Kirchheim. Wir leben über unsere Verhältnisse – das ist die Kernaussage der rund 90-minütigen Multimediashow, die Politikwissenschaftler Björn Wiele moderiert. Drei Mal spricht er an diesem Tag vor jeweils 130 Schülern des Ludwig-Uhland-Gymnasiums und der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule.
Die Show, die der Verein „Multivision“ mit Projektpartnern – dem Bund, Oxfam und dem Wuppertal Institut – präsentiert, versucht mit plakativen Thesen und Zahlen zu beeindrucken. „Würde jeder Mensch auf der Erde den gleichen Lebensstil führen wie wir Europäer, dann bräuchten wir mindestens drei Planeten“, heißt es da beispielsweise. Um die notwendigen Rohstoffe für unser Essen, unseren Energieverbrauch und das neueste iPhone zu produzieren, benötige jeder Deutsche im Schnitt 4,2 Hektar. Das ist rund das Dreifache dessen, was jedem Einzelnen weltweit zur Verfügung stünde – ziehe man von der Fläche der Erde das ab, was die Menschen nicht nutzen können oder aus Umwelt- und Artenschutzgründen sollten.
„Wir treiben Raubbau an der Erde“, sagt Björn Wiele. Jeder von uns hinterlasse einen riesigen ökologischen Fußabdruck auf der Erde, der nicht so schnell verblasse – sehr zum Schaden der nachfolgenden Generationen.
Was schief läuft auf unserem Planeten – ökologisch wie ökonomisch – zeigt der Film eindrücklich. Die Teenager sehen hungernde Kinder im Sudan und erfahren, dass dieses Land trotz Hungersnot und Dürre 24 Millionen Tonnen Hirse und Erdnüsse exportiert, damit die Nutztiere in Europa fett und rund werden. Außerdem wird ihnen klar gemacht, dass die Überproduktion der Landwirtschaft doppelt subventioniert auf afrikanischen Märkten landet und dort den regionalen Erzeugern das Überleben schwer macht. Die Schüler erfahren außerdem, dass vom Marken-Sneaker an ihren Füßen bei der Näherin, die ihn hergestellt hat, bestenfalls ein halber Euro hängen bleibt – und, dass für die fesche Jeans einer beliebten schwedischen Mode-Kette in China ein junges Mädchen bis zu 20 Stunden am Tag an der Nähmaschine sitzt.
Das Projekt wirbt mit seiner Kampagne für ein Umschwenken, damit der ökologische Fußabdruck spürbar kleiner wird und die Ressourcen gerechter verteilt werden. „Unsere Erde könnte heute bis zu zwölf Milliarden Menschen ernähren“, erfahren die Schüler. Dafür müsse aber jeder bei sich selbst beginnen. Man könne zum Beispiel regional und saisonal einkaufen, auf Biokost anstatt auf Massentierhaltung setzen und öfter mal auf Fleisch verzichten. Letzteres allein könne den ökologischen Fußabdruck um rund 20 Prozent schrumpfen lassen. Bei Produkten wie Schokolade, Bananen, Tee und Kaffee solle man auf das Fairtrade-Siegel achten. Das bringe weitere Pluspunkte auf dem Ökokonto.
Später räumt Björn Wiele noch mit der Mär auf, dass Bio gleichbedeutend ist mit „teurer“: „Das stimmt nicht ganz“, stellt er klar. In der Regel könnten Bio-Produkte im Preisvergleich mit konventionellen Lebensmitteln durchaus mithalten.
Der Politikwissenschaftler gibt den Schülern weitere Tipps: Wer alle gängigen Ratschläge zum Energiesparen umsetze, trage damit nicht nur zu einer Reduzierung des CO²-Ausstoßes bei, sondern schone auch seinen Geldbeutel. „Bei mir waren es 360 Euro, die ich von meinem Energieversorger zurückbekommen habe“, sagt er.
Björn Wiele macht den Jugendlichen Mut, sich für mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu engagieren. „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt so ist, wie sie ist. Es wär‘ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt“, singt die Band „Die Ärzte“ im Abspann des Films.
Die Fair-Future-Kampagne kann bestenfalls ein Anstoß sein, damit die Menschen ihr Leben ändern. Die Frage ist nur, wie lange in unserer konsum-geprägten Gesellschaft die Schreckensbilder vorhalten.
