Bahn erneuert die Trasse zwischen Kirchheim und Unterlenningen für zwei Millionen Euro
Ein neues Bett für die Obere Teckbahn

Die Obere Teckbahn erhält zwischen Kirchheim und Unterlenningen einen komplett neuen Gleiskörper: Schienen und Schwellen werden ausgetauscht sowie das Schotterbett gesäubert und mit frischen Steinen verjüngt.

Kreis Esslingen. „Die Gleisanlage ist in Ordnung, trotzdem tauschen wir sie aus“, erklärt ein Bahnsprecher auf Nachfrage. Allerdings streitet er nicht ab, dass das Gleis am Ende seiner Lebensdauer angekommen ist. „Deshalb sanieren wir ja die Strecke“, sagt er weiter.

Einige eiserne Bahnschwellen weisen beispielsweise Löcher an den Stellen auf, wo die Schienen aufmontiert sind. Außerdem stammen sie teilweise noch aus der Gründerzeit der Oberen Teckbahn, wie die eingeprägte Aufschrift „1900“ klar belegt – somit sind die Schwellen stolze 111 Jahre alt. Der Zahn der Zeit nagt auch an den Klemmfedern, die Schiene und Schwelle zusammenhalten. An der ein oder anderen Stelle fehlen sie beispielsweise ganz.

Mitte Juli will die Bahn mit den ersten Vorbereitungsarbeiten beginnen. Auf der knapp neun Kilometer langen Strecke wird der Schotter von Unkraut und Wurzelwerk befreit sowie mit Wasser gereinigt. Zudem siebt eine Spezialmaschine unbrauchbar gewordene Brocken heraus, weshalb rund 4 700 Tonnen neuer Schotter eingearbeitet werden. Die harten Steine – oft Granit – werden bewusst mit einer scharfen Kante gebrochen. So verhaken sie sich besser ineinander und halten somit die Schienen genau an der Stelle, wo sie verlaufen sollen. „Eine Stopfmaschine rüttelt die neuen Steine wieder in das Gleisbett ein“, beschreibt der Bahnsprecher den Vorgang.

Alle alten „Querverbindungen“ werden durchgehend erneuert. Das bedeutet, dass 13 600 neue Schwellen im Abstand von etwa 60 bis 65 Zentimetern verlegt werden. Insgesamt investiert die Bahn rund zwei Millionen Euro in die landschaftlich reizvolle Nebenstrecke. Ausgenommen ist dabei Oberlenningen. Aus einer Sitzungsvorlage des Verkehrsausschusses der Region Stuttgart vom Juli vergangenen Jahres geht hervor, dass es bei der derzeitgen Ausstattung des Abstellbahnhofs in Oberlenningen nicht möglich ist, zwei Züge dort abzustellen. Dies sei jedoch wegen der Güterzugbedienung Voraussetzung sowohl für einen durchgängigen Stundentakt als auch für den 30-Minuten-Takt. Kostenpunkt dafür: weitere rund zwei Millionen Euro.

„Die Sicherheit der Fahrgäste und auch der Güterzüge war zu jeder Zeit gewährleistet“, ist der Bahnsprecher überzeugt. Die Schwellen bestünden aus massivem Eisen. Der Rost sei deshalb unproblematisch, im Gegenteil, er schütze das Metall der Schwellen vor Umwelteinflüssen. Dem widerspricht allerdings ein Hobby-Eisenbahner. Die Pflege der Teckbahn, insbesondere des Schotterbetts, sei vernachlässigt worden. Dadurch habe Regenwasser nicht abfließen können und so die Eisenschwellen von innen rosten lassen.

„Drei- bis viermal im Jahr wird die Strecke zu Fuß abgegangen und kontrolliert – das ist ein recht langsamer Vorgang“, erklärt der Bahnsprecher. Darüber hinaus fahre zweimal jährlich ein Gleismesszug die Schienen ab. Dabei geht es um die gleiche Höhe der beiden Stränge – oder eben die Überhöhung in der Kurve. „Außerdem spüren die Lokführer bei ihren täglichen Fahrten, wenn sich das Gleis verändert“, so der Bahnsprecher.

Zu Beginn der Arbeiten Mitte Juli ändert sich für die Fahrgäste zunächst nichts, während der Sommerferien gibt es jedoch einen Schienenersatzverkehr in Form von Bussen. „Am 12. September ist das Gleis komplett neu und uneingeschränkt wieder befahrbar“, verspricht der Bahnsprecher.