Lenningen. Einsatzleiter Ralf Kächele erkundete zunächst die Lage. Das war wichtig, auch wenn es sich, wie in diesem Fall, um die jährliche Hauptübung der Floriansjünger handelte. Eilig rollten die Kameraden die Schläuche aus, schlossen sie an die Verteiler an und stellten die Wasserversorgung für die Löscharbeiten sicher. Am Naturschutzzentrum gibt es einen Erdtank, der rund 30 000 Liter Wasser enthält. Er diente bei der Simulation am Wochenende nur als Puffer für die Löscharbeiten.
„Der Erdtank hat ein Problem“, erklärte Peter Allgaier. „Er läuft nicht von selbst voll. Das heißt, wir müssen den Tank nach der Übung wieder auffüllen, und wenn wir im Verlauf der Arbeiten mehr Wasser brauchen, dann müssen wir das von einer Leitung der Landeswasserversorgung beziehen.“ Einen entsprechenden Anschluss gibt es rund 1 200 Meter vom Einsatzort entfernt beim Maierhof, wie der Zugführer der Schopflocher Wehr berichtete.
Aus diesem Grund rückte auch die Abteilung Lenningen mit ihrem Schlauchwagen aus. Die Kameraden trafen rund 20 Minuten nach der Alarmierung durch die Leitstelle am Ort des Geschehens ein. Während die Schopflocher Feuerwehrleute zunächst das Wasser aus dem Erdtank für ihren Löschangriff verwendeten, verlegten die Lenninger Floriansjünger die Schlauchleitung vom Maierhof zum Naturschutzzentrum. Michael Eberle, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen, erklärte, dass beim Transport des Wassers über die 1 200 Meter lange Strecke Reibungswiderstände entstehen. „Die müssen überwunden werden. Deshalb kommen zwei Pumpen zum Einsatz, die in der Minute rund 800 Liter Wasser durch die Schlauchleitung befördern.“
Nachdem Ralf Kächele noch vor dem Eintreffen der Abteilung Lenningen in Erfahrung gebracht hatte, in welchem Teil des Gebäudes der „Brand“ wütete, begann er die Einsatzkräfte zu koordinieren. Im Gebäude waren zwei Personen eingeschlossen. Die Atemschutzgeräteträger Uli Hiller und Thomas Schmid gingen ins Gebäude, um sie zu suchen. Die vermissten Personen waren ansprechbar, als die beiden Feuerwehrleute sie fanden. So konnten sie rasch ins Freie gebracht und der Bergwacht Württemberg, Bereitschaft Stuttgart, übergeben werden, die die „Verletzten“ medizinisch betreute. Beim Innenangriff und der Menschenrettung wurden die örtlichen Einsatzkräfte von der Abteilung Ochsenwang unterstützt.
Draußen bauten die Floriansjünger der Abteilungen Schopfloch und Gutenberg eine Riegelstellung auf. Mit dem dabei entstehenden Hydroschild reduzierten die Löschtrupps die Wärmestrahlung und unterbanden den Funkenflug, um ein Übergreifen des Feuers auf andere Gebäudeteile zu verhindern. „Hinter dem Altbau befindet sich ein Trafohäuschen“, so Peter Allgaier. „Bei Löscharbeiten müssen die Kameraden von derartigen Objekten einen Sicherheitsabstand von 15 Metern einhalten.“ Im Ernstfall würde die Feuerwehr aber auch den Energieversorger verständigen, um ihn zu bitten, den Strom abzustellen, wie der Zugführer erklärte.
Nach etwa einer Stunde war die Hauptübung abgeschlossen. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Jürgen Burckhardt bescheinigte den Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen einen guten Ausbildungsstand. Insbesondere die Schwierigkeiten, die bei der Wasserversorgung bestehen, hätten die Einsatzkräfte hervorragend gemeistert. Er betonte aber auch, dass in der Nachbesprechung höchstwahrscheinlich überlegt werde, wie die Löschwasserversorgung beim Naturschutzzentrum verbessert werden könne. „Beispielsweise, indem der Erdtank an eine Leitung angeschlossen wird, die dafür sorgt, dass permanent Wasser in den Behälter nachläuft“, so Jürgen Burckhardt.
Auch Michael Eberle war von der Leistung der rund 50 Einsatzkräfte beeindruckt. Für ihn hat die Hauptübung einmal mehr unter Beweis gestellt, wie gut die einzelnen Abteilungen im Ernstfall zusammenarbeiten. Der stellvertretende Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen berichtete, dass es das erste Mal war, dass die Einsatzkräfte am Naturschutzzentrum den realen Einsatz simulierten. „In unserem Einsatzgebiet gibt es 16 Objekte, die außerhalb der geschlossenen Ortschaften liegen und wo die Wasserversorgung im Brandfall zur Herausforderung wird“, so Eberle. „Deshalb war es wichtig, wieder eine Übung anzuberaumen, die die Kameraden optimal auf Einsätze an derartigen Objekten vorbereitet.“
