Nürtingen/Stuttgart. Vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts sitzt der 27-Jährige seit Dienstag. In renommierten Kliniken wie München, Horb und Pforzheim hatte er sich laut Anklage mit einer gefälschten Approbations-Urkunde als „Dr. med. Schenk“ eingeschlichen und über 160 Patienten behandelt, bis seine selbst ernannte Medizinerrolle an seinen Rechtschreibfehlern aufflog.
In der kürzlich abgegebenen Vita des Angeklagten kam nun heraus, dass er sich bereits im Jahre 2002 als 20-Jähriger nach mehreren Schnellkursen als Rettungssanitäter und medizinischer Ersthelfer bei der Klinik in Nürtingen beworben hatte. Dort wurde er – allerdings ohne falschen Dr.-Titel – als Praktikant eingestellt wurde. Er habe dort mehrere Monate lang in einem „freiwilligen sozialen Jahr“ zahlreiche Patienten betreut und sogar in Vertretung medizinischen Nachtdienst geleistet, sagte er jetzt.
Allerdings sei es schnell zu Streitigkeiten mit anderen Klinik-Mitarbeitern gekommen. Ein Kollege habe ihn bei der Klinikleitung angeschwärzt, weil er zu viel mit den Patienten unternommen habe. Dazu soll ein weiterer Mitarbeiter der Geschäftsstelle mitgeteilt haben, er würde die Patienten falsch behandeln und er sei „eine gestörte Persönlichkeit“. Er sei außerdem distanzlos und belästigend. Dass ihn die Nürtinger Klinik daraufhin hinaus warf und ihm auch noch ein Hausverbot für alle Räume erteilte, wollte der Angeklagte den Richtern eigentlich gar nicht beichten. Erst durch Nachfragen des psychiatrischen Gutachters gab er dies schließlich zu, bestreitet aber weiterhin, Patienten dort falsch betreut zu haben.
In über 160 Fällen soll der 27-Jährige in anderen Kliniken als „Dr. Schenk“ Patienten behandelt haben, teilweise erfolgreich, wie ihm verschiedene Krankenhäuser bescheinigen. Die Stuttgarter Richter boten dem geständigen Hauptschüler jetzt an, dass er bei einem vollen Geständnis mit maximal drei Jahren und neun Monaten Haft zu rechnen hat.
Der Prozess wird am 3. Mai fortgesetzt.
