Esslingen. Zwar stellt die Mitte 2013 geänderte Bedarfsplanung das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Hausarzt und Patienten im Landkreis genauer dar, weil sie die tatsächlichen Verhältnisse in den Räumen Esslingen, Kirchheim, Nürtingen und den Fildern aufzeigt. Doch das Problem, genügend Nachfolger für aufgegebene Hausarztpraxen auf dem flachen Lande zu finden, löst es nicht. Dies wurde in der Diskussion im Sozialausschuss des Kreistags deutlich, als es um eine „Bedarfsplanung 2013 für die ambulante kassenärztliche Versorgung im Landkreis“ ging.
Gleich zu Beginn der Aussprache machte Landrat Heinz Eininger deutlich, dass es sich hierbei eigentlich nicht um die Baustelle des Landkreises handelt, sondern um die der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg und der Krankenkassen. „Die Punkte in unserem Einflussbereich wurden abgearbeitet.“ Dabei verwies er auf die kommunalen Gesundheitskonferenzen.
Laut einer bundesweiten Studie der Universität Trier unter Medizinstudenten wird die hausärztliche Tätigkeit als „weniger anspruchsvoll, eintönig, abwechslungsarm und wirtschaftlich riskant“ angesehen. Vor allem Frauen favorisieren eine angestellte Tätigkeit in der ambulanten Versorgung in Teilzeit und in einer geregelten Arbeitszeit.
Das Problem der geringen Motivation der Medizinstudenten, Hausarzt auf dem flachen Lande zu werden, verschärft sich noch durch die Altersstruktur der praktizierenden Hausärzte. So ist im Landkreis Esslingen knapp ein Viertel von ihnen über 60 Jahre alt. Es ist davon auszugehen, dass diese Hausärzte in den nächsten fünf bis zehn Jahren in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Lediglich ein Fünftel der Hausärzte im Kreis ist unter 50 Jahre alt.
Deshalb ging Dr. Walter Kontner in den nächsten Jahren noch von einer weiteren Verschärfung der Situation aus, wobei er relativierend bemerkte: „Im Landkreis Esslingen ist das Missverhältnis zwischen Hausarzt und Patienten nicht so krass. Wir sind weit von einer Unterversorgung entfernt.“ Dennoch müsse das Problem beobachtet und alle Bemühungen unternommen werden, um das Problem zu entschärfen.
Für Volker Gädecke, Freie Wähler, war es keine schöne Zukunftsvision, dass es den Hausarzt in seiner jetzigen Form vielleicht bald nicht mehr geben werde und an dessen Stelle große Gemeinschaftspraxen treten würden.
Ganz so schwarz sah Nicolas Fink, SPD, nicht: „Vor Ort kann es sehr einfache Lösungen geben. Es muss nicht immer die kommunale Arztpraxis sein.“ Freilich sei es schwierig, bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die dafür zuständig ist, einen Menschen zu finden, der sich verantwortlich fühlt. Im Übrigen war er überzeugt, dass der Landkreis nicht das Problem der Gesundheitsreform lösen könne.
Die Einschätzung von Dr. Kontner teilte Rainer Stephan, FDP: „Wir stehen derzeit im Landkreis Esslingen mit einem Versorgungsgrad zwischen 92 im Raum Esslingen und 104 im Kirchheimer Gebiet noch gut da.“
Fragte sich Margarete Schick-Häberle, Grüne, warum in der Bundesrepublik die Hürden für ein Medizinstudium so hoch seien und man andererseits Ärzte aus dem Ausland anwerbe, so meinte Dr. Markus Raab, CDU: „Das Hausarztproblem wäre ruck, zuck gelöst, wenn man die ausgebildeten Migranten in der Bundesrepublik, die deutsch sprechen, zulassen würde.“ Hier könnten die Kommunen vielleicht auch mal politischen Druck aufbauen.
Für Dr. Walter Kontner war klar: „Der Hausarzt der Zukunft sind drei Hausärztinnen, die angestellt sind und sich die Stelle teilen.“ Dabei verwies er auf die Statistik, wonach 70 Prozent der Medizinstudenten weiblich sind.