Laut IHK blicken Unternehmen im Kreis Esslingen zunehmend pessimistisch in die Zukunft
Die konjunkturelle See wird rauer

Die anhaltenden negativen Nachrichten über Schuldenkrise, Eurorettung und weltwirtschaftliche Abkühlung trüben auch die Stimmung der Unternehmen im Kreis Esslingen. In der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK ist die Mehrheit der Befragten mit der Geschäftslage zwar noch zufrieden, doch die Zahl der missgestimmten ­Unternehmen steigt.

Kreis Esslingen. Die konjunkturelle See wird rauer, so die IHK. Bislang habe sich die lokale Wirtschaft scheinbar unbeeindruckt von den schlechten Konjunkturmeldungen gezeigt, allmählich würden aber immer mehr Unternehmen mit Auftragsrückgängen, sinkenden Umsatz- und Ertragsergebnissen konfrontiert und reagierten darauf mit Korrekturen bei den Investitionsplänen.

Noch sind 88 Prozent aller Betriebe in solider Verfassung. Gute Beurteilungen über die aktuelle Geschäftslage geben 45 Prozent der Unternehmen ab (Frühsommer: 51  Prozent), zufrieden sind immerhin 45 Prozent (Frühsommer: 43 Prozent). Aber zehn Prozent verbuchen nun schlecht gehende Geschäfte (Frühsommer sechs Prozent).

Konstante oder steigende Umsatzzahlen vermelden 73 Prozent der Befragten, eine noch gute oder zufriedenstellende Ertragslage 84 Prozent. Unverkennbar sei, dass das Verhältnis der zufriedenen zu unzufriedenen Unternehmen sich in eine negative Richtung bewegt, so die Kammer.

Wohin die Reise führt, sei ungewiss. Bei der erwarteten Geschäftsentwicklung zeigten sich die Unternehmen deutlich kritischer als bislang. 25 Prozent rechnen künftig mit schlechteren Geschäftsverläufen. Im Gegenzug hat sich die Anzahl der Optimisten seit Sommer um 14 Prozentpunkte auf 15 Prozent reduziert. Noch rechnen 73 Prozent mit steigenden oder gleich bleibenden Umsätzen in den nächsten zwölf Monaten (Frühsommer 87 Prozent). Investitionspläne für Kapazitätserweiterungen sowie Produkt- und Verfahrensinnovationen werden aber bereits von 18 Prozent nach unten korrigiert. „Damit strahlt das Stimmungstief bereits negativ auf wachstumsfördernde Investitionspläne aus“, so die IHK.

Risiken sehen die Unternehmen vor allem in einer nachlassenden Inlandsnachfrage (62 Prozent), steigenden Energie- und Rohstoffpreisen (58  Prozent), hohen Arbeitskosten (36 Prozent) sowie beim Mangel an qualifiziertem Personal (32 Prozent). Hinsichtlich der Beschäftigungspläne planen erstmals seit zwei Jahren mehr Unternehmen (18 Prozent) ihre Beschäftigtenzahl zu reduzieren, als neues Personal einzustellen (14 Prozent).

In der Industrie rutschte die Anzahl der Betriebe mit guter Geschäftslage seit dem Sommer von 52 Prozent auf 39 Prozent ab. Noch ist die Hälfte aller Industriebetriebe zufrieden mit den betriebswirtschaftlichen Ergebnissen. Ins Auge fallen aber jene Industriebetriebe, die eine Entwicklung zum Schlechteren verzeichnen. Ihre Zahl wächst laut IHK langsam, aber kontinuierlich (aktuell elf Prozent). Die Ertragslage ist für 83 Prozent der Industriellen noch gut oder zufriedenstellend. An der guten Kapazitätsauslastung von 84 Prozent konnte seit Jahresbeginn festgehalten werden. Knapp 40 Prozent der Befragten verzeichnen allerdings rückläufige Auftragseingänge. Ein Fünftel der Betriebe gab eine negative Zukunftsprognose ab.

Beim Handel vermelden immer weniger Betriebe eine gute Geschäftslage (28 Prozent). Das Hauptfeld mit 61 Prozent gibt sich mit der Situation zufrieden. Elf Prozent – im Jahresverlauf gestiegen – berichten über schlecht laufende Geschäfte. Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vorjahresquartal müssen 35 Prozent der Groß- und Einzelhändler verkraften (Frühsommer noch 17 Prozent). Mit der Ertragslage sind die Händler mehrheitlich noch zufrieden. Auch die kommenden Monate werden wohl schwieriger. Zwar erwarten knapp zwei Drittel, das erreichte Niveau halten zu können, aber mit gut 30 Prozent sind die Pessimisten auf dem Vormarsch. Dabei rechnen Großhändler bereits mit nachfrageschwachen Industriekunden, während die Einzelhändler eine zunehmende Skepsis bei Endverbrauchern feststellen. Ein Viertel der Händler rechnet mit negativen Konsequenzen bei der Beschäftigtenzahl.

Einzig die Dienstleister können dem allgemeinen Abwärtstrend noch Paroli bieten, so die IHK. Die aktuelle Geschäftslage wird von 60 Prozent der Serviceunternehmen für gut befunden, 30 Prozent sind zufrieden. Die gute Stimmung bei den Dienstleistern wird getragen von den Informations- und Kommunikationsdienstleistern. Finanzdienstleister, Hotel- und Gaststättengewerbe sowie die technischen Berater müssen bereits leichte Abstriche hinnehmen.

Von 650 repräsentativ ausgewählten Unternehmen im Landkreis Esslingen hat sich ein Drittel an der Umfrage beteiligt.pm