Gemeinde Bissingen weiht nach sechsmonatiger Bauzeit erweiterte und modernisierte Aussegnungshalle ein
Ein würdiger Ort des Abschieds

Sie ist Mittelpunkt des Bissinger Friedhofs und nun ein würdiger Ort, um von den Verstorbenen Abschied zu nehmen. Am vergangenen Samstag hat die Gemeinde ihre um rund eine halbe Million Euro erweiterte und modernisierte Aussegnungshalle eingeweiht.

Bissingen. Die 1958 gebaute und 1981 zum ersten Mal erweiterte alte Aussegnungshalle der Seegemeinde „war zu klein, zu offen, würdelos, hatte keine Pietät“. Dies musste Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf vor drei Jahren, als er sich um den Chefsessel im Rathaus bewarb, immer wieder in Bürgergesprächen erfahren. Deshalb war für ihn der Gedanke, die Totenhalle zu erweitern und zu modernisieren, „nachvollziehbar und sinnvoll“.

Freilich standen andere lokale Projekte in Konkurrenz dazu, und die Wirtschaftskrise machte das Vorhaben nicht einfacher. So schied ein Neubau von vornherein aus, „und bauen im Bestand bei einem finanziell engen Rahmen ist kein Selbstläufer“, diese Erfahrung musste Marcel Musolf machen. Deshalb blickte er bei der Einweihung in der voll besetzten Aussegnungshalle am vergangenen Samstag stolz auf das Geschaffene. „Damit ging ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung“, wusste der Bürgermeister, und viele Stimmen aus der Bevölkerung im Anschluss an die Feier bestätigten diese Einschätzung.

Die erweiterte Aussegnungshalle bietet bis zu 160 Trauergästen Platz, die geschützt vor Wind und Wetter in einem würdigen Rahmen Abschied von ihren Verstorbenen nehmen können. „Abschied und Trauer brauchen mehr als einen reinen Zweckbau. Es ist ein Ort existenzieller Erfahrung“, meinte Musolf, „das Gebäude soll den trauernden Menschen Augenblicke des Ausruhens und Orientierens bieten“.

Dazu tragen die klare Linienführung, die Beschränkung auf wenige, fein aufeinander abgestimmte Farbtöne, die Wiederverwendung bekannter Elemente und die großen Glasfenster bei, die für einen lichtdurchfluteten Raum sorgen.

Mit 190 000 Euro legte das Land Baden-Württemberg den finanziellen Grundstock für das Projekt, das mit einer halben Million Euro zu Buche schlagen wird. Drei Jahre dauerte die Planungsphase, wobei der Bürgermeister das Durchhaltevermögen und die gemeinsam erarbeiteten Lösungswege der Projektgruppe lobte. Auch erforderten die 16 Trauerfeiern während der sechsmonatigen Bauphase flexible Handwerker.

Dass mit der neu gestalteten Aussegnungshalle die beste Lösung im gegebenen Kostenrahmen erzielt wurde, das bestätigte auch Jürgen Merkle, Kirchengemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde Bissingen, der für beide Konfessionen sprach. Für den evangelischen Kirchengemeinderat, dessen Vertreter in der Projektgruppe mitarbeiteten, war es bei der Ausarbeitung des Konzepts der Halle ein zentraler Punkt, eine Umgebung zu schaffen, die die Trauernden stützt und ihnen Halt gibt, sagte Jürgen Merkle. Dies sei in einem angemessenen, konfessionsübergreifenden Rahmen gelungen. Für die Kunst am Bau, die von dem Bissinger Bildhauer geschaffene Holzstele „Keim der Hoffnung“, spendete die evangelische Kirchengemeinde den Erlös des Gemeindefests in Höhe von 1 115 Euro.

„Den Charakter des Gebäudes zu erhalten, wo nötig behutsam zu verändern und sinnvoll zu ergänzen“, war das Leitmotiv von Architekt Manfred Weil, Bissingen. Das zeigt sich in der konsequent weitergeführten Dachkonstruktion. Die Totenkammern wurden auf die sonnengeschützte Nordseite verlegt. Diesen vorgelagert befindet sich ein Bereich, in dem die Angehörigen angemessen Abschied nehmen können.

Anfang August 2010 hatte der Architekt dem damaligen Bürgermeister Wolfgang Kümmerle „ohne zu zögern“ zugesagt, die Planungen zu übernehmen. Ende September erhielt er grünes Licht vom Gemeinderat, und im Januar 2011 stellte Manfred Weil die Entwürfe vor. Mit Verspätung starteten Ende Mai 2013 die Rohbauarbeiten, der Zeitplan konnte aber letzten Endes fast eingehalten werden.

Nachdem ihm der Bürgermeister während der Bauzeit den Schlüssel für die Aussegnungshalle überlassen hatte, gab ihn nun Architekt Manfred Weil in Form eines gebackenen Schlüssels symbolisch wieder zurück.

Den Schlüssel für eine andere Symbolik lieferte der Bissinger Bildhauer Winfried Tränkner. Aus einer 200-jährigen Eiche wurde ein mächtiger Balken, der 600 Jahre lang den Keller eines Bissinger Hauses trug, bevor ihn der Bildhauer kaufte und zu einem Kunstwerk formte, „das die Zeichen des Trostes, der Zuversicht, der unvergänglichen Liebe und des Lebens und eines hellen Lichts im Dunkeln trägt – den Keim der Hoffnung“.

„Das gute Stück Holz“, das nun die Zwischenwand der Aussegnungshalle ziert, kaufte der Künstler vor 20 Jahren einem Bissinger Bürger ab. „Seither hab‘ ich überlegt, was mache ich draus?“ Die Antwort auf die Frage erhielt er mit dem Auftrag der Gemeinde.

Die Feier umrahmte in würdiger Weise der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde.