Schülerinszenierung überzeugte mit „Prinzessin Erde“
Ein Mann für jede Jahreszeit

Kirchheim. Sich zurückzunehmen und möglichst viel den Schülern zu überlassen, muss nicht zwangsläufig ein nachahmenswertes pädagogisches Erfolgsrezept sein. Was dabei


aber herauskommen kann, wenn es dadurch gelingt, Kreativität und Ehrgeiz, Begeisterungsfähigkeit und Teamgeist gleichermaßen zu wecken, belegte die im Rahmen der „Kirchheimer Kinder- und Theaterwochen Szenenwechsel“ im Vortragssaal der Kirchheimer Stadtbücherei präsentierte Inszenierung des Stücks „Prinzessin Erde“.

Unter der möglichst zurückhaltenden Leitung ihrer Klassenlehrerin Ute Eckert und der für Musik und Kunst zuständigen Kollegin Ulrike Marquardt hatten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4c der Kirchheimer Konrad-Widerholt-Grundschule intensiv mit der herausfordernden Frage beschäftigt, wie sie Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ auf die ganz besonders wackligen Bretter einer Stabpuppenbühne bringen könnten.

Dass sie „fast“ ohne fremde Hilfe die richtige Antwort auf fast alle Fragen und vor allem stets originelle Lösungen gefunden haben, machte den einzigartigen Charme der Aufführung aus und wurde durch den lang anhaltenden begeisterten Applaus belegt, den die 25 sich immer wieder in unterschiedlichen Funktionen abwechselnden Akteure mehr als verdient haben.

In gleich zwei mit professioneller Ernsthaftigkeit dargebotenen Aufführungen im Kreis von insgesamt drei Schulklassen und drei Kindergartengruppen wurden sie der großen He­rausforderung gerecht, ihr Publikum von Anfang an bei der Stange zu halten und dank zusätzlicher Unterstützung durch das aus Matthias Kliewel bestehende „Technik-Team“ die anspruchsvolle und einfallsreiche Inszenierung sauber über die Runden zu bringen.

Dass dabei alles nicht nur selbst erdacht, sondern auch gemeinsam handwerklich perfekt gemacht wurde, war zweifellos eine erstaunliche Leistung. Wer ein Stabpuppenspiel vorführen will, braucht zunächst ein funktionsfähiges Theaterhaus und viele Stabpuppen, jede Menge Kostüme und noch mehr Ideen.

Der zu recht gefeierten aktuellen Aufführung im Rahmen der Kirchheimer Reihe „Szenenwechsel“ war daher viel Arbeit vorausgegangen. Dennoch wurde deutlich, dass alle Beteiligten mit Begeisterung und großem Vergnügen bei der Sache waren und den Erfolg in vollen Zügen genossen. Wochen, Monate und Jahreszeiten flogen in der arbeitsintensiven Phase kreativer Vorarbeiten und handwerklichen Einübens nur so vorbei und damit deutlich mehr Zeit, als der traurigen „Prinzessin Erde“ bei ihrer Jahreszeiten überwindenden, aber letztlich doch nur vier ereignisreiche Tage umspannenden Suche nach dem passenden Partner zur Verfügung standen.

Mit den Prinzen „Pfirsich“, „Kirsche“, „Ahorn“ und „Tanne“ warben gleich aller vier Vertreter der Jahreszeiten sehr einfallsreich um die Gunst der schönen Prinzessin. Ihr königlicher Vater wachte dabei streng darüber, dass die Konkurrenten nicht nur zauberten und betörten, sondern durch belegte Qualitäten überzeugten, denn nur der Beste aller Schwiegersöhne kam für seine geliebte Tochter infrage.

Da flogen dann eindrucksvoll Vögel durch die Lüfte, Quellen spendeten Wasser, Schafe tanzten, Wind wehte und schließlich wurde der Himmel auch noch von Blitz und Donner zerrissen. Der Sommer spendete Früchte, der Herbst bunte Farben und der Winter neben einer dicken Eisdecke und wunderbar glitzernden aber sehr vergänglichen Kristallen auch Ruhe und Erholung für Mensch und Tier.

Um das alles umzusetzen, sind zweifellos originelle Ideen gefragt. Um die wolkenförmige blaue Quelle in einen zugeschneiten See zu verwandeln, genügte schon ein Papiertaschentuch, um die mitdenkende Fantasie des Publikums in die richtige Richtung zu steuern und ein kleiner Streifen davon bildete anschließend den benötigten „feinen Schal aus Nebelstreifen“.

Etwas unruhig wurde es immer nur während der kurzen Umbaupausen. Spekuliert wurde darüber, wie es denn weitergehen könnte und gegen Ende kritisiert, dass die Prinzessin jeder sie bislang begeisternden Jahreszeit versichert hatte, dass sie ihre allerliebste sei.

Da auch die aus Vivaldis Musik-Klassiker jeweils ausgewählten Passagen gleichermaßen überzeugten, waren alle froh, dass es keine Sieger und Verlierer gab, sondern alle vier potenziellen Partner sich Jahr für Jahr gleichberechtigt um die Gunst der Prinzessin Erde und der darauf lebenden Menschen bemühen dürfen.