Kirchheim. Er ist gerade mal 22 Jahre jung und wird schon als „Jahrhunderttalent“ gefeiert. Die Rede ist von Diknu Schneeberger, virtuoser Gypsy-Gitarrist aus Wien und Chef des gleichnamigen Trios. Zusammen
Brigitte Gerstenberger
mit seinem Vater Joshi Schneeberger, Kontrabass, und Martin Spitzer, Rhythmusgitarre, setzte er in der Bastion am Samstagsabend ein Glanzlicht des Gypsy-Swing.
Während Woody Allen den imaginären Jazzgitarristen Emmet Ray in seinem Film Sweet And Lowdown über die Leinwand schlawinern lässt, einen selbstverliebten Musiker, der alle Situationen meistert, nur nicht die Begegnung mit seinem Idol Django Reinhardt, ist Diknu Schneeberger – für den Django Reinhardt auch der große Held ist – ein überaus sympathischer, energiegeladener junger Musiker, weit entfernt von arroganten Starallüren. Einer, der alle Leidenschaft in sein flammendes Gitarrenspiel legt, eine zauberhafte Mischung aus Sinti-Roma-Klängen, New Orleans Jazz und Valses Musettes. Vom Folk bis hin zu Funk, Bossa und Flamenco, Diknus stilbildender Mix begeistert. Gesegnet mit einem außergewöhnlichen rhythmisch-melodischen und motorischen Talent widmet sich Diknu lustvoll seinen Stücken. Sie werden präzise bearbeitet. Für die richtige Phrasierung scheint er sich geradezu die Finger wund zu spielen. Da wird schon mal zwischen den Stücken auf die Fingerkuppen geblasen, ein verschmitzter Blick ins Publikum – der jugendlichen Charmeoffensive kann keiner widerstehen. Ebenso wenig seiner beseelten Gitarrenspielweise. Jubelnder Applaus für seine Solis, voll mit virtuosen Läufen, schnellen Glissandi und der unglaublichen Geschwindigkeit seiner Schlaghand. Der Jungspund kann sich durchaus mit Granden wie Bireli Lagrene, Stochelo Rosenberg oder Philip Chatherine messen. Im Ausland wurde das Potenzial des Wiener Trios längst erkannt, gastieren doch die Erben Django Reinhardts in Spanien, Frankreich, England und vor allem auch in Deutschland.
Im Februar 2004 begann Diknu bei Striglo Stöger die Rhythmusgitarre zu erlernen, fünf Monate später bestritt er sein erstes Konzert und im selben Jahr spielte er seine erste CD mit dem Joschi Schneeberger Sextett ein. Im darauffolgenden Jahr nahm er Unterricht beim famosen Wiener Jazzgitarristen Martin Spitzer, entdeckte dort die Musik von und die Liebe zu Django Reinhardt und gründete 2006 mit seinem Lehrer und seinem Vater sein eigenes Trio. Eine vorzügliche musikalische Allianz aus rasantem Gypsy Swing, liebevoll arrangierten Standards, interessanten Klassikern, Djangos schönsten Kompositionen sowie Arrangements von Diknu. Wie sein großes Vorbild Django Reinhardt teilt er die Vorlieben für spannungsreiche Harmonien einschließlich abrupter Tonartwechsel.
Im zweiten Teil des Konzertes folgte die unausweichliche Hommage an den musikalischen Vater aller Gypsy-Swing-Gitarristen. „Ist alles Django, aber wir interpretieren schon selbst“, so ein augenzwinkernder Diknu, der in genialer Moll-Tonlage den „Minor Blues“ sowie weitere Titel aus dem zweiten Album „The Spirit of Django“ servierte. Als Zugabe „Joseph, Joseph“, ein spannungsreicher „Fetzer“ mit jugendlichem Elan, wieselflink gespielt und vom Publikum bejubelt. Fernab von verstaubten und verkrusteten Ansätzen lieferten Diknu & Co einen höchst zeitgemäßen musikalisch-famosen Beitrag zum Thema Gypsy Swing.
