Dettingen. „Dettingen steht heute finanziell so da, dass die Gemeinde bei einem Rating durch Moody‘s oder Standard and Poor‘s mit Sicherheit die Bestwertung AAA erhalten würde“, sagte Kämmerer Jörg Neubauer, als er in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats den Haushalt 2012 einbrachte. Zu verdanken habe dies die Gemeinde dem Wirtschaftsaufschwung, dem erfolgreich vermarkteten Baugebiet Goldmorgen Süd sowie einem großen und zum Teil schmerzlichen Konsolidierungspaket.
Der Kämmerer wies aber auch darauf hin, dass die Zukunft mit großen Aufgaben für die Gemeinde verbunden sei. „Nennen möchte ich nur Themen wie Bildungsinfrastruktur, Demografie und Ökologie.“ Hinzu kämen die Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit der europäischen Staatsschuldenkrise. „Wenn der Rettungsschirm nicht ausreicht, dann dürfte das spürbare Konsequenzen für die Kommunalfinanzen haben“, prophezeite Jörg Neubauer.
„Langfristig sind die öffentlichen Haushalte in Deutschland chronisch unterfinanziert“, warnte auch Bürgermeister Rainer Haußmann. Die Entwicklung der wichtigsten kommunalen Einnahmen könne in keinster Weise Schritt halten mit dem prognostizierten Anstieg der öffentlichen Ausgaben – vor allem in den Bereichen Bildung und Soziales.
Mit zwei weiteren Betreuungsgruppen für unter Dreijährige könne Dettingen in diesem Jahr die gesetzlich geforderte Quote erfüllen, sagte der Rathauschef. „Das wird jedoch nicht ausreichen. Deshalb rechnen wir bis 2015 mit mindestens drei Millionen Euro Investitionen in unsere Kindertagesstätten.“ Was wo und wann neu oder umgebaut werde, sollte intensiv mit den Bürgern diskutiert werden, betonte Rainer Haußmann. Überhaupt ist das Thema Bürgerbeteiligung für den Rathauschef besonders wichtig. So plant er für das Frühjahr eine Bürgerbefragung zu den ehrenamtlichen Angeboten im Ort. Außerdem will die Gemeinde im sozialen Netzwerk Facebook aktiv werden.
Jörg Neubauer informierte die Räte darüber, dass der Planentwurf für 2012 eine Zuführungsrate des Verwaltungshaushalts, in dem der laufende Betrieb abgewickelt wird, von rund 190 900 Euro an den Vermögenshaushalt vorsieht. Steuereinnahmen sind mit etwa 5,4 Millionen Euro veranschlagt. Aufgrund der gestiegenen Steuerkraft kommen auf die Gemeinde höhere Umlagebelastungen zu, sagte der Kämmerer: An Land, Kreis und Region Stuttgart sind insgesamt 3,1 Millionen Euro zu überweisen. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren es rund 470 000 Euro weniger. Hinzu kommt die Gewerbesteuerumlage von 302 500 Euro.
Im Jahr 2012 stehen keine Grundstückserlöse mehr zur Verfügung, bedauerte der Kämmerer. Im Haushalt der Gemeinde seien aber auch keine Kreditaufnahmen nötig. Der Vermögenshaushalt finanziere sich überwiegend durch eine Rücklagenentnahme in Höhe von 1,3 Millionen Euro, durch Zuschüsse und durch die Zuführungsrate vom Verwaltungshaushalt. Bei den Eigenbetrieben Abwasserbeseitigung und Wasserversorgung seien hingegen Kreditaufnahmen eingeplant: und zwar in Höhe von 416 000 beziehungsweise 182 000 Euro.
Auf den Rücklagenstand der Gemeinde ging auch Bürgermeister Haußmann ein. Derzeit sehe es hier zwar „nicht so schlecht aus“ – mehr wäre aber freilich wünschenswert. Denn: „Genug hat man sowieso nie.“ Allerdings gelte der Grundsatz: „Wer zu viel hat und aufs Geld gar nicht mehr achten muss, verliert oft den Blick fürs Sparen.“ Das sei wie beim Fußball zwischen Bayern München und Gladbach. „Die einen haben die teuersten Spieler, die anderen jedoch spielen den schnellsten Fußball und holen die Punkte.“ Geld schieße also keine Tore, sagte Rainer Haußmann. Vielmehr „kommt es darauf an, was man draus macht“.
5,7 Millionen Euro seien bis 2015 für die Modernisierung und Erweiterung der Bildungsinfrastruktur vorgesehen, fügte er hinzu. Die Tiefbausanierung des Alten Guckenrains werde bis 2020 rund fünf Millionen Euro verschlingen. Für den sonstigen Straßenbau und die Ortskernsanierung falle in den nächsten vier Jahren eine weitere Million Euro an. „Sehen Sie die in der Finanzplanung enthaltenen Projekte als Angebot und Diskussionsgrundlage“, wandte sich Rainer Haußmann an die Gemeinderäte. Die nächsten Schritte wolle man gut überlegen und rechtzeitig mit der Bürgerschaft diskutieren.
Beraten wird der Etat 2012 in der nächsten Sitzung des Gemeinderats am 13. Februar.
Der Etat in Zahlen:
Haushaltsvolumen: 11,5 Mio. (2011: 11,9 Mio.)
Verwaltungsetat: 9,7 Mio. (2011: 10 Mio.)
Vermögensetat: 1,8 Mio. (2011: 1,9 Mio.)
Gewerbesteuer: 1,6 Mio. (2011: 2,4 Mio.)
Einkommensteuer: 2,4 Mio. (2011: 2,5 Mio.)
Umlagen: 3,4 Mio. (2011: 3,1 Mio.)
Rücklage Ende 2012: 2,8 Mio. (2011: 4,1 Mio.)
Pro-Kopf-Verschuldung (inklusive Eigenbetriebe) Ende 2012: 664 (2011: 604)
