Kreis Esslingen. Der kürzere Teil des Walls ist weitgehend aufgeschüttet, sagt Peter Zaar, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart. Mitte August sollen die Arbeiten fertig sein. Dann sind in 700 Metern etwa 600 000 Euro verbaut. Sowohl finanziell als auch zeitlich liege alles im Plan, sagt Zaar über die Arbeiten, die im Februar begonnen hatten.
12 000 Kubikmeter Erde werden entlang der Bundesstraße auf Flächen des Landes Baden-Württemberg aufgebracht, um Tiere zu schützen. Der erste Teil mit etwa 215 Metern ist weitgehend auf zwei Meter Höhe aufgeschüttet. Mit dem zweiten etwa 500 Meter langen Damm wurde bereits begonnen. Der Wall hilft nicht nur, mögliche Kollisionen zwischen querenden Vögeln und Lastwagen zu verringern. Er dient auch als Sichtschutz für Fledermäuse und für die im Röhricht brütenden Vogelarten. Gleichzeitig wird durch die Anlage verhindert, dass Amphibien auf die Bundesstraße gelangen. Etwa sechs Lastwagen pro Stunde bringen den Erdaushub von der Baustelle des sechsspurigen Ausbaus der A 8 Gruibingen-Mühlhausen ins Neckartal.
Wegen des Feuchtbiotops Brunnacker wurde der Damm durchbrochen. Die knapp 100 Meter große Lücke zwischen den Erdwällen wird aber mit einer Sperre aus Betonfertigteilen geschlossen, damit auch dort keine Amphibien auf die Fahrbahn gelangen können.
Das Gebiet rund um die Wernauer Baggerseen ist seit drei Jahrzehnten ein Schwerpunktprojekt der Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg. Das Gebiet liegt mitten in einer europäischen Vogelzuglinie. Mehr als 200 Vogelarten haben Ornithologen in dem Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen entdeckt. Deshalb freuten sich die Naturschützer im Regierungspräsidium (RP) mächtig, als der Bund auch ein Konjunkturprogramm für Naturschutzprojekte bereitstellte. Wie immer musste man das Geld für die erste Überflughilfe in Nordwürttemberg schnell abrufen, damit es nicht verfällt.
Getroffen hat die Naturschützer im Regierungspräsidium die Kritik von NABU-Mitglied Johann Waskala, der den Wall als „Unsinn“ bezeichnete. Der Wall schütze die Zugvögel weder vor den Hochspannungsleitungen der EnBW, noch schütze er die Tiere im Naturschutzgebiet vor den Fahrzeugen der Daimler-Teststrecke. Wasservögel wie Wildgänse, Graureiher, Kormorane, Schwäne, Enten, Wasserläufer und andere „fliegen nicht über die Bundesstraße ins Waldgebiet Plochinger Kopf, weil es dort keine Nahrung für sie gibt“, sagt der Wernauer. Sie zögen vielmehr den Fluss entlang. Zudem behindere der Wall den Wechsel der Waldtiere. Wildschweine, Füchse, Rehe und Hasen könnten nicht ungehindert ins Feuchtgebiet kommen. „Das ist eine Einzelmeinung“, stellt Peter Zaar klar. Das Projekt sei auch mit anderen Umwelt- und Naturschützern abgesprochen gewesen. Roland Appl, Beauftragter des NABU-Kreisverbands Esslingen für das Naturschutzgebiet Baggerseen, stimmte dem Vorhaben zu und hatte noch einige Verbesserungswünsche.
Der Wall sei der erste von mehreren Schritten, stellt Zaar klar. Die gewünschte Grünbrücke sei jederzeit machbar, sobald irgendwoher Geld komme. Das RP könne aber nicht die Daimler-Teststrecke verlegen. Bis die Autobauer eine neue Teststrecke in Betrieb nehmen, werden wohl noch Jahre vergehen.
