Kirchheim. Eine enge Verbindung des 200-Seelen-Ortes zu Kirchheim besteht seit 40 Jahren, seit das Ehepaar Bertoldi aus dem Nonstal in die Teckstadt umgezogen ist. Giuliana Bertoldi kam als Lehrerin für muttersprachlichen Unterricht über das italienische Konsulat und war in dieser Funktion über Jahrzehnte Ansprechpartnerin für italienische Familien und deutsche Lehrkräfte.
Fabio Bertoldi, von Beruf Koch, eröffnete im Jahr 1971 das damalige Gasthaus zum „Fass“ und im Jahr 1977 das Gasthaus zum „Hirsch“ in der Dettinger Straße (das heutige „Fass“). Als wichtige Mittler und Berater in der interkulturellen Arbeit der Stadt und als Mitglieder des Ausländer- und später des Integrationsausschusses waren sie „Wanderer zwischen den Welten“, wie sie schon vor Jahren in einem Teckboten-Artikel bezeichnet wurden. Für ihr vielfältiges Engagement erhielten sie 2006 die Kirchheimer Bürgermedaille. Ihre Einladung ins Trentino wurde von Mitgliedern des Kirchheimer Integrationsausschusses und anderen in der interkulturellen Arbeit Engagierten gerne angenommen.
Amblar liegt auf einem Hochplateau im Nonstal, einem Seitental der Etsch, auf 980 Metern Höhe über den Weinbergen und bietet einen wunderbaren Blick auf die schneebedeckten Berge. Fabio Bertoldi besitzt in Amblar noch ein ererbtes Hotel, in dem er seine schwäbischen Gäste unterbringen konnte. Die Gastgeberschaft hatte jedoch das gesamte Dorf übernommen. Durch vielfältige Beziehungen konnte ein interessantes Programm zusammengestellt werden, mit dem die wenigen Tage schnell ausgefüllt waren: Ausflüge nach Bozen und Trient, die Besichtigung einer Apfelgenossenschaft und einer Molkerei, eine Weinprobe, sowie der Besuch des Schlosses Thun und des Klosters San Romedio.
Heute ist nichts mehr zu spüren von der einstigen wirtschaftlichen Not, die die Trentiner Familien zum Auswandern zwang. Wein- und Obstbau, Käsereien, Tourismus und Handwerksbetriebe sichern den Bewohnern ein gutes Auskommen. Die Städte Trient und Bozen bieten Arbeitsplätze in der Industrie. Durch ihren autonomen Status hat die Provinz Trient mancherlei Freiräume, beispielsweise im Bildungswesen. So konnte die Kirchheimer Reisegruppe interessante Einblicke gewinnen in einer Grund- und einer Mittelschule, die jeweils bestens ausgestattet sind und mit einem gut durchdachten pädagogischen Konzept arbeiten. Ähnlich war die Erfahrung beim Besuch einer zweisprachigen Grundschule in der Nachbarprovinz Bozen.
Die Kirchheimer, mit bürgerschaftlichem Engagement durchaus vertraut, waren beeindruckt vom Gemeinsinn und der Einsatzbereitschaft der Menschen in Amblar. Die örtliche Initiative „Pro Loco“ bindet Alt und Jung zusammen. „Bei uns machen alle alles“, erklärte Giuliana Bertoldi. Und so sind trotz der geringen Einwohnerzahl alle wichtigen Angebote am Ort – was teilweise nur auf ehrenamtlicher Basis funktionieren kann. Die Gaststätte, beispielsweise, wird vom Pfarrer organisiert. Die Bürgermeisterin Bruna Pellegrini ist für ihre Aufgabe zwei Tage pro Woche von ihrem Amt als Friedensrichterin im nahegelegenen Fondo freigestellt. Auch sie weiß die Trentiner Autonomie für ihr Dorf zu schätzen.
Und wie alle sangesfreudigen Dorfbewohner singt sie natürlich im Chor „El Paz“ mit, dem gemeinsamen Chor der Gemeinden Amblar, Don und Romeno.
Am Abschlussabend gab es ein Konzert für die Kirchheimer Gäste; dazu lud der Verein „Pro Loco“ zu einem selbst gekochten Essen mit lokalen Spezialitäten ein. Es ist zu hoffen, dass die geknüpften Beziehungen dank der „Wanderer zwischen den Welten“ erhalten bleiben und die gastfreundlichen Einwohner von Amblar auch wieder einmal den Weg nach Kirchheim antreten. Ein Konzert, das der Chor anlässlich einer Reise im April im Kirchheimer Bohnauhaus gegeben hat, ist vielen noch in schöner Erinnerung.rh
