Schon lange wurde keine Heckschnärre mehr in Nürtingen gesehen. Der Vogel hat dort keinen Lebensraum mehr. Einer, den das nicht unberührt lässt, hat von der Nürtinger SPD das symbolische Ei des Vogels verliehen bekommen: der Naturschützer Karl-Heinz Frey.
Nürtingen. Mit Frey bekommt das 28. Ei der Heckschnärre einer verliehen, der Zeit seines Lebens nie Angst hatte, im Einsatz für das, was er als gut und richtig erkannt hat, auch einmal jemandem auf die Füße zu treten. Nicht nur SPD-Prominenz war zu Verleihung des Eis in die Kreuzkirche gekommen, auch viele frühere Preisträger, Freunde, Kollegen und Mitstreiter. Nur das komplette Führungstrio der Stadt hatte aus Termingründen abgesagt – ein Umstand, der laut der SPD-Vorsitzenden Bärbel Kehl-Maurer nichts mit Freys Äußerung zu tun habe, sein Fachwissen sei in der Stadt nicht gefragt.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Nürtinger Gemeinderat, Hans-Wolfgang Wetzel, gab einen kurzen Überblick über das Ei der Heckschnärre und die Geschichte seiner Verleihung: „Das Ei wird so lange verliehen, bis es jemandem gelingt, eine Heckschnärre auszubrüten.“
Die Laudatio auf den Preisträger hielt ein langjähriger Bekannter von Frey, der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). Er habe Frey als einen engagierten Kämpfer für den Naturschutz kennengelernt, der ihm schon viele wertvolle Impulse für seine Landtagsarbeit gegeben habe.
Aufrecht schnärrend wie die Heckschnärre setze Frey sich für die gerechte Sache ein. Frey wurde 1944 geboren und erlernte den Beruf des Fernmeldetechnikers. Als Funk- und Richtfunkmechaniker arbeitete er bei der Nato, bevor er 1970 ein Studium der Sozialarbeit absolvierte und dann 30 Jahre lang im Sozialen Dienst beim Landratsamt tätig war. „Hier hat er die Interessen der Vergessenen und Hilfebedürftigen gegen die Etablierten verteidigt.“
Auch im Umweltschutz setzt sich Frey nicht für „prominente“ Tiere wie Luchse oder Adler ein, sondern für Tiere ohne Lobby wie Schnecken oder Mollusken. Wer Frey zuhört, erkenne die Bedeutung dieser Tiere für das Ökosystem.
Freys Hartnäckigkeit zeitigte bereits einige Erfolge, zum Beispiel bei der Wiederansiedelung der Schwarzpappeln am Neckar. Leise und sachlich setze er sich für seine Sache ein. „Helfen Sie weiterhin mit, die Umwelt zu schützen, schnärren Sie weiter!“, schloss Untersteller, bevor Frey das Ei mit Urkunde überreicht wurde.
Der Gewürdigte, ein erfahrener Streiter mit dem Amtsschimmel, sagte zu Beginn seiner Dankesrede, er habe den Hinweis bekommen, sich mit der Behördenschelte zurückzuhalten – etwas, an das er sich als widerständiger Mensch natürlich nicht hielt. Als Sprecher der Landesnaturschutzverbände sei er gewählt mit einer Stimmenanzahl, die es mit der des Oberbürgermeisters aufnehmen könne – und er könne bei Unzufriedenheit auch jederzeit wieder abgewählt werden. Viele in der Politik betrachteten hingegen ihr Amt als ein Lehen und legten feudale Verhaltensweisen an den Tag.
Mit Ämtern kennt sich Frey als Kriegshinterbliebener seit seiner frühen Jugend aus. Er berichtete von seiner Kindheit im zerbombten Stuttgart und von seinem Versuch, dem Wehrdienst durch einen Umzug nach Berlin zu entgehen. Als er zur See fahren wollte, wurde er aber auf westdeutschem Boden schnell eingezogen und machte das Beste draus: er nutzte einfach die Bundeswehr, um die Welt kennenzulernen.
