Ein Team von „Hilfe für Guasmo“ informierte sich über die aktuelle Situation in Ecuador
„Die Reformen kommen nicht wirklich bei den Menschen an“

Ein Team des Kirchheimer Vereins „Hilfe für Guasmo“ war in Ecuador, um sich ein realistisches Bild von der aktuellen Situation in Ecuador zu machen. Vor allem in den Elendsvierteln habe sich die Situation der Menschen trotz vieler Reformen kaum verbessert, berichten die Vereinsvertreter.

Kirchheim. Aktuellen Informationen in der Presse ist zu entnehmen, dass die derzeitige Regierung unter Rafael Correa Reformen angestoßen und Gesetze erlassen habe, um Bildung zu fördern und die soziale Situation im Land zu verbessern. Ursula Hauser, Ehrenvorsitzende des Vereins „Hilfe für Guasmo“, war wieder einmal vor Ort, um sich ein realistisches Bild von der Situation zu machen. Nachdem sie den Vorsitz des Vereins in jüngere Hände gelegt hat, hat sie ihre Nachfolgerinnen eingearbeitet und auf diese Reise Susanne und Bernhard Riehm mitgenommen. Susanne Riehm gehört zum Team von „Hilfe für Guasmo“.

Bei ihrer Reise kamen die Vereinsvertreter zu der Erkenntnis: „Die Reformen kommen nicht wirklich bei den Menschen an, die in den Elendsvierteln der Städte und abseits in Dörfern leben.“ Einige Beispiele: Ein vertretbarer Mindestlohn mit 14 Monatsgehältern ist neu eingeführt worden, doch damit seien viele Arbeitgeber überfordert. Die Folge seien Entlassungen. „Es gibt keine Arbeitslosenversicherung, wer keine feste Arbeitsstelle hat, kommt nicht in den Genuss etwa einer Krankenversicherung.“

In den staatlichen Schulen gebe es jetzt Schulgeldfreiheit, berichten Ursula Hauser und Susanne Riehm, „und Lernmittel erhalten die Schüler kostenlos, aber ihre vorgeschriebene Schuluniform und viele andere Kosten müssen sie selbst bezahlen, was die meisten gar nicht können.“ Eine bestimmte Zahl von Lehrern je Schule werde gesetzlich festgelegt, vom Staat würden aber nicht alle Lehrerstellen bezahlt. Private Initiativen, Pfarreien oder auch „Hilfe für Guasmo“ finanzieren deshalb notwendige Lehrergehälter.

Eine weitere Neuerung im Schulsystem: Alle Lehrer, ganz gleich, ob gut oder schlecht ausgebildet, seien verpflichtet, an Fortbildungen teilzunehmen. Aber: Bezahlen müssen sie das selbst, und das gebe ein ecuadorianisches Lehrergehalt kaum her. Die Haupt-Ferienzeit der Schulen wurde zeitlich verlegt – jetzt falle ein Teil der Schulzeit in die Regenzeit: Für die Kinder draußen auf dem Land werde es oft unmöglich, ihre Schule durch Schlamm und Hochwasser zu erreichen.

Die Besucher aus Deutschland sind gleich am ersten Tag in das arme Viertel „Guasmo“ im Süden der Millionenstadt Guayaquil gegangen, dorthin, wo 1987 alles begann. Die „Becados“, Patenkinder, Schützlinge, erhalten von „Hilfe für Guasmo“, was sie für ihre Ausbildung brauchen. Betreut werden sie von einer vom Verein angestellten einheimischen Sozialarbeiterin.

Anschließend ging es nach La Aurora nördlich der Stadtgrenze von Guayaquil. Dort kommen laufend Menschen aus ländlichen Gebieten an, in der Hoffnung, in der Stadt Arbeit zu finden. Zu oft wird diese Hoffnung enttäuscht, und so entstanden auch hier Hütten und Häuser mit erbärmlichem „Innenleben“. In La Aurora ist mit Mitteln von „Hilfe für Guasmo“ ein Ausbildungszentrum gebaut worden. Vor allem Mütter kommen mit Begeisterung dorthin. Ihre Kinder, auch vom Verein unterstützt, gehen in die örtliche Schule, und die Kleinen sind im frisch renovierten Kindergarten unter der Obhut ausgebildeter Erzieherinnen. Die Mütter erlernen Tätigkeiten, die nützlich sind für den Arbeitsmarkt, und erwerben Kenntnisse, wie sie ihren Kindern trotz der Armut erzieherische und gesundheitliche Starthilfe ins Leben geben können. Schwerpunkte der Ausbildung im „Centro“ liegen beim Backen, Kochen, Frisieren und Kosmetik, Elektro, Hotelfachkenntnisse, Gesundheit, Erziehung. Geleitet werden die Kurse von erfahrenen Ausbildern, die teilweise unentgeltlich arbeiten.

Mehr als 50 HIV-infizierte Kinder und deren Familien in La Aurora werden begleitet von einer Sozialarbeiterin und erhalten konkrete Hilfe: die teuren Medikamente, Milchpulver, Lebensmittel, mehr Hygiene, Unterricht in Ernährungslehre – auch da­rum kümmert sich der Verein „Hilfe für Guasmo“.

Von La Aurora ging es in die Berge, nach Ambato und Salasaca, wo kleinere Hilfen, teilweise sporadisch, von „Hilfe für Guasmo“ ankommen.

Letzte Station der Reise war Puerto Napo jenseits der Anden, wo seit 1992 laufend rund 40 Mädchen Unterstützung erhalten. Auch dort hat sich etwas verändert. Ursula Hauser berichtet: „In Puerto Napo erwarteten uns Überraschungen durch die neuen Schulgesetze.“ Bisher konnte der Verein junge Mädchen von 13 bis 18 Jahre unterstützen, einige auch länger. „Bei unserem Besuch in Puerto Napo kamen uns junge Frauen strahlend entgegen. Sie, die zum Teil unter 20 Jahren Kinder bekommen haben, sich, meist alleinerziehend, um die Kinder kümmern mussten, Verantwortung übernahmen, haben nun die Möglichkeit, ihre abgebrochene Schul- oder Berufsausbildung nachzuholen.“ Die „Academia Corte y Con-fección“ habe nun „Schülerinnen“ im Alter von 15 bis 30 Jahren. „Nach anfänglicher Zurückhaltung über die Neuerung erkannten wir schnell, dass das neue Konzept den jungen Frauen in dieser Urwaldregion eine großartige Möglichkeit eröffnet, ihren eigenen Weg zu finden.“

In den Projekten werde effizient gearbeitet, berichtet das Team von „Hilfe für Guasmo“, aber vieles liege noch im Argen. Damit die Arbeit kontinuierlich weitergehen könne, setzt „Hilfe für Guasmo“ auf die bewährten Spender und hofft, weitere Menschen für die Unterstützung der ganz Armen begeistern zu können.pm

Weitere Infos auf www.hilfe-fuer-guasmo.de im Internet.