Kirchheim. Was war das nun am Samstagabend in der Bastion? Hard-Rock, Gothic-Metal, Dark Wave, Funk-Rock, Rock-Jazz, oder einfach der viel zitierte Facettenreichtum eines Gitarrenkünstlers. Und so bleibt das Zuordnen in Stilrichtun
gen wahrlich ein mühseliges Unterfangen, letztendlich wird mit dieser Einordnerei nur das Schubladendenken gefördert und last but not least Musikkritikern das Leben erleichtert. Andererseits ist es sicherlich in der heiß umkämpften Branche förderlich, wenn ein Musiker diverse Musikstile perfekt beherrscht. Dass dem so ist, stellte Alexander Schädler, Gitarrenlehrer an der hiesigen Musikschule, am Samstagabend in der Bastion meisterhaft unter Beweis.
In den Neunzigern war Alexander Schädler, Gitarre und Gesang, Mitglied der Punkband „Shifty Sheriffs“, und nach drei Jahre schloss er sich der Geislinger Formation „Love Like Blood“, die als die Urväter des deutschen Gothic-Rock mit internationaler Reputation galten, an.
Mit dieser musikalischen Vorgeschichte nimmt es nicht wunder, dass es druckvoll und äußerst dynamisch zur Sache ging. Überwiegend instrumentale Stücke, zuweilen episch ausladend, mal mit ruppigen Grooves bestückt, dann wieder schmeichlerisch verspielt.
„The Machinist“ beschreibt mit intensiven, fast matschigen Thrash Metal-Elementen, den trögen Alltag eines Ferienarbeiters, der sich die Frage stellt: „Was mache ich hier eigentlich“. Das Austicken des Ferienjobbers verschmilzt zu einem musikalischen Amoklauf. Mit der Energie und Geschwindigkeit des Hardcore Punk und mit den Techniken der New Wave of British Heavy Metal beschwören Alexander Schädler, Klaus Webel, Keyboards, Friedrich Kienle, Bass, und Al Sauer, Schlagzeug, den musikalischen Hades herauf.
Bevor „The Machinist“ sich austobte, wurde eine fiedele Country-Nummer zu Gehör gebracht, „Creepy Chees“, ein gruseliger Käse in bester Bluegrass-Tradition gespielt.
Von den düsteren Höllenklängen ging es dann empor zum Licht. „Perturbado“, ein Stück auf der akustischen Gitarre, famos vorgetragen von Alexander Schädler, eine Hommage an das geniale Trio Al Di Meola/Paco De Lucia/John McLaughlin.
Bei dem Song „Cupid`s Dead“ der US-amerikanischen Funk-Metal-Band Extreme, setzte Alexander Schädler erstmals seine Stimme ein, während seine Finger wieselflink über das Griffbrett huschten.
Euphorische Stimmung im Kellerrund, dank einer hart aber herzlich aufspielenden virtuosen, experimentierfreudigen Band, die mit sämtlichen Stilrichtungen gewaschen war.
Als Zugabe ein Rückblick auf die Goth-Szene mit dem Frontmann und Sänger von „Love Like Blood“, Predrag ‚Gonzo‘ Vulin, dessen markante Stimme für Gänsehautfeeling sorgte, erinnerte sie doch an den verstorbenen Sänger und Gitarristen Ian Curtis von der englischen Band „Joy Division“.
„Temporaris“, gewiss eine CD, deren kreative Eigenkompositionen ohne zu kopieren auszukommen vermag, wenn doch, dann nur im Ansatz und überhaupt, die Geschichte der Rockmusik ist gekennzeichnet dadurch, dass jeder von jedem irgendwann etwas abgekupfert hat. Letztendlich kommt es auf den Wiedererkennungswert/Sound einer Band an, darauf, wer die Hitze des Rock‘n‘Roll findet. In diesem Sinne, viel Glück „Temporaris“.
