IHK. Die duale Ausbildung bleibt der Schlüssel zur Fachkräftesicherung im Landkreis Esslingen. Deshalb engagieren sich Unternehmen, Schulen und die IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen gemeinsam dafür, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern und sie auf die Arbeitswelt von morgen vorzubereiten. Mit einer starken Berufsorientierung, innovativen Ausbildungsangeboten und einem engen Netzwerk zwischen Wirtschaft und Schule setzt die IHK ein klares Zeichen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts.
„Die duale Ausbildung ist und bleibt das wichtigste Instrument der Fachkräftesicherung. Sie eröffnet jungen Menschen eine gute Basis für ihr Berufsleben und versorgt die Unternehmen mit den qualifizierten Fachkräften, die sie für die Transformation benötigen“, sagt Christoph Nold, leitender Geschäftsführer der IHK in Esslingen. Aktuell stehen viele Betriebe vor wirtschaftlichen Herausforderungen, die sich auch auf den Ausbildungsmarkt auswirken. Gleichzeitig zeigt die hohe Beteiligung von Schulen und Unternehmen an Berufsorientierungsangeboten, dass das Bewusstsein für die Bedeutung der beruflichen Bildung ungebrochen ist.
Der industriegeprägte Landkreis Esslingen ist von den aktuellen Ausbildungsrückgängen stärker betroffen als die Region Stuttgart insgesamt. Die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge in den IHK-Berufen sank gegenüber dem Vorjahr um 11,9 Prozent. Dabei gingen sowohl die gewerblich-technischen Ausbildungsverträge (minus 15,0 Prozent) als auch die kaufmännischen Abschlüsse (minus 9,6 Prozent) zurück. In der gesamten Region Stuttgart beträgt das Minus 10,2 Prozent. „Der Landkreis Esslingen spürt die Belastungen der industriellen Transformation und die konjunkturelle Schwäche besonders deutlich. Unsere starke Ausrichtung auf die Automobilindustrie, den Maschinenbau und exportorientierte Unternehmen macht sich auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar“, sagt Vanessa Bachofer, Präsidentin der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen.
IHK setzt auf Ausbildung und starke Berufsorientierung
Ein wichtiger Stabilitätsfaktor im Landkreis Esslingen ist das etablierte Netzwerk beim Übergang von der Schule in den Beruf. Die Angebote der IHK-Bezirkskammer – darunter der IHK-Berufsparcours, das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT, Bildungspartnerschaften sowie Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter – werden weiterhin intensiv nachgefragt. Gemeinsam mit dem regionalen Fachkräftebündnis bilden sie eine solide Basis, um junge Menschen frühzeitig für berufliche Perspektiven vor Ort zu gewinnen. „Die hohe Beteiligung von Schulen und Unternehmen zeigt, dass das Bewusstsein für die Bedeutung beruflicher Ausbildung und qualifizierter Fachkräfte im Landkreis ungebrochen ist. Darauf können wir aufbauen“, so Nold. Positiv sei zudem, dass sich allgemeinbildende Gymnasien mittlerweile deutlich offener für berufliche Karrierewege mit dualer Aus- und Weiterbildung zeigen.
Ein besonderer Höhepunkt der kommenden Monate ist der IHK-Berufsparcours am 10. November 2026 in der Jesinger Gemeindehalle in Kirchheim unter Teck, den die IHK gemeinsam mit der Stadtverwaltung und der Freihof-Realschule veranstaltet. Beim Berufsparcours stehen Talent, Praxis und das persönliche Kennenlernen im Mittelpunkt: Jugendliche erproben sich in verschiedenen Berufsbildern und entdecken dabei ihre Stärken. Regionale Unternehmen stellen typische Aufgaben aus ihrem Arbeitsalltag vor und treten direkt mit potenziellen Nachwuchskräften in Kontakt – eine Chance, von der vor allem kleine und mittlere Betriebe profitieren. Gleichzeitig vermittelt das Format die Attraktivität und Vielfalt der dualen Ausbildung auf anschauliche Weise.
Zukunftsfähige Inhalte stärken die Wettbewerbsfähigkeit
Neben der Nachwuchsgewinnung setzt die IHK verstärkt auf die Modernisierung der Ausbildungsinhalte. Ein zentrales Beispiel ist die Zusatzqualifikation „Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen“, die unter maßgeblicher Beteiligung der Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen entwickelt wurde. Seit der Sommerprüfung 2026 wird die schriftliche Prüfungsaufgabe für diese Qualifikation in Esslingen konzipiert und bundesweit anderen Industrie- und Handelskammern bereitgestellt.
„Wir werden unser Engagement für Ausbildung, Weiterbildung und Fachkräftesicherung weiter ausbauen. Gerade in Zeiten des Wandels müssen wir junge Menschen bestmöglich auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt vorbereiten. Die duale Berufsausbildung leistet dazu einen entscheidenden Beitrag: Sie verbindet praxisnahe Qualifizierung mit den konkreten Anforderungen der Betriebe und sichert jene Fachkräfte, die unsere Unternehmen für eine erfolgreiche Transformation brauchen“, betont Nold.
Ausbildungsoffensive wirkt dem Abwärtstrend entgegen
Um den Rückgang der Zahlen zu stoppen, unterstützt die Bezirkskammer die Ausbildungsoffensive der IHK Region Stuttgart. Ziel ist es, neue Betriebe für die duale Ausbildung zu gewinnen und bestehende Ausbildungsbetriebe langfristig zu sichern. In der Region Stuttgart gibt es derzeit rund 4.600 aktive Ausbildungsbetriebe. Nach IHK-Schätzungen verfügt jedoch etwa die doppelte Anzahl an Unternehmen grundsätzlich über die entsprechende Ausbildungsberechtigung.
„Um dieses Potenzial auszuschöpfen, müssen wir bestehende Ausbildungsbetriebe stärken, ehemalige Betriebe zurückgewinnen und weitere Arbeitgeber für den Einstieg begeistern. Angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs kommt der Ausbildung eine Schlüsselrolle zu. Wer heute ausbildet, investiert in die Zukunft des eigenen Betriebs und stärkt zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts“, bekräftigt Barbara Keller, Referatsleiterin Beruf und Qualifikation der IHK-Bezirkskammer in Esslingen.
Klare Erwartungen an die Politik
Neben dem Engagement der Wirtschaft sieht die IHK auch die Landes- und Bundespolitik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen spürbar zu verbessern. Gefordert wird vor allem, die schulische Berufsorientierung gezielt auszubauen statt zu kürzen und duale Bildungswege mit dem akademischen Pfad endlich gleichwertig zu behandeln. Um die Ausbildungsreife der Schulabgänger nachhaltig zu sichern, muss der Unterricht früher ansetzen: Notwendig sind mehr Praxisphasen bereits in den allgemeinbildenden Schulen, eine konsequente Stärkung der Basiskompetenzen in Deutsch und Mathematik sowie ein leistungsorientierter Unterricht, der Eigenverantwortung und mentale Belastbarkeit fördert. Darüber hinaus verlangt die Wirtschaft moderne Ausstattungen für die Berufsschulen und einen spürbaren Abbau bürokratischer Hürden, um Ausbildungsbetriebe wirksam zu entlasten.
IHK-Bildungskongress: „Ausbildung? Gerade jetzt!“
Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen laden die IHK Region Stuttgart und Südwestmetall am 14. Oktober 2026 zum Bildungskongress „Zukunft Ausbildung gestalten“ ein. Unter dem Leitthema „Ausbildung? Gerade jetzt! – Fachkräftesicherung in dynamischen Zeiten“ diskutieren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis, wie Unternehmen handlungsfähig bleiben und ihren Fachkräftebedarf langfristig sichern können.
„Die schwierige Wirtschaftslage stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen und wirkt sich zunehmend auf den Ausbildungsmarkt aus. Dennoch gilt: Gerade jetzt darf nicht bei der Ausbildung gespart werden“, unterstreicht Andrea Bosch, Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung und Fachkräfte bei der IHK Region Stuttgart. „Unternehmen, die heute ausbilden, sichern sich die Fachkräfte von morgen und legen den Grundstein für ihren künftigen Erfolg.“
Weitere Infos zum Kongress: https://www.ihk.de/stuttgart/bildung-schulung-pruefung/zukunftskongress-ausbildung

