Owen. „Stadt Owen – 750 Jahre Leben unter der Teck“: Unter diesem Motto feiern die Owener dieses Jahr ihre Vergangenheit, wobei auch Gegenwart und Zukunft nicht zu kurz kommen – nicht zuletzt dank zahlreicher moderner Marketingprodukte zum Jubiläumsjahr. Bürgermeisterin Verena Grötzinger ging in ihrer Begrüßungsrede aber auch auf die Vergangenheit ein, der das Jubeljahr letztlich zu verdanken ist: „2011 wollen wir unsere 750 Jahre richtig feiern, auch wenn unser Städtchen eigentlich viel älter ist.“
Für die lebendige Gegenwart Owens waren am Freitag die „Chili Dales“ zuständig, die das Publikum mit ihrem A-cappella-Gesang begeisterten. Anschließend ging es aber weit zurück in die Vergangenheit, denn Kreisarchivar Manfred Waßner stellte in seinem Grußwort fest: „750 Jahre sind eine lange Zeit, selbst für die Historiker.“ Der Kreisarchivar lobte die Stadt Owen ausdrücklich für ihr Geschichtsbewusstsein, das nicht nur in einem „vorbildlich eingerichteten Stadtarchiv“ oder im geplanten Geschichtshaus zum Ausdruck komme, sondern auch in lebendigen Traditionen wie dem jährlichen Maientag. Besonders ging Manfred Waßner aber auf die Teckherzöge ein, von denen Herzog Konrad, der in der Owener Marienkirche begraben liegt, wohl der bekannteste sein dürfte. Und auch die Bernhardskapelle „mit ihren großartigen Fresken“ sei wohl den Teckherzögen zu verdanken.
Einer der Teckherzöge spielt auch bei der ersten Urkunde, in der Owen erwähnt ist, eine Rolle: Ludwig I., der Bruder des bereits erwähnten Herzogs Konrad II. Dieser Ludwig, der 1283 starb und im Kirchheimer Frauenkloster begraben wurde, wird in der Urkunde namentlich erwähnt, weil sein Siegel zur Beglaubigung an die Urkunde angehängt wurde.
Bevor der Historiker Rolf Götz in seinem Vortrag auf die eigentliche Urkunde einging, stellte er eine Reihe von Irrtümern in der Forschung richtig: Weil Ortsnamen mit „owe“ oder „au“ auf Siedlungen in einer Flussaue, also in Feuchtwiesen, hinweisen, gebe es eine Vielzahl entsprechender Ortsnamen. Eine Urkunde aus dem Jahr 1085, in der ebenfalls schon der Name „Owa“ auftaucht, verortete Rolf Götz in seinem Festvortrag nach Au am Rhein – zwischen Karlsruhe und Rastatt gelegen.
Und auch der berühmte mittelalterliche Dichter Hartmann von Owe (Aue) lässt sich wohl nicht dem Städtchen unter der Teck zuordnen, wie dies ein Pater Alban Stöckli 1953 im Teckboten vertreten hatte. Rolf Götz zufolge steckt hinter Hartmanns Owe oder Aue nach aktuellem Forschungsstand wohl Au bei Freiburg. Immerhin aber dürften Hartmanns Mäzene die Zähringerherzöge Bertold IV. und Bertold V. gewesen sein, deren Vorfahren einst für kurze Zeit auf der Limburg saßen, bevor sie sich in Zähringen bei Freiburg niederließen.
Als etwas ganz Besonderes bezeichnete es Rolf Götz, dass in Owen die mittelalterliche Schreibweise erhalten geblieben ist, die andernorts eben schon längst in das neuhochdeutsche „Auen“ umgewandelt worden wäre. So aber tauche das Wort „owe“ in derselben Schreibweise wie im Stadtnamen sogar in einem der berühmtesten Texte aus dem Mittelalter auf: In dem Lied „Under der linden“ reimt Walther von der Vogelweide „owe“ auf „frowe“.
Nach diesen Vorbemerkungen kam Rolf Götz schließlich direkt auf die Urkunde zu sprechen, die am Nikolaustag 1261 auf der Teck ausgestellt worden war: Im Gegensatz zu Kirchheim, wo es immerhin ottonische Herrscherurkunden aus den Jahren 960 und 976 gibt, oder auch zu Schopfloch, das 1182 in einer Papsturkunde Erwähnung findet, handle es sich in Owen lediglich um eine Privaturkunde, die nicht einmal sonderlich bedeutend ist. „Aber es ist trotzdem eine schöne Urkunde“, stellte Rolf Götz fest. Und immerhin sei daran das „zweite erhaltene Siegel eines Teckherzogs“ befestigt.
Beurkundet wird 1261 der Verkauf eines Wäldchens bei Köngen: „Berthold genannt Übelritter von Owen“ verkauft das 2,3 Hektar große Waldstück für drei Pfund Heller an die Mönche von Salem, dem großen Zisterzienserkloster am Bodensee. Weil es damals keine Großmünze gab, wurde der Pfennig aus Schwäbisch Hall gleich in großen Mengen als Währung eingesetzt, erklärte Rolf Götz: Das Pfund besteht aus 240 Hellern. Einen allzu schweren Geldsack brauchten für den Verkauf aber weder die Vertreter des Klosters Salem noch der verkaufende „Übelritter“, dessen Spottname bis in die 1330er-Jahre in der Familie blieb, als in Esslingen ein Pfaff Albrecht Übelritter aus Owen starb. Schließlich wog ein Heller etwa 0,5 Gramm, wie Rolf Götz ausführte. Drei Pfund Heller kämen demnach auf ein Gewicht von 360 Gramm.
