Kreis Esslingen. Aus den Nadelbäumen, die bei Denkendorf stehen, wird Saatgut zur Aufzucht von jungen Lärchen gewonnen. Der Denkendorfer Förster Albrecht Schöllkopf schaut bei dem Erntebestand oft vorbei. Denn die Samen werden streng kontrolliert.
Die Zapfenernte duldet keinen Aufschub, denn durch den trockenen November sind die Samen früh gereift. Thomas Bellgardt schneidet quer durch einen Zapfen und zeigt die prallen Samen. Er muss in seinem Beruf täglich hoch hinaus. Seine Arbeitshöhe liegt bei 40 Metern. Ausgerüstet und angeseilt wie ein Bergsteiger klettert er in den Baumkronen herum.
In Denkendorf sind die Bäume niedriger, denn der drei Hektar große Lärchenwald ist als Samenplantage angelegt. Um die Ernte zu erleichtern, sind die Bäume in den Wipfeln eingekürzt. Sie werden regelmäßig geschnitten. Hier wächst „auffallend gutes Saatgut“, weiß Förster Schöllkopf. „Die Lärchen bestechen durch Vitalität, geraden Wuchs, feine Äste, und sie haben sich als robust gegen den Befall von Pilzen und Insekten erwiesen.“
Da ein Waldbaum meist älter als 100 Jahre wird und stabil wachsen soll, ist es wichtig, das richtige Saatgut zu verwenden. Am Samen der Bäume ist die Herkunft aber nicht ohne Weiteres erkennbar. Man sieht ihm nicht an, ob er von einem Einzelbaum, einem Hausgarten, von Wäldern aus regenreichen Hochlagen oder aus trockenen Tieflagen stammt.
Täglich kontrolliert Förster Schöllkopf die Erntemengen. Gewicht und Reinheit der Samen müssen stimmen. 100 Kilogramm Lärchenzapfen ergeben fünf Kilogramm reinen Samen. Der hat einen Wert von 420 Euro. Wenn die Ernte vorbei ist, wird das Saatgut plombiert und mit einem Stammzertifikat zum baden-württembergischen Landesbetrieb für Saatgutversorgung – kurz Staatsklenge Nagold – geschickt. Im Stammzertifikat ist das Herkunftsgebiet deklariert. Die Denkendorfer Lärchen gehören zur Herkunft „west- und süddeutsches Hügelland“. Weil sich das Land als Waldbesitzer dem Zertifizierungssystem „ZÜF“ angeschlossen hat, muss Thomas Bellgardt von jedem Baum eine Referenzprobe zum genetischen Abgleich des Materials zur Seite legen.
Im Landkreis Esslingen gibt es 24 „anerkannte Bestände“, also Waldflächen, auf denen besonders vitale und schön gewachsene Bäume stehen, von denen Samen gewonnen werden dürfen. Neben der Lärche werden Kiefer, Linde, Esche, Rotbuche, Bergahorn, Schwarzerle, Stiel- und Traubeneiche sowie Spitzahorn und Hainbuche geerntet.
Für Zapfenpflücker Bellgardt ist die Ernte eine echte Knochenarbeit, denn Fichte und Lärche werden stets im Winter geerntet. Die Arbeit beginnt mit dem kraftraubenden Seilaufstieg. Mit dem Pflückerstock werden die Äste nach innen gezogen, denn der Großteil der Zapfen wächst weit außen am Ast. „Man steigt in eine andere Welt ein“, sagt der Pflücker. Schon als Kind sei er auf jeden Baum geklettert. Mit einer Ausbildung zum Zapfenpflücker bei der Staatsklenge Nagold hat er diese Neigung zu seinem Beruf gemacht.
Die Denkendorfer Lärchen werden nicht nur im Ländle Abnehmer finden. Ein Großteil wird nach Auskunft von Thomas Ebinger, Mitarbeiter der Staatsklenge Nagold, voraussichtlich ins Ausland gehen. Großbritannien beispielsweise habe einen großen Bedarf an Lärchensaatgut.pm/ez
