Kirchheim. Ein Frosch macht Werbung für die Bürgerseen – auf beidseitig bedruckten Postkarten. Allerdings wirbt er gar nicht so sehr für die Seen selbst. Die brauchen nämlich gar keine Werbung, weil sie auch so schon seit vielen Jahren ein beliebtes Naherholungsgebiet sind. So wirbt der Frosch also „nur“ für die „Mithilfe zum Erhalt meines Wohnzimmers“. Immerhin kommt der Frosch nicht nach Lust und Laune oder nach Wetterlage an die Seen – so wie die Erholungssuchenden, zu denen außer Badenden, Sonnenanbetern, Picknickfreunden und Modellbauenthusiasten auch Wanderer, Walker und Radfahrer gehören. Nein, der Frosch „wohnt“ tatsächlich dort, Tag und Nacht.
Aber auch die Menschen sollten eigentlich ein Interesse daran haben, dass es an den Bürgerseen sauber ist und dass es geordnet zugeht. Deswegen ist zumindest einer der Frosch-Appelle eigentlich selbstverständlich: „Offenes Feuer bitte nur an den zugelassenen Feuerstellen, entstandenen Müll bitte selbst entsorgen.“ Andere Verhaltensregeln dagegen sind nicht jedem bekannt. Deshalb fehlt es mitunter auch am nötigen Unrechtsbewusstsein.
Letzteres gilt beispielsweise für so manchen Hundehalter, der seinem Vierbeiner gerne freien Auslauf gewährt und ihm auch eine Abkühlung im See gönnt. Beides ist an den Bürgerseen verboten. Um aber nicht gleich behördlich alles verbieten zu müssen, setzt die Stadt Kirchheim mit ihrem Frosch auf Vernunft und Einsicht. So heißt es auf der Karte höflich und mit leicht ironischem Unterton: „Hunde bitte generell an der Leine führen und nicht in den Seen baden lassen. Sie gehören ja schließlich nicht zu den Wassertieren.“
Was hier witzig daherkommt, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Schließlich geht es nicht darum, einfach mal was zu verbieten. Es geht unter anderem um die Badewasserrichtlinien, sagt Bürgermeister Günter Riemer: „Das Wasser muss sauber sein, damit man baden kann.“ Jede unnötige Verunreinigung kann also dazu führen, dass mitten in der Saison das Baden untersagt werden müsste, wegen gesundheitlicher Risiken. Zu solchen unnötigen Verunreinigungen gehört nicht nur ein Hundebad, sondern beispielsweise auch das Füttern der Wassertiere.
Die genauen Verhaltensregeln sind auf einer Übersichtstafel zu finden, direkt am Weg vom Kiosk zu den Seen. „Wir haben versucht, das verständlich zu formuliern“, meint Günter Riemer. Um wirklich alle Bürgerseenbesucher informieren zu können, habe die Stadt bewusst darauf verzichtet, eine umständlich formulierte Verordnung aufzuhängen.
Trotzdem könnte die entsprechende Verordnung angewandt werden, wenn es hart auf hart kommt: „Verstöße gegen diese Regeln können gebührenpflichtig verwarnt werden“, heißt es – sprachlich unsauber – auf der Postkarte. Vorläufig aber appellieren die Verantwortlichen an die Vernunft, wie Riemer betont. „Es geht ja nur miteinander. Wir würden uns auch wünschen, dass die Zivilcourage zunimmt und dass die Leute nicht mehr wegschauen, sondern andere auf deren Fehlverhalten ansprechen. Wir versprechen uns von den Postkarten auch eine Diskussion über das Thema.“
Für tatkräftige Hilfe sorgt der Verein der Bürgerseefreunde, wie deren Erster Vorsitzender Volker Mangold ausführt: „Wir leisten jedes Jahr über 3 000 Arbeitsstunden. Wir pflegen Wiesen, Hänge, Liegeflächen und Gehölz. Wir geben auch Müllsäcke aus, wenn jemand fragt.“ Außerdem schaffen die Bürgerseefreunde noch Holz an die Grillstellen. Überwiegend würden sich die Menschen ordentlich aufführen, stellt Volker Mangold fest: „Wer zum Grillen kommt, hält den Platz eigentlich sauber.“ Allerdings gebe es immer wieder auch die unrühmlichen Ausnahmen, insbesondere bei nächtlichen Feiern.
Ein ganz anderes Problem hat mit den Parkplätzen zu tun. Es gibt am Kiosk circa 100 Stellplätze. An besonders schönen Tagen verteilen sich aber 1 000 bis 2 000 Menschen rund um die Bürgerseen. Deshalb ist oft auch die Zufahrtsstraße zum Kiosk zugeparkt: „Wenn da ein Notfall wäre, dann käme kein Rettungsfahrzeug mehr durch“, macht Volker Mangold die Misere deutlich. Er hat auch eine mögliche Lösung für das Problem parat: „An der Hahnweide gibt es eigentlich genügend Parkplätze.“ Aber das würde bedeuten, dass vor den Bade-, Grill- und sonstigen Freuden ein längerer Fußweg ansteht. Und das wollen die wenigsten in Kauf nehmen.
Wie gesagt: Es geht nur mit Vernunft und miteinander. So gesehen wäre ein kleiner Fußmarsch miteinander schon ein erster Schritt in Richtung Rücksicht und Vernunft. Die Frösche sind schließlich auch zu Fuß unterwegs.
