Kirchheim/Nürtingen. Es ist ein Datum, dem viele Bürger jedes Jahr mit Grauen entgegenblicken: der 31. Mai, der Tag, an dem die Steuererklärung fällig ist. Wer es in diesem Jahr nicht pünktlich geschafft hat, hat jedoch gute Chancen, eine Gnadenfrist zu bekommen. Denn im Finanzamt Nürtingen sind wie überall im Land die Regale voll.
Hintergrund ist die Einführung der Software „Konsens Stufe I“, die bundesweit zur Standard-EDV werden soll, in allen 65 Finanzämtern des Landes. Um die rund 18 Millionen Steuerkonten in das neue System zu übertragen, wurde das alte vom 20. April an schrittweise abgeschaltet. „Ab dem 5. Mai waren wir wieder arbeitsfähig“, erläutert Jürgen Lieven, Vorsteher und Pressereferent des Finanzamts Nürtingen.
Während dieser Zwangspause waren die Finanzämter zwar für den Publikumsverkehr geöffnet, aber die Mitarbeiter konnten keine Steuererklärungen bearbeiten. „Wir sind mit Hochdruck dabei, die Rückstände abzuarbeiten, die durch die Woche Betriebsruhe entstanden sind“, sagt Jürgen Lieven. Allerdings gebe es mit der neuen Software noch einige Probleme, weil immer wieder Fehler auftauchten. Außerdem müssten sich die Mitarbeiter erst an das neue Verfahren gewöhnen. „Momentan dauert jeder Arbeitsschritt noch etwas länger als sonst.“
Während mancher Bürger sich fragt, warum die EDV ausgerechnet kurz vor Ende der Abgabefrist für die Einkommenssteuererklärung umgestellt werden muss, verteidigt Jürgen Lieven das Vorgehen. Im Jahr 2011 würde „Konsens Stufe I“ nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in Hessen und Niedersachsen eingeführt. Die Kollegen von der bayerischen Finanzverwaltung, die die Umstellungsarbeiten maßgeblich mittrügen, benötigten zwischen den Umstellungsterminen eine gewisse Pufferzeit. „Da bei uns die Vorbereitungsarbeiten am weitesten fortgeschritten waren, war Baden-Württemberg das erste Bundesland, das den Umstieg vollzogen hat“, so Lieven. Der Zeitpunkt sei somit alternativlos gewesen.
Um wirklich Bilanz zu ziehen, ist es laut dem Pressesprecher jedoch noch zu früh. „Erst nach der Sommerpause wird es Sinn machen, Bilanz zu ziehen, wie die Umstellung gelaufen ist und wie sich der Erledigungsstand bei der Bearbeitung der Steuererklärungen darstellt“, so Lieven.
