Beim Investorenforum des Landkreises zeigten Kommunen, wie sie innerstädtische Brachen nutzen
„Die Stadt ist kein Auslaufmodell“

Investoren und Stadtplaner richten den Blick derzeit wieder mehr nach i nnen. Ihr Interesse gilt innerstädtischen Flächen, die brachliegen und für Gewerbe oder Wohnungsbau genutzt werden sollen. Beim Investorenforum des Landkreises gab es Vorträge und Projektbeispiele, die diesen Trend untermauern.

Kreis Esslingen. Wo normalerweise Kreisräte auf den Beginn der Sitzung warten, drängen sich Besucher zwischen Stellwänden und Infotischen. Acht Kommunen aus dem Landkreis Esslingen informieren über Gewerbegebiete und freistehende Grundstücke. Lebensraum wird da beworben, Raum für Unternehmen und nicht zuletzt Raum für Naherholung. Die Stadt Kirchheim ist ebenfalls mit einem Stand vertreten. „Wir freuen uns darauf, unser innovatives Projekt hier präsentieren zu können“, sagt Wirtschaftsförderin Maike Riesenberg in Anspielung auf das Steingau-Quartier, das ihr Kollege später vorstellen wird. Zudem könne man hier auf die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets Kruichling hinweisen.

Im gut gefüllten großen Sitzungssaal des Landratsamtes begrüßte Landrat Heinz Eininger die Gäste und Besucher. „Ihr Kommen ist der Beweis, dass der Landkreis ein zukunftsfähiger Standort ist.“ Das Interesse an Gewerbeflächen im Landkreis und die steigende Zahl an Anfragen an die Wirtschaftsförderung zeigten auch, dass es mit der Wirtschaft wieder bergauf gehe. „Während der Finanzkrise hatten wir große Sorge. Die enge Verflechtung mit der Weltwirtschaft hat sich bei uns bemerkbar gemacht wie in kaum einer anderen Region.“ Heinz Eininger warb für seinen Standort. „Wir sind der Kreis der Messe und des Flughafens, aber auch der attraktiven Landschaften.“ Der Landkreis stehe außerdem für Qualität. „Andere Kreise werben mit günstigen Gewerbeflächen. Das tun wir nicht.“

Um „Innerstädtische Potenziale – Chancen und Entwicklungstrends“ ging es im Vortrag des Stadtsoziologen Professor Dr. Richard Reschl, der unter anderem an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg lehrt. Er nannte drei globale Trends, mit denen alle Städte und Kommunen sich auseinandersetzen müssen: die Gesellschaft, die immer älter wird, der Strukturwandel der Wirtschaft hin zum Dienstleistungsbereich und die ökologische Herausforderung. Selbst im wirtschaftsstarken Baden-Würt­temberg werde die Bevölkerung um 1,6 Millionen Menschen zurückgehen, man rechne mit der zweieinhalbfachen Zahl an Hochbetagten. Die Konsequenz: Die Menschen gehen in die Städte zurück, wo die Wege kurz und die Ärzte nicht weit sind. „Das Leben auf dem Land wird sehr teuer werden, weil der Abstand zur Infrastruktur groß ist“, sagte Reschl. Die Stadt als Auslaufmodell zu sehen, sei falsch. „Verstädterte Lebensformen werden zunehmen.“

Die neuen Stadtbewohner seien jung, gut ausgebildet und am traditionellen Wohnen im Einfamilienhaus völlig desinteressiert. Sie suchten neue Wohnformen, in denen Arbeiten und Wohnen nicht weit voneinander entfernt seien. Traditionelle Gewerbegebiete würden in Zukunft ersetzt durch Mischgebiete, in denen Wohnen, Arbeiten und Verkehr dichter beieinanderlägen.

Ein Beispiel, wie ein solches Gebiet aussehen könnte, lieferte der Kirchheimer Stadtplaner Gernot Pohl anhand des neuen Steingau-Quartiers, das ab 2012 auf dem ehemaligen EZA-Areal entstehen soll (wir berichteten). Nur eine Minute vom Bahnhof und wenige Schritte von der Innenstadt entfernt soll dort ein neues Viertel mit 250 Wohneinheiten gebaut werden. In den Erdgeschossräumen soll Platz für Dienstleister und Handel sein. „Innenentwicklung bedeutet nicht zwangsläufig Verdichtung. Wir wollen allen Bedürfnissen der Bürger Raum geben“, sagte Gernot Pohl. Die Stadt betreibe seit Jahren konsequent Innenentwicklung. Als weiteres Beispiel nannte der Stadtplaner das nahegelegene Otto-Ficker-Areal. Auf diesem Industriegelände wird ein Erlebnis- und Kulturzentrum gebaut.