Zum Ende des Zivildienstes geben zwei junge Männer Einblicke in ihre Tagesabläufe
Die Letzten verabschieden sich

Am 30. Juni 2011 schreibt Deutschland Geschichte. Nach 50 Jahren Zivildienst verabschieden sich nun die vorerst letzten Zivildienstleistenden. Zu diesem Anlass geben zwei dieser Zivis Einblicke in ihre Dienststellen.

Kirchheim. Es ist beschlossene Sache: Mit dem vorläufigen Ende des Wehrdienstes ist auch die Zeit des Zivildiensts vorbei. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, ehemals Bundesamt für den Zivildienst, weiß, wie es weiter gehen soll: Der Bundesfreiwilligendienst, kurz „Bufdi“, soll den Zivi ersetzen. Zum Abschied geben zwei der letzten Zivis Einblicke in ihren Aufgabenbereich.

Christian Dieterich ist einer dieser letzten Zivildienstleistenden. Er arbeitet in der Igelgruppe des Carl-Weber-Kindergartens der Lebenshilfe Kirchheim. Dort betreut er Kinder mit und ohne Behinderung.

„Es ist eine gute Erfahrung. Ich würde es wieder so machen“, meint Christian. Seine Zeit im Kindergarten hat er deswegen auch nach den pflichtmäßigen sechs Monaten nun bis August verlängert. Doch obwohl ihm die Arbeit gefällt, geht es für ihn im Herbst für ein naturwissenschaftliches Studium an die Universität.

Auf die Zivildienststelle aufmerksam wurde Christian Dieterich durch sein Umfeld. „Ich kenne den Leiter der Lebenshilfe. Und meine Mutter hat auch schon hier gearbeitet. Was beide erzählt haben, hörte sich interessant an“, meint Christian. Seine Entscheidung bereut der Zivi nicht. Am Anfang war die Arbeit anstrengend. „Da kannte ich die Namen nicht und mir fehlte die Erfahrung“, gesteht er. Mit der Gewohnheit kam ein Stück weit Gelassenheit.

Der Tag des Zivis beginnt um 7.15 Uhr mit dem Fahrdienst, wenn er die Kinder mit Behinderung von zu Hause abholt. Nach anderthalb bis zweieinhalb Stunden kommt er wieder im Kindergarten an. Die Kinder lieben ihren Zivi. „Wenn wir ihn fragen, baut er Boote mit uns“, erzählt eines der Kinder stolz. Christian spielt sehr viel mit seinen Schützlingen. Egal ob sie gemeinsam puzzeln oder zusammen mit Autos spielen, Christian ist dabei. Die wichtigste Aufgabe des Zivis ist es jedoch, immer ein Auge auf die Kleinen zu haben und sie zu betreuen. Ansonsten hilft der Zivi überall, wo Bedarf besteht. Von der Organisation von Veranstaltungen über Mittagessen kochen, Getränke einkaufen und Wäsche in die Wäscherei bringen bis hin zur Hilfe bei Umbaumaßnahmen und kleinen handwerklichen Tätigkeiten umfasst der Aufgabenbereich des Zivildienstleistenden ein großes Spektrum. Wenn der Kindergarten um 15.15 Uhr endet, fährt Christian Dieterich die Kinder wieder nach Hause. Feierabend ist in der Regel ab 16.30 Uhr.

„Am meisten Spaß macht die Lebensfreude der Kinder. Und sie überraschen einen ständig“, erzählt der Zivi. Besonders nach längerer Abwesenheit nach Ferien freut sich die Igelgruppe umso lauter auf Christian. Zur Begrüßung fallen ihm die Kinder auch gern mal um den Hals.

Obwohl das Arbeiten mit den Kindern viel Spaß macht, freut er sich besonders über positive Rückmeldungen der Eltern. „Das ist schon toll. Da weiß man, dass man etwas richtig macht“, gesteht Christian.

Ein weiterer Zivildienstleistender ist Marco Lamparter. Seit fünf Monaten arbeitet er in der Tagespflege des Senioren- und Pflegeheims Haus Kalixtenberg in Weilheim.

Nach einem „Schnuppertag“ fand Marco Interesse am Dienst in der Tagespflege. „Es ist sogar noch besser als gedacht“, erzählt er. Nach seinem Dienst wird er jedoch als Gipser arbeiten. Ehrenamtlich möchte er allerdings weiterhin im Zentrum aushelfen.

Der Arbeitstag des Zivis beginnt um 7.30 Uhr, wenn er die Tagesgäste von zu Hause abholt, und endet laut offiziellen Arbeitszeiten um 16 Uhr. Meist kümmert er sich jedoch freiwillig länger um die Senioren. „Das sind Menschen, da kann man nicht einfach um Punkt vier aufhören“, meint Marco. Die Gäste sind sehr mit ihrem Zivi und seinem Engagement zufrieden. Häufig nehmen sie ihn auch in Schutz vor den Aufgaben, die ihm die Pfleger zuteilen: Der „junge Kerle“ solle nicht so viel arbeiten.

Nach dem Fahrdienst hilft Marco das Frühstück zuzubereiten und zu verteilen. Anschließend bringt der Zivi die Räume auf Vordermann und stellt die Pläne für den kommenden Tag auf. Dazu gehören nicht nur Essen und Programm, sondern auch die Anzahl der Gäste. Je nach Tag ist die Gruppe zwischen acht und zwölf Besuchern groß. Zu seinem Aufgabenbereich gehören außerdem die Post sowie Besorgungsfahrten. Im Rahmen seines Zivildienstes fährt Marco Lamparter auch Essen in Kirchheim und Ötlingen aus.

Besonders gefällt dem Zivildienstleistenden der direkte Kontakt zu den Menschen. Oft führt eine Zeitungsrunde zu angeregten Diskussionen in der Gruppe. Auch auf Ausflügen und bei Spielenachmittagen ist Marco mit von der Partie. „Am meisten Spaß machen mir die Veranstaltungen, bei denen ich mitarbeite“, sagt der Zivi. So steht er beispielsweise beim „Männerabend“ der Tagespflege am Grill.

Marco Lamparter findet es besonders wichtig, mit älteren Menschen Zeit zu verbringen und ihnen bei Bedarf zu helfen. „Später brauche ich vielleicht mal Hilfe. Und da bin ich froh, wenn mir dann jemand hilft“, meint der Zivi.

Wie es in den Einrichtungen nach dem Ende des Zivildiensts weitergehen soll, wissen weder die Tagespflege des Hauses Kalixtenberg noch der Carl-Weber-Kindergarten. Sicher ist, ehrenamtliche Helfer sind wichtiger denn je. Während die Tagespflege auf geringfügig Beschäftigte und auf Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr setzt, arbeitet der Kindergarten mit Praktikanten. Große Hoffnung in den Bundesfreiwilligendienst haben beide nicht. „Dafür ist die Öffentlichkeit zu wenig informiert“, ist von beiden Stellen zu hören, „aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.“

Informationen zum Bundesfreiwilligendienst gibt es im Internet unter der Adresse www.bundesfreiwilligendienst.de.