Musik für die Fantasie: Die Stadtkapelle Weilheim bot allerbeste Unterhaltung beim Winterkonzert
Ein Konzert wie eine Pralinenschachtel

Weilheim. Als Auftakt des Winterkonzerts der Stadtkapelle Weilheim Teck erklang die Titelmelodie des Films „Forrest Gump“, gespielt vom Jugendorchester. „Das Leben ist wie


Peter Dietrich

eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt“, hatte Forrest Gump im Film gesagt. Dieses Zitat passte auch auf das an Überraschungen reiche Konzert.

Rund 350 begeisterte Zuschauer saßen in der Limburghalle, doch nach netto zweieinhalb Stunden Konzert und drei Zugaben half auch alles Aufstehen und Klatschen nichts mehr. Dirigent Joachim Parylak bat um Nachsicht, seine Musiker seien durchgeschwitzt. Nach einem anspruchsvollen Kirchenkonzert Ende November waren der Stadtkapelle nur sechs Wochen zum Üben geblieben. Es waren sehr intensive sechs Wochen, der Dirigent rief die Musiker zu einigen Zusatzproben zusammen.

Begonnen hatte das Konzert mit einem Jugendorchester, dessen Programm durch drei fitte Jungs moderiert wurde. Sie schafften es sogar, das Funkmikrofon wieder in Gang zu bringen. Auf Forrest Gump folgte ein Medley mit bekannten Melodien der britischen Rockband Queen. Wer hat sie nicht im Ohr, Titel wie „We Will Rock You“ und „We Are The Champions“? Tun sich ein Rocksänger und ein Kinderliederkomponist zusammen, kommt so etwas heraus wie das Musical „Tabaluga“. Das Jugendorchester unter Leitung von Julian Linsenmayer hatte daraus das schöne Stück „Nessaja“ ausgesucht. Rhythmisch sauber brachte es anschließend „Party Rock Anthem“, den Hit des Jahres 2011 des amerikanischen Duos LMFAO, zu Gehör. Bei der Zugabe, dem „Final Countdown“ der schwedischen Hard-Rock-Band Europe, klatschten einige Zuhörer am Schluss zu früh, der Dirigent hob den Finger – und der Schlussakkord erklang. Das Jugendorchester meisterte seine knappe halbe Stunde mit Bravour.

Die Vorstufe unter Leitung von Joachim Parylak begnügte sich nicht mit ganz einfachen Stücken. Gleich das erste, „March Along“, verlangte versetzte Einsätze. Nach „Tiritomba“, dem Hit von 1956, wollten es die Jungs und Mädchen der Vorstufe nochmals richtig krachen lassen. Für den „Farmhouse Rock“ holten sie sich die Verstärkung des Jugendorchesters. Solch ein Nachwuchs lässt für die Zukunft Gutes hoffen.

Die Stadtkapelle eröffnete mit der Olympischen Fanfare von 1996, ließ bei der Reise ans Ende der Welt von Benjamin Yeo sogar die Möwen schreien. Bei den „Spassvogel-Variationen“ von Alfred Bösendorfer durchlief Tenorhornsolist Joachim Kamin die Töne in atemberaubendem Tempo. Geht es bei dem Stück doch darum, eine Frau zu begeistern und bei Laune zu halten – wer weiß oder ahnt nicht, wie schwer dies sein kann. Der kräftige Applaus für das virtuose Spiel war verdient.

Gleich drei Ehrungen hatte Ralf Krasselt, geschäftsführender Präsident des Blasmusikverbands Esslingen, vorzunehmen. Claudia Kraft spielt seit 20 Jahren Trompete, Andrea Würger fand nach einer beruflichen Pause zur Kapelle zurück und wurde als „Mutter der Querflöte“ ebenfalls für 20 Jahre geehrt. Beide Damen erhielten neben der Ehrennadel in Silber die Ehrenmitgliedschaft. Joachim Parylak ist nicht nur seit acht Jahren musikalischer Leiter der Stadtkapelle, er spielt auch seit 30 Jahren Trompete. Dafür erhielt der die Ehrennadel in Gold. Beim Ehrungsmarsch trauten sich die einfühlsamen Zuhörer nicht recht zu klatschen – bis der Dirigent das offizielle Zeichen dazu gab.

Als die Bilder laufen lernten, waren diese noch ohne Ton. Bei „Adventure“ war es quasi umgekehrt. Das Stück von Markus Götz, das dem Konzert seinen Namen gab, bot quasi einen Film ohne Bild. Die Töne führten den Mut des Helden vor Augen, boten romantische Momente und einen martialischen Schluss. „Nichts ist schrecklicher als die menschliche Fantasie“, hatte Edgar Allan Poe einmal geschrieben. Die Bilder, die das musikalische Bilderbuch „Dublin Pictures“ hervorrief, waren jedoch ganz und gar nicht schrecklich, sondern machten Lust auf Urlaub in Irland und einen Besuch im Pub. Bedrohlich wurde es hingegen bei „Inferno“, dem vertonten Brand in einem Naturschutzgebiet nördlich von Antwerpen. Zwei Feuerwehrleute stürmten mit dem Schlauch herein – den Ohmdener Brand im Gedächtnis, hatte der Moderator zuvor vorsichtshalber Entwarnung gegeben. Das Stück endete lieblich, die Natur wird sich erholen und mit der Zeit wieder ihre ursprüngliche Schönheit erlangen. Ganz hervorragend präsentierte die Stadtkapelle die beliebtesten Stücke aus dem Musical „Tanz der Vampire“. Genauso gelungen war eine Auswahl der Hits von Phil Collins, bei denen die Stadtkapelle von einer Band verstärkt wurde. „Take Me Home“ hieß einer der Titel, doch das galt noch nicht ganz.

Vorher zeigten die Zugaben noch, zu welcher Vielfalt die Stadtkapelle Weilheim Teck fähig ist. Erklang soeben noch der Spiritual „Just A Closer Walk With Thee“ in schönstem New-Orleans-Jazz, folgte darauf der River Kwai Marsch. Die Stadtkapelle fühlte sich in beidem Stilen gleichermaßen zu Hause. Vielleicht liegt das an der Freude und Leichtigkeit, mit der Dirigent und Musiker an die Musik herangehen. Verbissene Diskussionen über Musikstile kann man sich kaum vorstellen. Dafür macht so ganz verschiedene Musik einfach zu viel Spaß.