Kirchheim. Wenn dienstags der Frauentreff in den Räumen des Arbeitskreises Asyl in der Charlottenstraße stattfindet, dann ist die Stimmung gut. Es wird viel gelacht, geredet – und gelernt. „Wie lautet der erste Buchstabe dieses Gegenstands?“, fragt Ute Knoll und zeigt auf das Bild eines Koffers. Es dauert, bis die Frauen das Wort richtig buchstabieren und schreiben können, aber das macht nichts.
„Wir holen die Frauen spielerisch aus ihrem Alltag und ihrer Isolation heraus und ermöglichen ihnen mehr soziale Kontakte“, sagt Ute Knoll, die als freiberufliche Mitarbeiterin bei der Arbeiterwohlfahrt in der Sozialberatung für Flüchtlinge tätig ist. „Sie kommen fast ausschließlich aus patriarchalisch geprägten Gesellschaften und nehmen Angebote, die sich an alle Flüchtlinge richten, oft nicht wahr“, ergänzt die Projektverantwortliche.
Zwar wurde zuvor bereits einmal wöchentlich ein Sprachkurs für Frauen und Mütter angeboten. Doch dieser reichte nicht aus, sagt die 56-Jährige. „Wir haben festgestellt, dass vor allem Mütter zusätzliche Lebenshilfe bei der Bewältigung ihres Alltags mit Ehemann und Kindern benötigen.“ Diese Hilfe konnte durch die finanzielle Unterstützung in Höhe von 2 000 Euro durch den Rotary-Club Kirchheim-Nürtingen gewährt werden.
Im August 2014 wurde der Frauentreff ins Leben gerufen. Es handelt sich um ein befristetes Projekt, das ausschließlich Frauen und Müttern zugute kommt. Das Angebot wird sehr gut angenommen. Immer dienstags zwischen 16 und 18 Uhr kommen interessierte Frauen aus den Flüchtlingsunterkünften in der Charlotten- und Boschstraße zusammen, um zwei Stunden lang unter sich sein zu können – ohne Männer und Kinder.
Mittlerweile erscheinen zwischen zehn und 20 Frauen unterschiedlicher Nationalitäten zu den wöchentlichen Treffen. Die Teilnehmerinnen stammen beispielsweise aus Gambia, Syrien, Russland, Albanien, Afghanistan, Serbien, dem Kosovo oder aus Sri Lanka. „Wir bieten ihnen Abwechslung vom Alltag und helfen gleichzeitig bei der Integration“, betont Ute Knoll.
Im Mai steht ein Besuch der Beratungsstelle „Pro Familia“ in Kirchheim auf dem Programm, aber auch kleinere Ausflüge in die Stadt werden mit den Frauen unternommen. Der Frauentreff hilft den Teilnehmerinnen nicht nur beim Erlernen der deutschen Sprache und beim Umgang mit unterschiedlichen Situationen des Alltags wie beispielsweise Arztbesuchen, Behördengängen und dem Ausfüllen von Formularen. Die Frauen bekommen auch die Möglichkeit, Erlebnisse zu verarbeiten, persönliche Probleme zu besprechen und das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. „Wertschätzung ist besonders wichtig“, weiß Ute Knoll. „Und die Dankbarkeit der Frauen ist groß.“
Der Arbeitskreis Asyl Kirchheim ist eine Gruppe von ehrenamtlich tätigen Menschen, die Kontakte zu Flüchtlingen aufnimmt und pflegt, sich als deren Lobby versteht und den schutzbedürftigen Menschen in ihrer schwierigen Situation hilft. Weitere Informationen zum Arbeitskreis Asyl finden alle Interessierten auf www.ak-asyl.de im Internet.
