Matthias Altwasser berichtet im Ausschuss über das Mehrgenerationenhaus Linde
„Die Linde bleibt Anwalt der Jugendlichen“

Über das vielfältige Angebot des Kirchheimer Mehrgenerationenhauses Linde hat dessen Leiter Matthias Altwasser den Kirchheimer Finanz- und Verwaltungsausschuss informiert. Kritik setzte es nach wie vor bei der Frage, ob es überhaupt noch spezifische Angebote für Jugendliche in Kirchheim gibt.

Andreas Volz

Kirchheim. Matthias Altwasser berichtete zunächst von vier Handlungsschwerpunkten der Mehrgenerationenhäuser: Freiwilliges Engagement, Alter und Pflege, Integration und Bildung sowie Haushaltsnahe Dienstleistungen. In allen vier Bereichen engagiere sich auch die Kirchheimer Linde mit den unterschiedlichsten Projekten und Angeboten.

Besonderes Augenmerk liege aber auf dem Schwerpunkt Integration und Bildung, weil dafür auch ein besonderer Bedarf in Kirchheim bestehe. Ein milieu-übergreifendes Projekt sei „Lesen ohne Grenzen“. Unter Beteiligung der Schulen werden Lesepa­tenschaften vermittelt, die Gymnasiasten und Förderschüler zum ge­genseitigen Nutzen zusammenbringen.

Wie sehr das Mehrgenerationenhaus in Kirchheim angenommen ist, zeigt sich für Matthias Altwasser schon allein an der Tatsache, dass derzeit 120 Schlüssel in Umlauf sind. Das Alter der ehrenamtlich engagierten Mitarbeiter der Linde liege zwischen 14 und 82 Jahren, wobei das Angebot vom klassischen Jugendtreff bis hin zum offenen Seniorentreff reiche. Ganz im Sinne des Mehrgenerationengedankens ist beispielsweise das Projekt, dass Jugendliche Computerkurse für Senioren geben. Dabei schlüpfen die Jüngeren einerseits in die Rolle des Lehrers und andererseits in die des Computerexperten, der durchaus auch bei den Senioren vor Ort gewisse Computerprobleme lösen hilft. Der Dialog zwischen den Generationen ergebe sich dadurch ganz von selbst.

Trotz der positiven Beispiele wiederholte Stadträtin Dr. Silvia Oberhauser, dass sie die Entwicklung der Linde vom Jugendhaus zum Mehrgenerationenhaus immer kritisch gesehen habe. Diese Bedenken zerstreue auch der aktuelle Bericht des Hausleiters nicht: „Bei Betrachtung der vielen Gruppen im Mehrgenerationenhaus finde ich nicht viele Angebote für Jugendliche.“

Matthias Altwasser tat sein Möglichstes, um positive Gegenbeispiele aufzuzählen. „Die Linde ist und bleibt Anwalt der Kinder und Jugendlichen in Kirchheim. Wir wären fehlen am Platz, wenn wir Ansinnen von Jugendlichen nicht aufnehmen würden“, sagte er. Dennoch habe sich die Jugendarbeit durch die Ganztags­schule stark verändert. So sei die Linde auch an Schulen aktiv, vor allem an der Grund- und Werkrealschule Jesingen, an der Freihof-Realschule und an der Konrad-Widerholt-Förder­schule. Bei den Förderschülern sei es sogar so, dass nicht die Linde zur Schule kommt, sondern dass die Schüler ihrerseits in die Linde kommen. Das sei ein wichtiger Tapetenwechsel für die Schüler.

Zum Thema „Jugendkulturarbeit“ verwies Matthias Altwasser darauf, dass derzeit zehn verschiedene Jugendbands den Proberaum der Linde nutzten. Allerdings könne das Team des Mehrgenerationenhauses in diesem Fall selbst nicht richtig aktiv werden: „Die Jugendlichen müssen da auf uns zukommen, und sie müssen auch schon wissen, was sie brauchen.“

Für Kinder biete die Linde jedes Jahr in den Pfingst- und in den Herbstferien jeweils eine Woche Ferienprogramm an. Für 2014 sei au­ßerdem ein internationales Jugendcamp in Kirchheim geplant.

„Klassische“ Jugendgruppen gebe es in der Linde nach wie vor, und auch an vielen anderen Gruppen seien Jugendliche beteiligt: „Es ist wirklich nicht so, dass die Jugend bei uns nicht vorkommen würde.“ Immerhin seien zwei Drittel der Besucher jünger als 27 Jahre. Und auf die Frage, wer denn morgens um 9 Uhr schon in die Linde gehen könne, antwortete der Hausleiter: „Senioren, aber auch Mütter.“ Mütter bringen teils ihre Kinder mit, und teils gehören sie sogar selbst noch zu den Jugendlichen: „Es gibt auch 17-jährige Mütter.“

Schützenhilfe erhielt Matthias Altwasser im Ausschuss von Kirchheims Oberbürgermeisterin. „Jugendliche treffen sich heute ganz anders als noch vor 20 Jahren“, sagte Angelika Matt-Heidecker. „Man trifft sich an den unterschiedlichsten Orten in der Stadt, um von dort aus gemeinsam loszuziehen.“ Das Mehrgenerationenhaus sei in diesem Fall eben nur eines von vielen unterschiedlichen Angeboten in der Stadt.