Beuren. SWR-Redakteur und -Moderator Martin Häußermann freute sich über „fast Kaiserwetter“. Das war wohl etwas zu freundlich formuliert, doch die grimmige Kälte wird den Fernsehbildern nicht anzusehen sein. Fünf dreiköpfige Teams des Senders waren im Freilichtmuseum unterwegs. Von der halben bis ganzen Stunde an Material, die jedes Team einfangen wollte, bleiben in der fertigen Sendung jeweils etwa fünf Minuten.
„Das ist fast wie bei einer Live-Sendung“, sagte Häußermann zur Besetzung mit insgesamt 16 Mitarbeitern, die im Museum ausschwärmten. Sie ließen sich im Keller erklären, wie früher Karotten eingelagert wurden: Sie wurden in den Sand gesteckt. Außerdem besuchten sie den Ausschank des Kristallweizens, das 1924 auf dem Hofgut Dürren im Allgäu erfunden wurde und noch heute weitestgehend nach der Originalrezeptur gebraut wird. Die SWR-Mitarbeiter filmten darüber hinaus den Büttel, der mit dem Fahrrad auf dem Museumsgelände unterwegs war und die Notschlachtung einer Kuh und einen Hochzeitstanz zu verkünden hatte. Außerdem warnte er, der Räuber Jungblut sei wieder im Wald unterwegs.
Parallel dazu war ein kleines SWR-Team für die aktuelle Berichterstattung vor Ort. Dieses musste sich beeilen – schließlich musste der einminütige Beitrag gestern um 18 Uhr sendefertig sein. Auch der SWR-Hörfunk war vertreten. „Zichorie, das ist die Wurzel der Wegwarte“, sagte Silvia Speichinger vom Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck ins Mikrofon. Früher hatte man die Pflanze verwendet, um den importierten Kaffee mit einem heimischen Produkt zu strecken. Im Freilichtmuseum wurde sie gemeinsam mit Gerste zehn Minuten lang gebrüht und ergab einen schmackhaften und gesunden Malzkaffee. „Er regt die verdauungsfördernden Drüsen an“, sagte Silvia Speichinger. Natürlich sammelte der Hörfunk auch Stimmen von Besuchern und fragte: „Hat’s geschmeckt?“.
Lassen sich die Leute gerne befragen? „Sie reagieren in der Regel positiv“, sagte SWR-Redakteur und -Moderator Häußermann. „Nur ganz wenige wollen nicht. Sie sind vielleicht mit dem falschen Partner da.“ Manche kommen aber auch nur wegen dem Fernsehen, ergänzte Häußermann. Diese Menschen würden einfach einmal sehen wollen, „wie wir das produzieren“.
Produziert wurde im Freilichtmuseum noch vieles andere: Im Backhaus entstanden salzige Dätscher und Nussschnecken, das Hohenloher Freilandmuseum hatte leckere Rosenküchle im Angebot. Im Obergeschoss des Rathauses kochten die Landfrauen Gisela Aldinger und Erika Hartlieb Erbswurst: Dieses Fertiggericht ist schon seit 1889 zu haben. Was wohl ein Rezeptvergleich von damals und heute ergäbe?
Einen Stock tiefer zeigte das Deutsche Phonomuseum aus Sankt Georgen im Schwarzwald alte Grammofone. Die Lautstärke konnte nur durch die Größe des Trichters und die Auswahl der Nadel gesteuert werden. Gute Nadeln hielten etwa 20 Platten lang durch, auf eine Plattenseite passten nur vier bis viereinhalb Minuten. „Musik ist für uns wertlos geworden“, verglich Hedwig Reinl die heutige Dauerberieselung mit der Situation von damals. „Ein Arbeiter verdiente in den 1920er-Jahren zehn bis 13 Reichspfennig pro Stunde. In die Münzgeräte musste er zehn Pfennig einwerfen. Das bedeutete eine Stunde Arbeit für zwei Minuten Musik.“ Markus Nüdling, ein privater Sammler aus Aichwald, führte die Besucher in die Geheimnisse und die Bedienung des Detektor-Empfängers ein.
Interessantes hatte die Historische Radsportgruppe Wendlingen zu zeigen. Der Scherenschleifer hatte auf seinem Rad einen Schleifstein montiert. Dieser wurde über eine Kette mit den Pedalen angetrieben. Es gab einen kleinen Behälter mit Wasser, mit dessen Hilfe der Schleifstein benetzt wurde. Eine kleine Ablage machte die mobile Arbeitsumgebung komplett.
Mobiler sind ab sofort die sonntäglichen Besucher des Freilichtmuseums Beuren: Die Tälesbahn fährt stündlich, in Neuffen wartet der Busanschluss. Auch von Owen aus fährt nun alle paar Stunden ein Bus nach Beuren.
INFO
Die SWR-Produktion ist am Sonntag, 31. März, um 18.45 Uhr in der Sendereihe „Treffpunkt“ zu sehen.
