Kirchheim. „Sobald ein Bach Raum bekommt, um zu atmen, entsteht ein Ort der Ruhe“, freut sich Urs Kaiser, der oft mit dem Fahrrad an der renaturierten Lindach entlangfährt. Trotz der großen Straße nebenan könne man den Bach erleben, meint er und zeigt in Richtung der erhöht verlaufenden Durchgangsstraße. Sie ist vom Bach aus zwar zu hören, aber unsichtbar. „Insgesamt ist die Sanierung in Jesingen sehr gelungen“, lautet das abschließende Urteil des Weilheimers.
„Hier ist ein Treffpunkt für Ältere entstanden“, ist Balaz Pal zufrieden mit den neuen Sitzgelegenheiten an der Lindach, die dank Lehnen zum Teil sogar rückenschonend sind. Pal geht täglich mehrmals hier spazieren und beobachtet gern die spielenden Kinder am Ufer. Besonders den Fußgängersteg, der eine zusätzliche Lindachüberquerung darstellt und für Fußgänger so manchen Weg verkürzt, findet er „einmalig“. Für die Autofahrer habe sich die Situation jetzt allerdings verschlechtert.
„Wir sind froh, dass man jetzt hier so schön sitzen kann“, freuen sich die Schülerinnen Viktorija Vuckovic und Greta Gerscht. Die beiden sind regelmäßig am Lindachufer in der Ortsmitte anzutreffen. „Man trifft sich hier und chillt eine Weile, ehe man bespricht, was man an diesem Tag noch alles macht“, erklären sie.
„Vorher hat‘s mir besser gefallen“, winkt dagegen Thomas Haußmann ab. Seiner Meinung nach wäre das Geld, das die neue Ortsmitte kostet, für die in Jesingen lang ersehnte Umgehungsstraße wesentlich besser eingesetz gewesen. Was er besonders vermisst, sind die großen alten Bäume, darunter eine Reihe von Walnussbäumen, die früher die Lindach säumten. „Jetzt ist es auch gefährlicher als früher“, meint er mit Blick auf den ungehinderten Zugang zum Wasser.
„Die neue Ortsmitte wird prima angenommen“, berichtet Heidrun Kaiser, die seit vielen Jahren im Jesinger Rathaus arbeitet. Es sei eine wahre Pracht, zu beobachen, wie die Kinder im Wasser spielen und barfuß durch die Lindach waten. Doch auch Erwachsene genießen den Zugang zum Bach und die Sitzmöglichkeiten rundum. „Neulich ist eine ganze Gruppe mit dem Fahrrad gekommen und hat hier ein gemütliches Picknick veranstaltet“, erzählt die Rathausmitarbeiterin.Text: I. Strifler/Fotos: J. Jacques
