Lokales

Zwischen Clownsnasen, Zauberern und Pferden

Wie 15 Kinder in einer Woche ein Zirkusprogramm auf die Beine stellen

Manege frei für den Kinderferienzirkus Teckolino!Teckboten-Fotos: Jean-Luc Jacques
Manege frei für den Kinderferienzirkus Teckolino!Teckboten-Fotos: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Im Ferienzirkus Teckolino in der Waldorfschule geht es hoch her: Kleine Fakire, Trampolinspringerinnen und Akrobatinnen zeigen, was sie können.

Es ist Mittagszeit. Die Artisten vom Kinderferienzirkus Teckolino und ihre Betreuer grillen sich gerade ihr Mittagessen. Bei Stockbrot und Wurst werden auf den begehrten Schattenplätzen um die Grillstelle herum die Zirkusneuigkeiten besprochen. „Ich habe heute Feuer in der Hand ge­habt“, teilt ein kleiner Fakir stolz mit. Die Künstlerinnen und Künstler sind begeistert bei der Sache. „Ich könnte das noch ‘ne Woche länger machen“, schwärmt eine Einradfahrerin, aber die zweite Projektwoche ist mit 30 Kindern voll belegt. Nicht wenige wollen nächstes Jahr wiederkommen und viele sind nicht zum ersten Mal dabei.

Nachdem jeder sein Geschirr in einer gelben Plastikbox gespült hat, gehen alle wieder zurück ins Haus, denn die 15 Zirkusartisten zwischen acht und 14 Jahren müssen viel üben. Bevor die „Arbeit“ jedoch beginnt, treffen sich erst einmal alle in der „Manege“, der Bühne der Waldorfschule. Überall stehen und liegen Kisten und Kästen, Beutel und Rucksäcke, Keulen und Kostüme. Das gehört eben zum Zirkus dazu, weiß Trainerin „Sissi“ Hohmeyer: „Wir sind Chaos und Unordnung gewöhnt“, ruft sie grinsend. Sissi hat Müsliriegel gebacken. Während die verspeist werden, wird munter weiter über das Zirkusleben getratscht. Dann beginnt das Training.

Zirkusprojekt Walddorfschule
Zirkusprojekt Walddorfschule

Die drei Mädchen aus der Gruppe „Pferde“ müssen noch über Choreografie und Kostüme sprechen, bevor es mal im Trab, mal im Galopp im Kreis herum geht. Natürlich haben sie keine echten Pferde, aber die Holzpferde zum Umschnallen sind mit ihren rosa Federbüscheln auf den Köpfen genauso gut. Die Dompteuse Gwendolyn kommt mit einer Peitsche in der Hand auf die imaginäre Bühne, verbeugt sich und ruft: „Guten Tag, liebe Leute. Hier seht ihr meine besten Zauberpferde. Allez!“

Währenddessen üben in der „Manege“ die drei Jugendtrainerinnen Alessia Marques, Klara Rami und Sarah Kramer mit ihrer Artistengruppe eine Einradnummer ein. Die drei Teenager waren früher selbst beim Kinderzirkus und können den Kindern daher schon viel beibringen. Zuerst müssen sie aber Einräder suchen, Reifen aufpumpen und die Sättel höher oder tiefer stellen. Im Kreis zu fahren ist einfach, aber Figuren haben es in sich. Das kann ganz schön wackelig werden. Eine Fahrerin versucht sich sogar auf einem Hochrad, das größer ist als sie selbst. Da ist schon das Aufsteigen schwierig und man kann auch tief fallen, was jedoch dank tatkräftiger Unterstützung der Jugendtrainer nicht passiert.

Die vier Clowns freuen sich über ihre bunten Kostüme, die Perücken und roten Gumminasen. „Jetzt habe ich Schuhgröße 60“, verkündet Sigurd beim Anziehen der Riesenlatschen. Die braucht er, damit er bei den vielen Verfolgungsjagden kreuz und quer über die Bühne auch nach Clown aussieht. Bei wilder Musik jagen sich die Jungen gegenseitig. Ihr Trainer Julian Mischner gibt Tipps: „Manchmal muss man erst kurz Spannung aushalten, bevor man weiterspielt.“

Nachdem die Clowns mehrere Nummern geprobt haben, ertönt eine laute Hupe. Jeder will hupen und schon fragen alle, wer die Tröte morgen bekommt. Immer wenn gehupt wird, trifft man sich in der „Manege“ in einem Kreis. Wie jeden Nachmittag gibt es auch heute die Mittagsvorführung. Dieses Mal lässt eine Zauberin ein Tuch in einem Beutel verschwinden. Alle versuchen, herauszufinden, wie sie das geschafft hat. Keiner errät es. Die Tricks werden nicht verraten, selbst die Eltern dürfen vor der öffentlichen Aufführung nichts wissen.

Nach der Zauberin treten noch zwei Artistinnen auf, um zu zeigen, was sie heute auf der Laufkugel gelernt haben. Sie können jetzt auf dem großen Ball stehen und sich gegenseitig Ringe zuwerfen. Auch die Clowns zeigen eine ihrer Nummern.

Für die Artisten gibt es neben Applaus und Lob auch Tipps, was sie beim nächsten Auftritt besser machen können. Der dritte Trainer im Bunde, Jens Mischner, erklärt, dass es oft gut ist, sich vor dem Auftritt noch einmal zu sammeln, um die richtige Stimmung rüberzubringen. Dann ruft er auch schon zum Schlusskreis, das tägliche Abschluss- und Abschiedsritual beim Teckolino.

Die Betreuer und Artisten stellen sich in einem Kreis auf und fassen sich an den Händen. Dann rufen sie: „Eins, Zwei, Drei uuuund tschüss!“, und ein ganz normaler Zirkustag ist zu Ende.

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