Neubau der Dettinger Kita Starennest – Architekt Zoll: „Ich war bestürzt, wie wir miteinander umgegangen sind“
Dauerbrenner Kindergarten

Quadratisch, praktisch, gut: So soll er sein, der Neubau der Dettinger Kita Starennest in den Unteren Wiesen. Die Gemeinderäte plädierten in der jüngsten Sitzung für ein kompaktes Gebäude. Unterdessen ging Architekt Zoll auf die vergangenen, nicht immer einfachen Monate ein und machte sich für eine bessere Zusammenarbeit stark.

Dettingen. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Gemeinderats-Gremium die Haushaltsberatungen verschiebt – doch in der jüngsten Sitzung in Dettingen geschah genau das: Nachdem die Räte ausführlich über den Ausbau der Aylenstraße und vor allem über den Neubau der Kindertagesstätte Starennest in den Unteren Wiesen diskutiert hatten, erschien es ihnen zu vorgerückter Stunde nicht mehr sinnvoll, auch noch die Haushaltsdebatte dranzuhängen. Also wurde sie kurzerhand vertagt: auf die Sitzung am Montag, 28. Januar.

Das Thema Kindergarten ist in der Schlossberggemeinde mittlerweile ein Dauerbrenner. Nach zähem Ringen hatte der Rat im vergangenen Jahr beschlossen, den Kindergarten Regenbogen in der Ortsmitte zu belassen und zu sanieren. Die Emotionen kochten hoch, und es kam auch zum Eklat: Die früheren Mitglieder der SPD-Fraktion Stefanie Stern, Ulrike Schweizer und Dietmar Vogt sagten sich von SPD-Urgestein Hermann Pölkow los. Sie warfen ihm im Rahmen der Kindergarten-Debatte aggressives Verhalten vor (wir berichteten).

In der jüngsten Sitzung wurde einmal mehr deutlich, dass sich die Räte ihre Entscheidung auch in Bezug auf die Kita Starennest nicht leicht machen – und dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen Pölkow und den drei „Fraktionslosen“ nicht beigelegt zu sein scheinen. Letzteres zumindest ließ so manche Bemerkung von beiden Seiten erahnen.

Auch Peter Zoll vom Stuttgarter Büro Zoll Architekten, das sowohl mit dem „Starennest“ als auch mit dem Kindergarten Regenbogen beauftragt ist, hatte sich in den vergangenen Monaten über die eine oder andere Aussage von seinem „Architekten-Kollegen“ Pölkow geärgert. „Ich war bestürzt darüber, wie wir miteinander umgegangen sind“, räumte er in der vergangenen Sitzung ein. „Ich wünsche mir, dass wir uns als Kollegen schätzen und akzeptieren.“ Es sei wichtig, den Neubau der Kita Starennest gemeinsam zu entwickeln und nicht gegeneinander zu arbeiten.

Konkret ging es am Montagabend darum, für welche Vorentwurfsvariante des Neubaus sich der Gemeinderat entscheiden soll sowie ob der


„Ganz andere 
Erlebnisse für die 
Kinder schaffen“

Neubau ein- oder zweigeschossig gebaut werden und wie die Raumplanung aussehen soll. Außerdem sollten die Räte festlegen, ob das 6 240 Quadratmeter große Grundstück neben der Verbundschule von Ost nach West oder von Nord nach Süd geteilt werden soll. Da das Grundstück insgesamt zu groß für den Kindergarten ist, bleibt die andere Hälfte frei für einen weiteren Bau, der dort möglicherweise irgendwann entstehen kann und dessen Nutzung völlig offen ist.

Mit den drei Vorentwurfsvarianten, die im Gemeinderat bereits im Oktober 2012 ausführlich vorgestellt worden waren, hat sich die eigens einberufene Arbeitsgruppe Kindertageseinrichtungen in den vergangenen Wochen eingehend befasst. Sie bevorzugt einen quadratischen Bau, der nach Westen rückt und so eine große, zusammenhängende Freifläche ermöglicht. Im Entwurf vorgesehen ist für das zweistöckige Gebäude eine Aula mit Lichthof. Außerdem soll das Grundstück von Ost nach West geteilt werden.

Peter Zoll und Daniel Overhoff vom Stuttgarter Büro sprachen sich für einen zweigeschossigen Bau aus, der mehrere Vorteile biete: Zum einen würde sich dieser in die Umgebung mit Werkreal- und Verbundschule sowie Sporthalle und Hallenbad besser einfügen; und zum anderen sei ein zweigeschossiger Bau kompakter und weise einen niedrigeren Energiebedarf auf. Durch eine geringere Grundfläche eines zweigeschossigen Gebäudes könnten außerdem großzügige Außenflächen geschaffen werden.

Roland Sigel (CDU/Freie Wählervereinigung) gab indes zu bedenken, dass ein eingeschossiger Bau allen Gruppenräumen einen Zugang zu den Außenflächen bieten könne. Und Hermann Pölkow (SPD) wies auf die höheren Kosten für ein zweigeschossiges Gebäude hin. Darüber hinaus sei ein eingeschossiger Bau für die Nutzung als Kindergarten schlichtweg geeigneter.

Dem widersprachen Peter Zoll und Kindergartenleiterin Angela Azevedo: „Zweigeschossige Lösungen schaffen ganz andere Erlebnisse für die Kinder“, sagte Zoll. Man solle den Kleinen unterschiedliche Ausblicke gewähren und ein „emotionales Gebäude“ für sie bauen, in dem sie sich geborgen fühlen. „Ein eingeschossiger Bau hat den Nachteil, dass die Flure und damit die Wege für die Kinder sehr lang sind“, ergänzte Angela Azevedo.

Das Gremium entschied sich letztlich mehrheitlich für ein zweigeschossiges Gebäude, für die Teilung des Grundstücks von Ost nach West und für die Variante des quadratischen Baus. Für die Raumplanung, die eine Nutzfläche von 1 150 Quadratmetern vorsieht, stimmten die Räte einstimmig. Die Architekten des Büros Zoll werden den Vorentwurf nun nochmals überarbeiten und dem Gemeinderat dann eine Kostenschätzung vorlegen.