Auf dem Wochenmarkt ist der Appetit auf Gurken und Salat aus der Region ungebrochen
Die Stunde der Marktfrauen

„Aus der Region für die Region.“ Noch nie bewährte sich dieser Slogan mehr als heute. Auf dem Kirchheimer Wochenmarkt wird eifrig eingekauft, Gurken, Tomaten und Salat inklusive. Und das trotz EHEC – oder gerade deswegen?

Kirchheim. Darf‘s ein Vespergürkle sein für 60 Cent oder vielleicht eine stattliche Salatgurke für 1,40 Euro? Auf dem Kirchheimer Wochenmarkt findet beides Liebhaber, ebenso die Palette der verschiedensten Salat­spezialiäten von Eichblatt bis Eissalat.

„Die Leute kaufen bei uns sehr bewusst ein“, sagt Regina Klein aus Holzmaden. Der Grund liegt für sie auf der Hand: Schließlich wissen die Kunden, dass alle Produkte aus der Region stammen. In den letzten Tagen hat die Marktfrau aus Holzmaden, die ihren Stand direkt am Marktbrunnen hat, sogar ein Umsatzplus bemerkt. Während EHEC vor allem in Norddeutschland vielen Verbrauchern die Lust auf Rohkost vergällt und mancher Großhändler buchstäblich auf seinen Gurken sitzenbleibt, schlägt hierzulande die Stunde der Marktbeschicker.

Unisono berichten die Händler auf dem Kirchheimer Marktplatz von ungebremster Lust auf Salat und Gemüse. Allerdings vergewissere sich der eine oder andere Kunde schon mal vorab, ob die dargebotenen Gaumenfreuden denn wirklich aus der Umgebung stammen. Lautet die erwünschte Antwort „Ja“, dann wandert die Gurke aus Köngen, dem Rems­tal oder von der Insel Reichenau meist umgehend in den Korb.

In der Marktstadt Kirchheim genießt der Marktbesuch von jeher einen besonderen Stellenwert. Auch am gestrigen Montagvormittag war einiges los. Beim Anbieter von Salatpflanzen für den eigenen Garten bildeten sich sogar immer wieder Schlangen. Besonders viel Nachfrage herrscht naturgemäß samstags. „Da ging es bei uns wieder zu wie in Italien“, freut sich Anne-Kathrin Faiß von der „Floralen Werkstatt“ aus Reudern. Sie bietet neben Blumen auch Salat und Gemüse feil. Gurken sind derzeit allerdings Mangelware. Das liegt aber keineswegs an EHEC, sondern schlicht und einfach am Wettergott und seinen Launen. Im Freien wachsende Gurken sind einfach noch nicht so weit. Überhaupt macht Anne-Kathrin Faiß und manchen ihrer Kollegen am Fuße der Teck die Trockenheit weit mehr zu schaffen als die Aufregung um EHEC-Infektionen. Weil es seit Wochen nicht mehr richtig geregnet hat, fällt das Angebot geringer aus als sonst. „Karotten kriegt man gar nicht aus dem Boden raus, und die Radieschen sind kleiner als sonst“, erläutert die Fachfrau. Um größere Schäden zu verhindern, ist sie manchmal noch nachts um 22 Uhr mit Gießen beschäftigt. Wer Wert auf regionale Produkte legt, kennt die Probleme der Martkbeschicker.

Viele Stände auf dem Kirchheimer Wochenmarkt haben ihre eigenen Stammkunden. „Unsere Kunden achten sehr auf Qualität, und natürlich fragen sie derzeit verstärkt, woher die Ware stammt“, erklärt Fabian Schmalzbauer am Luchs-Stand und verweist darauf, dass ausschließlich „Gärtnergurken aus der Region“ an seinem Stand zu haben sind. Auch er hält es für möglich, dass die Zahl der Marktkäufer sogar noch wächst in Zeiten großer Verunsicherung bei Importgemüse.

Mit steigendem Umsatz rechnet auch Peter Reicherter, der ebenfalls regelmäßig seine Waren auf dem Kirchheimer Wochenmarkt an den Mann bringt. Zu wissen, was sie essen, das lassen sich die Kunden durchaus etwas kosten. Ihnen muss Reicherter nicht lange erklären, dass ein hiesiger Bauer keine Gurke für 29 Cent produzieren kann. „Es gibt jetzt eine ganze Reihe von Kunden, die derzeit grundsätzlich keine Erzeugnisse aus Spanien kaufen“, hat er beobachtet und kann speziell für Gurken getrost Entwarnung geben: „Die kommen schon seit mehreren Wochen ausschließlich aus der Region.“

Doch unweit der schwäbischen Gurken finden sich leckere Pfirsiche, in der Sonne des Mittelmeers gereift. Auch Marktbesuchern steht mitunter durchaus der Sinn nach Exotischem.