Kirchheim. Alle Jahre wieder verleiht die Medien- und Filmfördergesellschaft Baden-Württemberg (MfG) die Kinoprogrammprämie für ein besonders gutes Filmprogramm an mittelständische, gewerbliche Kinobetreiber. Im Barockschloss zu Mannheim überreichten Staatssekretär Jürgen Walter und die Geschäftsführerin der MfG, Gabriele Röthemeyer, Urkunden und Prämien im Gesamtwert von 190 000 Euro für insgesamt 58 Spielstätten im Land.
Erneut dabei ist das Kirchheimer Tyroler Kino, das die MfG für sein sehr gutes Jahresfilmprogramm ausgezeichnet hat. In seiner Lobrede freute sich Jürgen Walter über „den erneuten Beweis für die Qualität und das Niveau der Kinos im Land“. Er forderte die Kinobetreiber auf, so weiterzumachen und wünschte ihnen ein Publikum, das treu bleibt und auch künftig ins Kino kommt. Die Kinoprogrammpreisprämie sei dabei lediglich eine Anerkennung, denn die Kinoleute müssen stets ihre eigene Leidenschaft und unternehmerischen Mut mitbringen. Nicht zuletzt bedeutet ein anspruchsvolles Kinoprogramm, das sich meist abseits der ausgetretenen Pfade des Massengeschmacks bewegt, ein finanzielles Risiko. Denn die Kosten für das Kinogebäude, die Vorführer, die Heizung und die technische Ausstattung fallen an, ob ein Film nun gut beim Publikum ankommt oder nicht.
Im besten Fall läuft ein besonderer Film aus der Arthaus-Sparte so gut, dass er gar zum Kassenschlager wird. So geschehen etwa bei dem französischen Film „Ziemlich beste Freunde.“ Auch die Produktion aus dem Ländle „Die Kirche bleibt im Dorf“, kam beim Publikum gut an. So gut, dass der Start der SWR-Fernsehserie sogar per Preview in den Kinos zelebriert wurde. Eine partnerschaftliche Geste, denn Fernsehen, DVDs und Internet machen den Kinos sonst eher zu schaffen.
Ansonsten hilft einem kleinen Kino mit anspruchsvollerem Programm, wie dem Tyroler, ein lukrativeres Gegenstück wie das Central, das mit eher populärer Lichtspielkost den wirtschaftlicheren Part übernimmt. Allein mit künstlerisch wertvollen Filmen kann ein Kino, zumindest in einer Kleinstadt, nicht überleben. Kommunale Kinos könnten ihr anspruchsvolles Programm ohne öffentliche Förderung und zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter ebenso wenig stemmen wie die kleinen Kinobetreiber ohne die Mischung aus Herzblut, Leidenschaft und einer zusätzlichen Einnahmequelle. Das kann eine ergänzende Kneipe ebenso sein wie ein zweiter Kinosaal fürs Mainstreamkino. Genau der fällt für Frechs in absehbarer Zeit weg. Denn die neue Eigentümerin des Centralkino-Gebäudes in der Dreikönigstraße hat das Mietverhältnis unlängst und völlig überraschend gekündigt. Das Mietverhältnis, das übrigens seit 1955 besteht, läuft im Frühling 2015 aus. Das wäre das zumindest vorläufige Ende des Central-Kinos.
Erst in diesem Jahr haben Frechs dort in eine neue Digitalanlage investiert. Sie gehört ebenso wie die gesamte Inneneinrichtung ihnen. Wie es weitergeht, steht noch in den Sternen. „Grundsätzlich suchen wir eine Lösung für einen zweiten Kinosaal“, sagt Eberhard Frech. Denn ohne das Central fehlt eben ein „Hobbit“ oder „James Bond“ um ein kleines, feines Kinoprogramm wie das des Tyrolers zu unterstützen. Doch noch befindet sich das Tyroler Kino in guter Gesellschaft. Die Kinoprogrammpreisprämie erhielten Kinos in Freiburg, Stuttgart, Tübingen und Heidelberg, aber ebenso kleinere Häuser auf dem Land, wie etwa jene in Alpirsbach, Riedlingen und Titisee-Neustadt.
Die Traumpalastkinos in Nürtingen und Esslingen erhielten eine Urkunde für ihr gutes Kinder- und Jugendfilmprogramm. Den mit 15 000 Euro dotierten Spitzenpreis für ein herausragendes Jahresfilmprogramm 2012 bekam das Kino Schauburg in Karlsruhe.
Wie immer muss die Prämie direkt im ausgezeichneten Kino investiert werden. Auf der Wunschliste von Ulrike Frech stehen neue Tische und Sessel für den Eingangsbereich im Tyroler. Leider reicht es noch nicht für das filmische Vorweihnachts-Gutsle, den „langen Tag der kurzen Filme“. Am Samstag, 21. Dezember, – dem kürzesten Tag des Jahres – laufen im Tyroler Kino ab 11 Uhr Kurzfilme für Kinder und Erwachsene, produziert von Absolventen der Filmhochschule Ludwigsburg. Filme, deren Qualität sehr wohl beweist, dass sich Baden-Württemberg und Kirchheim in Sachen Film und Kino nicht verstecken müssen.
