Kirchheim. „Ich bedaure dies zutiefst“, kommentiert Andreas Schwarz das drohende Ende jugendlicher Beteiligung an der Kommunalpolitik in Kirchheim. Schwarz, der heute als Grünen-Abgeordneter den Wahlkreis im Stuttgarter Landtag vertritt, ist einer, der schon beim Vorgängergremium, dem Kirchheim „Jugendgemeinderat“ in den 90er-Jahren ganz vorne mit dabei war. „So ein Gremium ist eine vorzügliche Möglichkeit, in jungen Jahren Politik kennenzulernen und auch Politik zu machen“, betont er und erinnert sich an hitzige Diskussionen mit dem damaligen Oberbürgermeister Peter Jakob. Dass das Interesse heute so mau ist, könnte an mangelnder Werbung liegen, meint Schwarz und verweist darauf, vor knapp zwei Jahrzehnten durch die Schulen gezogen zu sein und die Werbetrommel gerührt zu haben. Etliche Referate in Deutsch oder in Gemeinschaftskunde widmeten sich zudem seinerzeit dem Thema. „Die Demokratie muss für sich werben“, betont der Abgeordnete und verweist beispielhaft auf den Einsatz der Gemeinderatsfraktionen vor Kommunalwahlen. Für Andreas Schwarz ist klar, dass Politik adäquate Beteiligungsformen von Jugendlichen benötigt: „Es muss weitergehen!“
Auf der Suche nach neuen Beteiligungsmöglichkeiten ist auch Herbert Müller von der Geschäftsstelle Jugendrat in der Kirchheimer Stadtverwaltung. „Jugend wandelt sich“, meint er, dass sich das klassische Ratsgremium möglicherweise überholt haben könnte. Auffallend ist, dass sich nun auch die Gymnasiasten, bislang die Hauptstütze des Gremiums, abgewandt haben. Vom Schlossgymnasium kamen heuer nur noch drei Kandidaten gegenüber zehn bei der Wahl vor zwei Jahren, am Uhland-Gymnasium ist die Zahl von zwölf auf drei geschrumpft. „Die jungen Leute haben heute eine deutliche Mehrbelastung“, weiß Müller und verweist auf die verkürzte Gymnasialzeit, die zudem zu einer Verjüngung des Jugendrates geführt habe. Die Frage sei nun: „Wie kriegt man die Schüler zu politischem Engagement?“ Müller ist sich sicher, dass junge Leute positive Erfahrungen brauchen und das Wissen, ernst genommen zu werden. Ziel müsse deshalb auch eine stärkere Verzahnung von Gemeinderat und Jugendrat sein.
Johannes Schumann, der in der jüngsten Ratssitzung für den Jugendrat das Wort ergriff, hatte genau diese mangelnde Kommunikation zwischen Gemeinde- und Jugendrat beklagt. Anhand vergangener Jugendrats-Reden zu den jeweiligen Haushaltseinbringungen arbeitete er das Problem, sich nicht in genügendem Maße in der Stadtpolitik wiederzufinden, als Roten Faden in der Geschichte des Jugendrates heraus. Er räumte aber auch ein, manches habe sich in jüngster Zeit deutlich verbessert. Weiter sprach auch er sich dafür aus, eine Lösung zu suchen, um die Möglichkeiten kommunalpolitischer Partizipation von Jugendlichen in Kirchheim zu intensivieren.
„Da muss man einen Weg finden“, ist auch die Meinung von Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass in dieser Stadt Jugendbeteiligung erwünscht ist, sieht aber die Schwierigkeiten: „So, wie wir diskutieren, erreichen wir die jungen Leute nicht“, ist eine Erfahrung, die sie in jüngster Vergangenheit gemacht hat, als Jugendräte zu Prozessen der Stadtentwicklung eingeladen waren. Was der Stadtchefin vorschwebt, ist beispielsweise die Einrichtung von Jugendforen, auf denen konkrete Dinge und Events besprochen werden könnten, ganz ohne Verpflichtung zu jahrelangem Engagement. Erklärtes Ziel: „Jugendliche müssen merken: Ich kann mit Politik was bewegen!“
