Dettingen. Frank Fischer hat Phobien. Und das nicht zu knapp. Darunter einige, die selbst im Katalog der über 600 anerkannten Angsterkrankungen nicht zu finden sein dürften. Logophobie, die Angst vor
Publikum zu sprechen, gehört zum Glück nicht dazu. Anderenfalls wäre dem Publikum in der Dettinger Schlossberghalle am Samstag ein äußerst unterhaltsamer Exkurs in die Welt der Hypochonder und anderer menschlicher Merkwürdigkeiten entgangen.
„Keine Angst, ich bin nicht interaktiv“, sagt Frank Fischer zu jenen, die sich beim Gastspiel des Franken in die erste Reihe gewagt haben. Vor dem Mut zieht Fischer den Hut. „Man weiß ja nie, was da so kommt“, sagt er und grinst. Damit jetzt niemand fluchtartig den Sitzplatz verlässt, verteilt er Schokolädchen. Um gleich eine Geschichte über seine Angst als Kind vor vergifteten Bonbons nachzuschieben. Ein guter Vorgeschmack auf das, was das Publikum des Stand-up-Comedian noch so erwartet. Denn Fischer liebt es, den Spieß umzudrehen und Erwartungen zu durchbrechen.
„Angst und andere Hasen“ heißt das Programm des mit Preisen reich dekorierten Fischer. Bei über 600 anerkannten Phobien ist doch für jeden was dabei, meint er. Zum Beispiel die Hypnotopophobie –Angst vor dem Bettenmachen. „Maaaaannn“, stöhnt Fischer und vor allem Frau lacht herzhaft.
Seltsam findet Fischer allerdings, dass die Angst der Wenigsten sich auf sinnvolle Dinge richtet. Angst vor Spinnen sei in Deutschland mit seinen durchweg harmlosen Achtbeinern doch überflüssig: „Die Angst vor Spinnern wäre doch viel sinnvoller“, meint er. Und von denen gibt es wahrlich genug in deutschen Landen, meint Fischer. Vom gestandenen Mann, der ein digitales Hündchen anschreit, bis zum schmatzenden Apfelesser im ICE-Ruheabteil.
Auch TV und Radio liefern regelmäßig Nachschub für Fischers munteres Panoptikum der Absurditäten: Da mutiert die Seitenbacher-Werbung zur auditiven Drückerkolonne und wird der Windschutzscheiben-Mann zum Mafioso. Und die ZDF-Hitparade in der 70ern? „Da war ganz Transsylvanien versammelt“, schüttelt sich der Comedian. Und die Märchen der Gebrüder Grimm gingen heute nur noch als Splatter-Literatur unter dem Ladentisch. Da liest der bekennende Hypochonder doch lieber noch ein bisschen im „Pschyrembel“, dem medizinischen Wörterbuch, und bestellt bei Ebay am besten gleich noch die Strahlenkanone gegen den Gelenkkrebs im Arm. Der Termin beim Orthopäden ist schließlich erst Weihnachten – nächstes Jahr.
Zur Hochform läuft Fischer auf, wenn er parodiert. Ob Peter Maffay oder Nuschel-Udo und Alfred Biolek – der Comedian hat sie alle drauf. Verstörend regelrecht sein Roberto Blanco. Den lässt er in rosa String-Tanga morgens vor dem Ganzkörper-Spiegel posieren. „Das wird ihr persönlicher Freddy Krüger“, verspricht der Mann, der für seine skurrilen Querdenke schon 16 Comedy- und Kleinkunstpreise kassierte. Und das sicher auch, weil Fischer es gekonnt versteht, mit dem Publikum zu kommunizieren, statt stur vom Blatt zu spielen.
Nach fast zwei Stunden ist die humorvolle Therapiesitzung mit dem Lachtherapeuten der hintersinnigen Art dann leider schon vorbei. Zu Risiken und Nebenwirkungen kann die kultur ecce befragte werden, die mit dem pfiffigen Franken mal wieder einen Volltreffer landete.
