Neue EU-Richtlinie: Die Badegewässer im Kreis haben das Prädikat „ausgezeichnet“ erhalten
Drei Sternchen für die drei Seen

Gute Noten für die Badegewässer im Landkreis Esslingen: Alle drei Seen haben bei der Beurteilung anhand der neuen EU-Richtlinie das Prädikat „ausgezeichnet“ erhalten. Trotzdem bleibt beim Baden in der Natur immer ein Restrisiko.

Kreis Esslingen. An heißen Tagen schätzen viele Menschen die Abkühlung in der Natur. Einigen jedoch hat der neue ADAC-Gewässertest zu denken gegeben. Demzufolge birgt jede fünfte von insgesamt 60  un­ter­suchten Badestellen in Deutschland Gesundheitsrisiken für Kinder, die in der Flachwasserzone spielen.

Die Badeseen im Kreis Esslingen bieten laut Gesundheitsamt jedoch eine einwandfreie Wasserqualität: „Alle drei überwachten Gewässer im Kreis schneiden mit ,ausgezeichnet‘ ab“, sagt Dr. Albrecht Wiedenmann vom Gesundheitsamt in Esslingen.Damit fallen der untere See an den Kirchheimer Bürgerseen, der Bissin­ger See und der Aileswasensee in Neckartailfingen in die beste Kategorie und erhalten als Prädikat drei Sternchen.

Die Sternchen als Symbol sind ebenso neu wie die Grundlagen zur Beurteilung und die Auflagen. Zum ersten Mal wurden die Seen in diesem Jahr nämlich anhand der neuen, einheitlichen EU-Richtlinie eingestuft. „Im Gegensatz zu früher werden nun die Daten der vier vo­rausgehenden Jahre herangezogen“, informiert der Sachgebietsleiter für Infektionsschutz und Umwelthygiene im Gesundheitsamt. Das hat aus seiner Sicht den Vorteil, dass daraus die langfristige Qualität des Badegewässers abzulesen ist. „Ziel der EU-Richtlinie war es ursprünglich, die systematische Verschmutzung der Badegewässer in den Griff zu bekommen.“ So sei bei einer über Jahre hinweg stabilen Wasserqualität gesichert, dass keine Abwässer aus Kläranlagen oder landwirtschaftliche Rückstände eingespült werden.

Einen Haken hat die Sache jedoch: Die drei Sternchen erfassen nicht die aktuellen Messwerte. Außerdem besteht die Gefahr, dass ein kurzfristiger Anstieg der Keimbelastung zwischen zwei Probeterminen gar nicht bemerkt wird. „Ein kleines Restrisiko bleibt also“, sagt Dr. Albrecht Wiedenmann. Besonders nach Gewittern und starken Regenfällen bestehe die Gefahr, dass beispielsweise Dünger von den Feldern in die Seen gespült werde. Ist das Wasser nach einem Unwetter braun und aufgewühlt, sollte man die Badestelle lieber meiden. „Wenn sich die übliche Sichttiefe kurzfristig verschlechtert, ist das ein Warnsignal“, so Wiedenmann.

Um möglichst sicherzugehen, hat der Landkreis Esslingen freiwillig an den kürzeren Probeintervallen festgehalten. Alle zwei Wochen – also doppelt so häufig wie von der EU vorgegeben – werden während der Badesaison von 1. Juni bis 15. September Proben entnommen. Eine erste Überprüfung findet sogar schon im Mai vor Beginn der Badesaison statt.

Darüber hinaus wird an den Seen nicht nur die Einstufung der aktuellen Messwerte ausgehängt. Im Landkreis ist es auch ausdrücklich erwünscht, dass die Kommunen die Badegäste per Aushang über die zuletzt gemessene Keimbelastung informieren.

In Bissingen beispielsweise ist zudem Wassermeister Uli Pangerl regelmäßig vor Ort. Er überprüft, ob es sichtbare Verschmutzungen oder Auffälligkeiten gibt. „Wir überwachen auch die Bäche und Zuflüsse“, so Pangerl. Bei starken Gewittern besteht etwa die Möglichkeit, den Bach umzuleiten und den See so vor Schmutzwasserzufluss zu schützen. „Vor zwei Wochen haben wir außerdem gemäht, um die Algen zu entfernen“, erzählt Pangerl.

Auch die Bürgerseen stehen unter ständiger Beobachtung. Neben den Kontrollen durch das Gesundheitsamt ist auch das Baubetriebsamt der Stadt regelmäßig vor Ort.

Wichtig ist es der Stadt Kirchheim, dass die Badegäste nur die vorgesehenen Treppen und den Steg als Zugänge nutzen. Springen ist am Steg verboten, zumal das Wasser dort nicht allzu tief ist. Kindern steht der durch Steine gesicherte Spielbereich vorm Steg zur Verfügung.

Dass der Badespaß in der Natur größere Risiken birgt als ein Freibadbesuch, darauf weist neben den Kommunen und dem Gesundheitsamt auch die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) hin. Nicht nur, dass es bei den meisten Seen keine Badeaufsicht gibt. „Geringere Sichttiefen und zum Teil sehr große Wassertiefen bergen zusätzliche Gefahren für Badende“, heißt es auf der Homepage der LUBW. Das gilt insbesondere auch für Kinder und Nichtschwimmer. „Gibt es viele Algen, besteht auch das Risiko, sich darin zu verfangen“, warnt Dr. Albrecht Wiedenmann. Neben solchen Makroalgen kann es in Badeseen aber auch unangenehme Begegnungen mit Mikroalgen wie den Blaualgen geben. Sie können verschiedene Krankheitserscheinungen auslösen. „In den Seen im Landkreis sind in den vergangenen Jahren aber keine Blaualgen aufgetreten“, so Wiedenmann.