Reichenbach. Natürlich gehören auch Grußworten und Ansprachen zu einem Festakt. Die kamen vorneweg und waren ebenfalls mit einer Portion Humor gewürzt, auch wenn es um eine durchaus ernste Sache geht – schließlich ist die Feuerwehr „die einzige öffentliche Pflichtaufgabe, die nicht hauptamtlich erbracht wird, sondern mit Freiwilligen“, erinnerte Landrat Heinz Eininger. Er lobte die „außergewöhnlich leistungsfähige“ Wehr in Reichenbach.
Rund 60 Einsätze pro Jahr fallen für sie an, berichtete Kommandant Michael Kohlhaas. Dabei geht es häufig um die Abwehr von Umweltgefahren, in jüngerer Zeit auch zunehmend um Sturm und Unwetter, sei es die Überschwemmung 2007, seien es Hagel oder Sturm Lothar Ende 1999. Während andere vom Wohnzimmerfenster aus zuschauten, „waren die Feuerwehrleute draußen im Wald und haben versucht, Leute aus Autos zu retten“, sagte Bürgermeister Bernhard Richter. Auch die B 10 oder die Gewerbebetriebe im Ort stellten hohe Anforderungen an die Truppe: „Wenn die Holzindustrie brennt, zeigt sich, was die Feuerwehr auf dem Kasten hat.“
Unter den Ehrenamtlichen seien Fachkräfte, die sich der öffentliche Dienst gar nicht leisten könnte, betonte der Plochinger Bürgermeister Frank Buß in seiner Funktion als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes: zum Beispiel Chemiker, Abteilungsleiter oder Handwerksmeister. Sie brächten neben dem großen Engangement auch ihr Spezialwissen ein. Benachbarte Feuerwehren seien heute eng verzahnt, um schlagkräftig genug zu bleiben und auch ohne aktive Frauen gehe es nicht mehr. Der Plochinger Kommandant Nikolaus Maurer überbrachte die Grüße von einer Reihe von Nachbarwehren. Er appellierte an alle Arbeitgeber, aktive Feuerwehrler für den Einsatz freizustellen, wie es das Gesetz vorschreibe.
Danach schlüpfte Feuerwehrmann Andreas Löffler, der den Abend moderiert hatte, ins Fantasiekostüm eines römischen Kollegen – schließlich wurde die Feuerwehr schon zur Römerzeit erfunden, allerdings als Sklaventruppe. Löffler ließ eine Reihe von historischen oder Fantasie-Kollegen aufmarschieren: einen Feuerwehrler aus der Bismarckzeit mit Pickelhaube und Backenbart, einen Kreisbrandmeister in Hochwasserhosen von vor 100 Jahren oder einen Tiroler in Lederhosen. Der „Feuerwehrrocker“ fuhr mit seinem Feuerstuhl knatternd durch die Halle, ein junger Kollege mit Mini-Motorrad. Die Löschzwerge rückten mit einer schillernden Fantasiespritze an, gefolgt vom „American Hero“ und den Löschrobotern der Zukunft: ein Spektakel mit Rotlicht, Blaulicht, Rauch und Dramatik.
