach einem Monat ist ein fundiertes Zwischenfazit noch nicht möglich. Erste Eindrücke deuten darauf hin, dass der neue Übergang mehr Fußgänger in die Dettinger Straße führt, sich aber Fußgänger und Autofahrer erst noch an den gemeinsam genutzten Raum gewöhnen müssen. Die Maßnahme stellt ein Provisorium dar, und bei der Auswertung in einigen Monaten haben für uns die Sicherheit der Fußgänger und die zügige Abwicklung des Verkehrs oberste Priorität. Wichtig ist uns auch, dass die Verwaltung den Gemeinderat und die Bevölkerung bei der Neugestaltung des südlichen Alleenrings, für die der Übergang am Wachthaus eine Komponente darstellt, besser einbindet.“

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Im Namen der SPD-Fraktion äußern sich Walter Aeugle und Andreas Kenner wie folgt: „Die SPD-Fraktion hat sich trotz gewisser Bedenken für den Probelauf ausgesprochen. Die bisherigen Erfahrungen damit scheinen jedoch insgesamt durchaus positiv. Auch bei den Bürgern überwiegt die Zustimmung – siehe TB-Bericht vom 5. Oktober. Jahrelang gab es Klagen über die zu langen Wartezeiten an den Ampeln und die zu unbefriedigende Anbindung der Dettinger Straße an die Marktstraße. Beides ist erheblich besser geworden. Zum von vielen befürchteten Verkehrskollaps ist es bisher nicht gekommen – nicht einmal in den Spitzenzeiten. Die neue Lösung muss sich sicher noch etwas einspielen. Sie funktioniert seit Langem in vielen anderen Städten. Dies wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch bei uns so sein – der Probelauf wird es erweisen.“

Hagen Zweifel, der Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, meint: „Die Attraktivität einer Innenstadt hängt nicht zuletzt davon ab, dass man sich in ihr gefahrlos bewegen kann. Deshalb müssen die Einrichtun­gen sicher sein. Für uns birgt die Veränderung einen erheblichen Mangel: Solange auf der Alleenstraße Kraftfahrzeuge in heutiger Zahl bewegt werden, sind Konflikte gegeben. Der sich über den Zebrastreifen vorantastende Autofahrer setzt sich der Wahrscheinlichkeit aus, in unangenehme Situationen zu geraten. Die Folge ist, dort fahren weniger Autos. Wenn dieselbe Konstruktion an der Unteren Max-Eyth-Straße in Betrieb ist, kann das Ordnungsamt den „shared space“ noch schneller erreichen. Hoffentlich schadet das dem Handel nicht. Die Kritik bestätigt, dass der Vorgang Bürger mehr beschäftigt als viele glauben.“

Sabine Bur am Orde-Käß, Fraktionsvorsitzende der Grünen: „Der bevorrechtigte und barrierefreie Überweg der Fußgänger von der Marktstraße in die Dettinger Straße stellt in unseren Augen einen sehr guten Beitrag zur besseren Einbindung der Dettinger Straße in unser „Kaufhaus Innenstadt“ dar. Unsere schöne Einkaufsstadt wird dadurch noch attraktiver. An uns Grüne wird vor allem von den Fußgängern, und das sind schließlich alle Kunden, sobald sie ihr Auto oder Fahrrad abgestellt haben, durchweg Zustimmung herangetragen. Für die Autofahrer ist der lange Zebrastreifen auf dem erhöhten Plateau sicher gewöhnungsbedürftig. Aber ebenso wie am sogenannten Minikreisel wird sich die erste Aufregung legen, sobald sich alle Verkehrsteilnehmer an diese Neuerung gewöhnt haben.“

Bernd Most, Fraktionsvorsitzender der FDP/KiBü: „Unsere Beobachtungen sind nicht positiv. Die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer ist gefährlich und führt zu Konflikten. Der Zebrastreifen bevorrechtigt den Fußgänger, somit kann keine Gleichberechtigung entstehen. Der Verkehrsstrom auf der Alleenstraße an den Markttagen und bei hohem Verkehrsaufkommen kommt zum Erliegen. In der Folge funktioniert der Kreisel an der Krone nicht mehr. Die Alleenstraße hat aber auch übergeordneten Verkehrscharakter, etwa bei Stau auf der Autobahn. Das kann nicht vernachlässigt werden. Die weiteren Verkehrsplanungen der Stadt auf dem Alleenring werden erschwert. Unsere anfängliche Skepsis hat sich bestätigt. Unserer Auffassung nach muss der Übergang nach dem Probelauf zurückgebaut werden.“

Dr. Silvia Oberhauser, Fraktionsvorsitzende der Frauenliste, sagt: „Bei uns kommen fast ausschließlich positive Rückmeldungen an. Ich habe mir die Stelle zu verschiedenen Zeiten wiederholt angesehen – es funktioniert gut! Ein Kompliment an alle Autofahrenden: Sie sind mit ganz wenigen Ausnahmen sehr umsichtig und aufmerksam unterwegs. Kleine Unsicherheiten gibt es noch, aber das wird sich einspielen. In der Innenstadt spielen ganz klar die Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, die Hauptrolle. Dieser Überweg macht das sehr gut deutlich und setzt eine längst überfällige Entwicklung in diese Richtung fort. Und die Dettinger Straße wird auf ganz natürliche Weise an den Innenstadtkern angebunden, was ihr zweifellos gut tut.“

Hans Kiefer, Stadtrat der CIK, betont: „Die Idee ist, die Dettinger Straße und die dortigen Geschäfte besser an die Innenstadt anzubinden. Bisher funktionierte die Ampel leidlich gut, für viele stellte der Alleenring aber eine Art „Barriere“ dar. Dies hat sich geändert. Das Provisorium zeigt, dass für Fußgänger der Übergang viel einfacher funktioniert. Das befürworten wir. Schon jetzt ist der Alleenring zur Hälfte mit Tempo 30 belegt, ist das jedem bewusst? Die Innenstadt wird „entschleunigt“, das ist gut so, das hält niemanden davon ab, mit dem Auto nach Kirchheim zu kommen. Ein Fahrlehrer trifft es ganz gut: Zum Einen es ist gut, wenn die Fußgänger leichter durchkommen, zum anderen ist man als Verkehrsteilnehmer he­rausgefordert, Rücksicht zu nehmen und nicht nur auf sein Recht zu beharren. Das darf Schule machen.“ist