Bissingen. Die Frage, ob die „Wellküren“ Moni, Burgi und Bärbi Well sich wohl auch schon in jungen Jahren gegen ihre Brüder zur Wehr set-
WOLF-DIETER TRUPPAT
zen konnten, stellt sich eigentlich nicht. „Nesthäkchen“ Moni gab ihnen vermutlich gar keine Chance, überhaupt zu Wort zu kommen.
Das „Lob“ ihrer beiden Schwes
tern, dass sie genau so schnell Auto fahre, bestätigte Moni sofort. Dadurch komme sie besonders zügig überall hin – etwa ins schöne Bissingen, wo die Gastgeber die Gemeindehalle so wunderbar frühlingshaft dekoriert hätten . . .
Durch die harte Schule einer Jugend mit acht Brüdern und weiteren vier Schwestern gegangen, wurden die drei „Wellküren“ einer erfolgreichen frühkindlichen Musik- und Gesangserziehung unterzogen. Die „Wellküren“ stehen inzwischen schon seit 25 Jahren auf der Bühne „ihre Frau“ und können ihren Brüdern von der „Biermösl Blosn“ durchaus Paroli bieten. Männer haben für solcherlei aushausiges musikalisches Engagement ja auch Zeit.
Da 80 Prozent der Entscheidungen ohnehin in Brüssel fallen und für rund zehn Prozent wichtigtuerische Bundespolitiker verantwortlich zeichnen, trauen sie es sich locker zu, den lächerlichen Rest während des Kochens mitzuerledigen und als wunderbar harmonierende „Beste Schwestern“ Bayern zu retten .
Die im Vergleich zu den 15,0 der Well-Familie Zukunftsängste weckende Geburtenzahl von 1,36 wollen sie etwa durch die Abschaffung von Single-Haushalten und ein Ausgehverbot für unter Vierzigjährige nach oben treiben und damit zugleich auch Stubenmusik und Dreigesang vor dem Aussterben bewahren. Fast noch wichtiger ist der Frauenbeauftragten Burgi, der auf dem Sektor Kinder- und Jugendarbeit gestählten Sozialpädagogin Bärbi und Verkaufskanone Moni ihr künftiges wirtschaftspolitisches Gewicht. Wenn sie es schaffen, ganz China für ihr „Wishing Well“-Tüchlein zu begeistern, könnten sie sofort an die Börse gehen – und das ohne Hilfe ihrer Brüder oder der Lehman Brothers.
Um den Bissingern die „große weite Welt“ näherzubringen, schalteten sie von bayerischen auf schwer greifbare chinesische Weisheiten. Im Blick auf ihre politische Karriere konnte das Frauen-Power-Trio auf beachtliche Erfolge verweisen. Sie haben in Oberschweinbach immerhin drei Frauenparkplätze eingerichtet und sich für ein Kopftuchverbot eingesetzt. Die älteren Bauersfrauen am Ort hatten dafür zwar kein Verständnis, sind aber längst an die stattdessen getragenen Käppis gewöhnt.
Die Sorge um den Verfall von Moral und Treue brachte die „Wellküren“ von Arnold Schwarzenegger, „Loddar Matthäus“ und dem von schwedischen Gardinen verschont gebliebenen Schwerenöter Carl Gustav unweigerlich zum nächsten Namen. Wer zugleich „Strauss“ und „Kahn“ heißt, habe einfach keine Chance.
Gerne blickten sie wie beim „Königlich Bayerischen Amtsgericht“ zurück in „die gute alte Zeit“, als das Bier dunkel und die Ministranten noch schweigsam waren und zupften dazu liebevoll „Spiel mir das Lied vom Tod“. Nachdem die Nachfolger des gemeuchelten Monarchen „König Edmund I“ für den parteipolitischen Niedergang in die Bedeutungslosigkeit einer Koalition verantwortlich zeichnen, wollen sie als „Die Besseren Schwestern“ ihr Land ganz nach oben bringen. Ihrem Publikum versprachen sie daher schon mal schnelle DSL-Leitungen und dass die umstrittene Biogasanlage nicht in Bissingen, sondern in Nabern gebaut wird.
