Owen. „Das Rathaus muss künftig ohne Sie auskommen, da wird einem schon ein wenig angst und bange“, sagte Owens Bürgermeisterin zu ihrem Kämmerer. Schließlich sei die Arbeit im Rathaus für ihn nicht nur Beruf gewesen, sondern auch Berufung. Wer bei der Kommune arbeitet und auch noch im Ort wohnt, könne Beruf und Freizeit gar nicht so einfach voneinander trennen. Selbst private Termine könnten da schnell zu dienstlichen Terminen werden.
Die Arbeitsleistung Werner Kazmaiers hat die Owener Verwaltung zum Abschied mit möglichst genauen Zahlen darzustellen versucht: 41 Jahre und sechs Monate rechnete Verena Grötzinger in 363 528 Arbeitsstunden um. In dieser Zeit seien circa 340 Millionen Euro durch die Hände des Kämmerers geflossen. Rund 270 größere Projekte und Baumaßnahmen seien in der Ära Kazmaier realisiert worden. Dazu gehörten Baulandumlegungen, Infrastrukturmaßnahmen, Feuerwehrbeschaffungen oder Sanierungsgebiete. Außerdem habe Werner Kazmaier während seiner Tätigkeit für die Owener Stadtverwaltung neun unterschiedliche Gemeinderatsgremien erlebt.
Einem starken Wandel waren nicht nur die Aufgaben und Themen unterworfen, mit denen Werner Kazmaier zu tun hatte. Hinzu kamen technische Neuerungen, bei denen der Kämmerer stets ein „Höchstmaß an Flexibilität“ bewiesen habe. Als jüngstes „Mammutprojekt“ nannte Owens Bürgermeisterin die Umstellung von der Kameralistik auf die Doppik. Andere hätten das an der Stelle Werner Kazmaiers vielleicht auszusitzen versucht und die Aufgabe den Nachfolgern überlassen.
Bei Werner Kazmaier war das anders. Er hat die Umstellung vorangetrieben und kann seiner Nachfolgerin Manuela Unzeitig eine Kämmerei auf dem aktuellsten Stand übergeben. Nicht nur in diesem Fall gilt, was Verena Grötzinger ihrem scheidenden Kämmerer attestierte: „Ich habe mich immer zu hundert Prozent auf Sie verlassen können.“ Persönlich sowie im Namen ihres Vorgängers Siegfried Roser bedankte sie sich bei Werner Kazmaier für dessen Verlässlichkeit.
Stadtrat Christoph Ensinger bedankte sich stellvertretend für den gesamten Gemeinderat – auch wenn er selbst als Ratsmitglied gerade mal 20 Jahre, also weniger als die halbe Amtszeit Werner Kazmaiers, mit dem Kämmerer zusammengearbeitet habe: „Mit Ihrem Wissen und Ihrer Erfahrung waren Sie für uns stets ein guter Ratgeber. Zahlen und Fakten, die Sie aufbereitet haben, waren als solide Grundlagen für unsere Entscheidungen bestens geeignet.“ Die Arbeit des Kämmerers sei geprägt gewesen von Zuverlässigkeit und Genauigkeit. Menschlich sei Werner Kazmaier durch seine Bescheidenheit sowie durch seine freundliche Art aufgefallen, und somit konnte Christoph Ensinger in jeder Hinsicht feststellen: „Wir werden Sie vermissen.“ Die Einstellung Werner Kazmaiers durch den damaligen Bürgermeister Otto Heinz bezeichnete er abschließend als einen „Glücksgriff für Owen“.
Der Geehrte selbst bedankte sich für die persönlichen Worte zu seinem Abschied und stellte sogleich seine Bescheidenheit und seine Zurückhaltung unter Beweis: Er sei „nicht der Mann der Öffentlichkeit“, und das viele Lob sei ihm eigentlich gar nicht recht. Deshalb gab er das Lob zurück: an Bürgermeisterin Grötzinger für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen fünfeinhalb Jahren und an Siegfried Roser für die Verbundenheit in 36 gemeinsamen Berufsjahren. Und auch beim Ratsgremium bedankte er sich ausdrücklich: „Wir konnten als Verwaltungsmitarbeiter immer in die Gemeinderatssitzungen gehen, ohne weiche Knie haben zu müssen.“ Das gute Arbeitsklima sei nicht von persönlichen, sondern von sachlichen Diskussionen geprägt worden.
Dass er sein gesamtes Berufsleben in Owen verbringen würde, sei so nicht geplant gewesen, plauderte Werner Kazmaier noch aus dem Nähkästchen: Eigentlich habe er als Oberlenninger nur eine „Anfangsstelle in der Umgebung“ gesucht. Deshalb habe er sich Anfang 1972 auf die Stelle als Stadtinspektor in Owen beworben. Weil er aber die Staatliche Verwaltungsschule in Stuttgart erst im Oktober 1972 abschließen konnte, wurde er zum 1. November eingestellt. Kurz darauf habe der bisherige Stadtpfleger seine Stelle gekündigt. „So konnte ich den Posten übernehmen, und deshalb bin ich in Owen hängengeblieben.“ So einfach, kurz und prägnant lassen sich mehr als 40 Berufsjahre zusammenfassen und erklären.
Ein weiterer Dank Werner Kazmaiers galt dem gesamten Rathausteam für die gemeinsame Arbeit in den zurückliegenden Jahrzehnten und den vielen Zuschauern der Gemeinderatssitzung, bei denen er mit seiner Vermutung sicher richtig lag: „Ich gehe davon aus, dass sie mehrheitlich zu meiner Verabschiedung gekommen sind.“ Besonders beachtlich ist in diesem Zusammenhang, dass sein langjähriger Chef und Weggefährte Siegfried Roser eigens zu Ehren Werner Kazmaiers ein selbst auferlegtes Tabu gebrochen hat, indem er erst- und einmalig als „Alt-Schultes“ wieder eine Gemeinderatssitzung im Owener Rathaus besucht hat.
