Kirchheim. Dass vor allem fremde Schätze ganz besonders attraktiv sind, belegt die imposante Ausstellungsgeschichte des sogenannten
WOLF-DIETER TRUPPAT
„Widerholt-„Pokals“. Der prachtvolle Pokal befand sich einst im Besitz Kaiser Maximilians I. Im Ausland hat das museale Kleinod, dessen Entwurf von Albrecht Dürer stammen dürfte, daher schon oft für Furore gesorgt und entsprechende Wertschätzung erfahren. Unter dem Titel „Konrad Widerholts Erbstück: Der Prunk- und Reisepokal Kaiser Maximilians I. von 1510“ ist dem begehrten Objekt historischer wie kunstgeschichtlicher Begierden jetzt auch im Untergeschoss des Städtischen Museums im Kornhaus eine eigene Ausstellung gewidmet.
Auf eine Präsentation im vergangenen Jahr wurde verzichtet, da die Ausstellung des mit 500 Jahren ältesten und wertvollsten Prunkstück der städtischen Sammlung leicht Gefahr gelaufen wäre, im Rahmen der vielfältigen Veranstaltungen der Jubiläumsfeierlichkeiten „1050 Jahre Stadtgeschichte“ unterzugehen. Dass die Ausstellung an einem Feiertag eröffnet wurde, war Folge einer Terminüberschneidung, hätte aber eigentlich besser nicht passen können.
Bei der gestern eröffneten Ausstellung, die noch bis einschließlich Sonntag, 21. August, zu sehen ist, stellte Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer gut gelaunt fest, dass „am heutigen Vatertag“ wieder „viele Herren umtrinkend durch die Lande ziehen“. Angesichts der Plastikbecher der Vatertagszecher konnte er elegant zu dem daran ablesbaren Wandel in der Trinkkultur und zu der unvergleichlichen Pracht des im Mittelpunkt der Ausstellung stehenden „Prunk- und Reisepokals“ überleiten, den einst Kaiser Maximilian I in Auftrag gegeben hatte. Entdeckt wurde das emaillierte Wappenschild Maximilians mit dem schwarzen zweiköpfigen Adler und aufgelegtem zweigeteiltem Brustschild Österreich-Burgunds im Jahre 1962. Für den „Widerholt-Pokal,“ der über Nacht zum „Prunk- und Reisepokal Kaiser Maximilians I.“ geworden war, begann damit eine rasante Reisezeit.
Nach „Gast-Aufenthalten“ in Innsbruck („Maximilian I.“, 1969), Nürnberg („Albrecht Dürer“, 1971) und während der Olympischen Spiele in München (1972) war das geheimnisumwitterte Trinkgefäß auch bei der Ausstellung „Albrecht Dürers niederländische Reise 1520/21“ 1977 in Brüssel zu sehen. Für ganz besonders großes Aufsehen sorgte der berühmte „Kirchheimer Kaiserpokal“, der der Stadt im Jahre 1667 von dem ehemaligen Obervogt von Stadt und Amt Kirchheim, „Conradt Widerholt“, mit einem Fass Wein testamentarisch vermacht wurde, vor allem auch im renommierten „Metropolitan Museum of Art“ in New York , wo weit über 111 000 Besucher gezählt wurden .
Darum bemüht, der Frage nachzugehen, welche Geschichte(n) ein direkt mit Albrecht Dürer in Verbindung gebrachter und mit Kaiser Maximilian schon weit gereister Gegenstand erzählen kann, wagte sich Museumsleiter Rainer Laskowski auch auf das schwierige Terrain abseits von verlässlichen Quellen gesicherten historischen Fakten. So werde beispielsweise kolportiert, dass sich Widerholt einst darüber beklagt habe, dass man ihn „trocken im Rathaus“ habe sitzen lassen. Damit es anderen nicht auch so ergehen soll, habe er der Stadt den wertvollen Pokal vermacht. Wie er in dessen Besitz kam ist nicht nachweisbar, doch ist zu vermuten, dass er nur einer von mehreren Nachbesitzern des noch gut erhaltenen einst kaiserlichen Pokals war.
Ein Versuch, dem matten Pokal mit schwäbischer Gründlichkeit und Silberputzmittel neue Strahlkraft zu verleihen, hätte 1994 das wertvolle Stück ohne eine sofort eingeleitete „Notoperation“ fast in ein Opfer nicht mehr aufhaltbarer Korrosion verwandelt
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